Hunderte Rohingya flüchten aus Grenzgebiet zwischen Myanmar und Bangladesch

Rund 6000 Rohingya leben im Niemandsland zwischen Myanmar und Bangladesch

Nach Drohungen von Soldaten aus Myanmar sind hunderte Rohingya-Flüchtlinge aus einem Lager im Grenzgebiet zu Bangladesch in das Nachbarland geflohen. Soldaten hätten die Flüchtlinge mit Megaphonen aufgerufen, das Niemandsland zwischen beiden Staaten zu verlassen, sagte der Rohingya-Vertreter Dil Mohammed am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. "Wir können nicht mehr ruhig schlafen". Rund 150 Familien hätten das Flüchtlingslager bereits verlassen und seien nach Bangladesch geflohen. Weitere wollten folgen.

Ein Vertreter des Grenzschutzes von Bangladesch sagte, die Soldaten des Nachbarlandes würden die Botschaft an die Rohingya zehn bis 15 Mal pro Tag absetzen. Demnach werden den Flüchtlingen Konsequenzen angedroht, wenn sie das Gebiet nicht verlassen. Seit Monaten leben rund 6000 Rohingya-Flüchtlinge, die vor der Gewalt in Myanmars Krisenregion Rakhine geflohen sind, in einem dünnen Landstrich zwischen Myanmar und Bangladesch.

Die muslimischen Rohingya werden im mehrheitlich buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt. Ende August eskalierte der Konflikt, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt und zerstörte zahlreiche Rohingya-Dörfer.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wurden allein im ersten Monat der Gewalt 6700 Rohingya getötet. Rund 700.000 Angehörige der Minderheit sind nach Bangladesch geflohen. Zwar haben beide Länder eine Rückführung der Flüchtlinge vereinbart; die meisten Rohingya wollen aber aus Angst vor neuer Gewalt derzeit nicht nach Myanmar zurückkehren.