Beben beim HSV: Bruchhagen und Todt müssen gehen

Martin Volkmar, Stefan Picht, Nico Pommerenke
HSV-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt (r.) sind ab sofort beurlaubt

Beben beim Hamburger SV: Der Bundesliga-Dino hat auf die sportliche Talfahrt reagiert und Vorstandsboss Heribert Bruchhagen freigestellt. Auch Sportchef Jens Todt muss gehen.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Hoffmann teilte Bruchhagen die Entscheidung am Donnerstagmorgen in einem persönlichen Gespräch mit.

SPORT1 hatte bereits am 18. Februar berichtet, dass beide vor dem Aus stehen. 

Alleiniger Vorstand beim Tabellen-17. ist nun der bisherige Finanzboss Frank Wettstein.

Dies beschloss das Kontrollgremium in einer Sitzung am Mittwochabend, bei der Hoffmann entgegen erster Ankündigungen nach seiner Wahl zum HSV-Präsidenten doch an die Aufsichtsratsspitze gerückt war.

Zuvor hatte der bisherige Vorsitzende Frank Krall sein Amt zur Verfügung gestellt, bleibt aber im Aufsichtsrat.


Hoffmann dankt Bruchhagen

"Wir haben uns nach eingehender Analyse der Gesamtsituation zu diesem Schritt entschieden und widmen uns nun der Neuausrichtung", erklärte Hoffmann, der am 18. Februar zum Präsidenten des Gesamtvereins gekürt worden war.

Bruchhagen dankte er für dessen Engagement: "Es ist keine Trennung im Streit. Heribert Bruchhagen hat sich stets schützend vor unseren Klub gestellt. Ihm war und ist sehr daran gelegen, dass der HSV die aktuelle sportliche Talsohle überwindet."

Bruchhagen selber sagte der Morgenpost: "Ich bin natürlich etwas traurig. Aber so ist das im Fußballgeschaft: Wir haben zu oft verloren und zu wenige Punkte geholt. Dann sind solche Dinge folgerichtig."

Äußerst fraglich bleibt aber, ob die Personalrochade kurz vor dem Bundesligaspiel am Samstag bei Tabellenführer FC Bayern etwas am drohenden ersten Abstieg der Klubgeschichte ändern wird.


Wettstein übernimmt operatives Geschäft beim HSV

Die operative Führung der HSV Fußball AG liegt somit bei Wettstein. "Er genießt unser volles Vertrauen", sagte Hoffmann, der mit dem Aufsichtsrat nun die Suche nach geeigneten Kandidaten für die Komplettierung des Vorstands beginnt:

"Wir erstellen ein konkretes Anforderungsprofil und werden einen geordneten Prozess angehen, mit dem wir den besten Kandidaten für den HSV finden wollen. Ziel muss es zudem sein, eine Person zu finden, die langfristig die Neuausrichtung des HSV steuern kann."

Unmittelbar nach der Freistellung des Vorstandsvorsitzenden entschied sich Wettstein zur Trennung von Direktor Profifußball Jens Todt. Damit war seit Hoffmanns Wahl gerechnet worden.


Todts Aufgaben werden intern verteilt 

Todts Aufgaben inklusive aller Vertragsverhandlungen sollen intern aufgefangen werden. 

"Wir wollen uns für die Zukunft neu aufstellen", meinte Wettstein. "Wir sind voll handlungsfähig."

Damit hat Hoffmann, bis 2011 selber Vorstandsvorsitzender der Hanseaten, das Kräftemessen mit Bruchhagen für sich entschieden.

Der langjährige Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt hatte den Job beim HSV im Dezember 2016 übernommen und besitzt noch einen Vertrag bis Sommer 2019.

In einer seiner ersten Personalentscheidungen hatte er im Januar 2017 Todt als Sportchef verpflichtet und mit einem Vertrag bis 31. Dezember 2018 ausgestattet.

-----

Lesen Sie auch:

Stadionsprecher Lotto King Karl über drohenden HSV-Ausverkauf

Das HSV-Chaos im LIVETICKER