Huawei startet eigenen App-Store und Video-Service

Thaddeus Herrmann
Huawei startet eigenen App-Store und Video-Service


Huawei geht schon im 1. Quartal 2018 mit einem eigenen App Store und Video-Angebot an den Start. Das hat das Unternehmen heute Abend im Rahmen einer Konferenz in Berlin bekannt gegeben. Der App Store soll den Kunden "neue Anwendungen mit persönlich, relevanten Inhalten" empfehlen. Hier setzt Huawei auf sein hauseigenes Entwickler-Programm, die "Huawei Developer Alliance", die bereits mehr als 240.000 registrierte Mitglieder zählt und allein 2016 über 400 Millionen US-Dollar für Entwickler generiert hat. Nun bekommt dieses Programm einen eigenen Store. In der Pressemeldung heißt es, der App Store und Video-Service soll "auf allen HUAWEI Smartphones ab dem ersten Quartal 2018 ausgerollt" werden. Mindestanforderungen nennt das Unternehmen nicht. Die Liste der Partner im neuen App Store zeigt, dass Huawei hier noch ganz am Anfang steht. Ein paar Spiele-Studios – Goodgame, Imperia Online, Bigpoint & Yoozoo –, Skobee für E-Books, ein bisschen Lifestyle, ein paar Tools. Große Namen sucht man hier genauso wie das Alleinstellungsmerkmal. Die große Welle ist also nicht zu erwarten. Und: Anders als in China funktioniert hierzulande Google Play ja eigentlich ganz zufriedenstellend. Samsungs Store führt ein Nischendasein, der von Amazon hat große Lücken. Ein eigener App Store hat vielleicht Prestigewert, bringt die Branche und vor allem die Kunden aber nicht wirklich weiter.

Noch bevor der App Store jedoch genutzt werden muss oder kann, will Huawei zukünftig schon während des Einrichtungsprozesses neuer Geräte bestimmte Apps zur Installation empfehlen. Eine Art Best-of, aber auch lokal relevante Programme. Jede Woche sollen danach neue und interessante Apps gebündelt in einem "Empfehlungsordner" gesammelt werden.

Beim Video-Dienst arbeitet Huawei mit Under The Milky Way und Atresmedia zusammen, die die Inhalte liefern sollen. Die Rede ist von internationalen Produktionen – Filme und Serien –, aber auch lokalen Angeboten. Der Service wird werbefrei sein und kann über den eigenen Video-Player genutzt werden. Preise verrät Huawei nicht. Ein Abo-Modell? Pay per view? Abwarten. Ein kostenloses Angebot scheint unwahrscheinlich.

Denn auch die Huawei-Themes – eine Mischung aus Wallpapers und darauf abgestimmt und designte Icons – können Entwickler ab 2018 zum Kauf anbieten. Das könnte sich lohnen. Laut Huawei werden pro Monat 40 Millionen dieser Designs geladen. Ein paar Euro wird man so schon verdienen können.

Die neue Content-Strategie von Huawei mag aus Unternehmenssicht Sinn machen. Ein eigenes Angebot stärkt zumindest theoretisch die Position gegen Google etc. Das Experiment könnte sich aber auch als komplette Fehleinschätzung der eigenen Marktmacht und vor allem der Identifikation der Kunden mit der Marke entpuppen. Abwarten und Apps laden.