Hundert Tote bei Gewalt kurz nach "sofortiger Waffenruhe" in Zentralafrika

Heftige Gewaltausbrüche mit dutzenden Toten haben die Hoffnung auf Frieden in der Zentralafrikanischen Republik vorerst zerschlagen. Keine 24 Stunden nach der Verkündung einer "sofortigen Waffenruhe" wurden rund 100 Menschen getötet

Heftige Gewaltausbrüche mit dutzenden Toten haben die Hoffnung auf Frieden in der Zentralafrikanischen Republik vorerst zerschlagen. Keine 24 Stunden nach der Verkündung einer "sofortigen Waffenruhe" wurden rund hundert Menschen getötet, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. In der Stadt Bria im Zentrum des Landes kam es am Dienstag zu schweren Feuergefechten.

Bis zum Mittwochmorgen stieg die Zahl der Todesopfer in Bria auf etwa hundert, wie Bürgermeister Maurice Belikoussou sagte. Ein Mitglied der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichtete, dutzende Opfer mit Schusswunden seien in das Krankenhaus der Stadt eingeliefert worden.

In Bria standen sich Mitglieder der prochristlichen Anti-Balaka-Miliz und der ehemaligen muslimischen Rebellengruppe Séléka gegenüber. Die sich bekriegenden Parteien hätten Dörfer in der Nähe der Stadt und Wohngebiete in Bria in Brand gesetzt, berichtete der Parlamentsabgeodnete Arsene Kongbo der Nachrichtenagentur AFP. Zahlreiche Menschen hätten vor der Gewalt die Flucht ergriffen.

Nichtregierungsorganisationen zufolge war die Lage in der Stadt am Mittwoch noch immer angespannt. Auch in den Orten Bangassou und Alindao waren demnach Schüsse zu hören.

Erst am Montag hatten die Regierung der Zentralafrikanischen Republik und die Rebellen im Land nach fünftägigen Verhandlungen in Rom eine "sofortige Waffenruhe" unterzeichnet. Darin wird den bewaffneten Gruppen im Gegenzug für ein Ende von Angriffen und Blockaden die Möglichkeit einer politischen Beteiligung zugesprochen. Ihre Mitglieder sollen in die Streitkräfte des Landes aufgenommen werden.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief am Mittwoch "alle Beteiligten auf, nunmehr konsequent die getroffenen Vereinbarungen umzusetzen: Die Kämpfe müssen aufhören." Die Bevölkerung Zentralafrikas brauche dringend Frieden und Sicherheit, um das Land wieder aufbauen zu können.

Der Zentralafrikanischen Republik fehle es nicht an Friedensabkommen, sagte Thierry Vircoulon vom französischen Institut für internationale Beziehungen (Ifri). Vielmehr fehle es an Kräften, die sicherstellten, dass die Abkommen auch respektiert würden.

Die Zentralafrikanische Republik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Séléka-Rebellen hatten im Jahr 2013 nach dem Sturz von Präsident François Bozizé die Macht im Land übernommen. Das Land war durch den Sturz des Präsidenten in eine Spirale der Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen gestürzt.

Bei Massakern wurden tausende Menschen getötet, hunderttausende weitere wurden in die Flucht getrieben. Eine internationale Intervention unter Führung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich Anfang 2014 beendete die Gewalt. Doch trotz der Präsenz von 12.500 UN-Soldaten befinden sich große Teile des Landes unter der Kontrolle bewaffneter Gruppen. Zehntausende Menschen sind innerhalb des Landes vor Gewalt auf der Flucht.