Hunderte Menschen stellen sich Aufmarsch von Rechtsextremen in Berlin-Spandau entgegen

Hunderte Menschen sind am Samstag in Berlin-Spandau gegen einen Gedenkmarsch mehrerer hundert Rechtsextremer zum 30. Todestag des einstigen Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß auf die Straße gegangen

Hunderte Menschen sind am Samstag in Berlin-Spandau gegen einen Gedenkmarsch von ebenfalls mehreren hundert Rechtsextremen zum 30. Todestag des einstigen Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß auf die Straße gegangen. Ein Teil der Gegendemonstranten blockierte die vorgesehene Route der Rechten, wie die Berliner Polizei mitteilte. Diese bemühte sich mit rund 1000 Einsatzkräften weitgehend erfolgreich, die Gruppen voneinander getrennt zu halten.

Zu größeren Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht, wohl allerdings zu einzelnen kleineren Zusammenstößen. Verletzte und vorläufige Festnahmen gab es nicht. Polizisten setzten jedoch vorübergehend insgesamt 39 Menschen zur Feststellung der Personalien und zur Sicherung von Beweismitteln fest, davon 35 Rechtsextreme. Die Berliner Polizei wurde bei dem Einsatz von Beamten aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg unterstützt.

Auf Anweisung der Polizei war die Demonstrationsroute der Rechten geändert worden, offensichtlich da ein Durchkommen auf dem eigentlich geplanten Weg nicht möglich war. Sprecher der Gegendemonstranten werteten die Blockaden als Erfolg. Sie bezifferten die Zahl der Gegendemonstranten auf mehr als 1000, die der Rechtsextremisten auf etwa 800.

Zu den Gegenkundgebungen hatte ein breites Aktionsbündnis aufgerufen, das unter anderem von SPD, Grünen, Linkspartei, Kirchen und Gewerkschaften unterstützt wurde. In ihrem Aufruf wandten sie sich nicht nur gegen ein "Heldengedenken" für Heß, sondern auch generell gegen "rassistische Stimmungsmache" sowie "Drohkulissen gegen Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete". Heß war am 17. August 1987 im Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten in Berlin-Spandau gestorben.

Spekulationen gab es über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Demonstrationsgeschehen und Brandanschlägen auf Einrichtungen der Bahn im Berliner Umland. Durch die Anschläge vom Samstagvormittag wurde der Zugverkehr nach Berlin erheblich gestört. Konkrete Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gab es jedoch zunächst nicht.

Wegen der Zugausfälle bei der Bahn erreichten nach Polizeiangaben etwa 250 Rechtsextreme den Aufzugsort des Heß-Gedenkmarsches nicht - sie versammelten sich am Samstag im benachbarten Falkensee, wo sie kurzfristig eine Demonstration anmeldeten. Der Aufzug mit anschließender Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle, wie die Polizei in Potsdam mitteilte.

Allerdings ging eine Fensterscheibe an einem Grünen-Büro in Falkensee durch einen Steinwurf zu Bruch. Die Polizei prüft nun mögliche Zusammenhänge zwischen der Sachbeschädigung mit der rechtsextremen Demonstration.