HSV-Transferpolitik: Sparen geht anders

Er bleibt beim HSV, das Thema Abstiegskampf ist für Papadopoulos aber nicht mehr aktuell. Der Verteidiger hat deutlich größere Ziele in Hamburg.

KOMMENTAR

Für Fußballklubs, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, gibt es viele Wege aus der Krise. Sie können versuchen neue Sponsoren an Land zu ziehen, Bandenwerbung verkaufen, Marketing-Reisen in andere Länder unternehmen oder ihre Ticketpreise erhöhen. Beim Hamburger SV hingegen sind all diese Möglichkeiten längst ausgereizt. Es geht nichts mehr. Selbst der neue TV-Vertrag der Deutschen Fußball-Liga und steigende Fernseheinnahmen reichen nicht, um alle Kosten zu decken. Deshalb hat der Aufsichtsrat in Abstimmung mit dem Vorstand ein klares Ziel formuliert: Die Personalausgaben müssen von 56 auf 48 Millionen Euro reduziert werden. Sonst droht der nächste Verlust in der Jahresbilanz, irgendwann droht sogar die Insolvenz.

Von der Richtzahl 48 Millionen haben sich die HSV-Bosse allerdings nach kurzer Zeit inoffiziell wieder verabschiedet. Offenbar gibt es für die Großverdiener des Kaders, die Sportchef Jens Todt verkaufen soll, am Markt keine Interessenten. Andererseits ist allen Beteiligten klar: Ohne Verstärkungen droht der sportliche Abstieg. Die Gefahr, am Ende der Saison wieder einmal finanziell zu kollabieren, wird billigend in Kauf genommen. Die Kontrolleure stecken in dem Dilemma, sich auf einen neuen Deal mit Investor Klaus-Michael Kühne einzulassen, obwohl die Mehrheit des Rates neuen Darlehen ablehnend gegenübersteht. Für Vorstandsboss Heribert Bruchhagen sollen die neuen Kühne-Millionen aber nicht bedeuten, dass weiterhin geklotzt wird. "Die Zielvereinbarung, den Lizenzspieler-Etat zurückzufahren, besteht weiterhin. Dazu gibt es keine Alternative", sagte der 68-Jährige jüngst der Sportbild.

Top-Verträge für Papadopoulos und Wood

Was zunächst nach einkehrender Vernunft klingt, entpuppt sich nur kurze Zeit später als Versprechen, das schon mit dem ersten Deal gebrochen wird. Denn Neuzugang Nummer eins der aktuellen Transferperiode wird Kyriakos Papadopoulos heißen, inklusive Boni bis zu zehn Millionen Ablöse und drei Millionen Euro Gehalt kosten. Wie dieser Transfer mit den formulierten Zielvereinbarungen in Einklang zu bringen ist, werden die Verantwortlichen gründlich erklären müssen. Bislang ist es ihnen allerdings nicht gelungen, wie das Beispiel Rene Adler deutlich macht. Dem Torhüter wurde vor Wochen mitgeteilt, dass eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages nur realisierbar sei, wenn er auf etwa die Hälfte seines Grundgehaltes von 2,8 Millionen verzichten würde. Warum aber hätte der 32-Jährige, der in den letzten fünf Jahren einen wichtigen Beitrag zum Nichtabstieg des HSV geleistet hat, eine solche Reduzierung akzeptieren sollen, wenn parallel neue Top-Verträge vergeben werden? Ist er selbst denn wirklich so viel weniger wert als Papadopoulos?

Auch mit Stürmer Bobby Wood wird seit Wochen über eine Vertragsverlängerung inklusive Verdoppelung seines Gehaltes auf drei Millionen verhandelt. Zudem stehen Großverdiener wie Andre Hahn oder Neven Subotic auf der Einkaufsliste. Mit wirtschaftlicher Konsolidierung und Herabsenkung ausufernder Personalausgaben hat die Transferpolitik des HSV wenig zu tun. Genau genommen überhaupt nichts. Dieser Weg führt die Rothosen nur weiter in die Schulden- und Abhängigkeitsspirale, aus der bereits jetzt ein Ausstieg nahezu unmöglich scheint. Mit weiteren 20 oder 30 geliehenen Millionen, die für Ablösen und Gehälter von Spielern mit geringem oder gar keinem Wiederverkaufswert aufgewendet werden, können die Verantwortlichen das Ziel der finanziellen Unabhängigkeit endgültig ad acta legen. Dazu müsste in diesem Sommer nämlich ein radikales Umdenken stattfinden. Die Hoffnung darauf ist nach dem Papadopoulos-Transfer aber verschwindend gering.