HSV-Ausverkauf? "Barca wird sich nicht groß bedienen"

Reinhard Franke

Die erste Frustration ist erst mal aus den Knochen geschüttelt.

Nach dem dürftigen 0:0 im Heimspiel gegen Mainz 05 stürzt der Hamburger SV nach 25 Spielen weiter Richtung Zweite Liga.

Der Dino taumelt dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. Wer geht mit den Rothosen in die Zweite Liga, wer darf bleiben?

Nach SPORT1-Informationen werden Trainer Bernd Hollerbach, Sportchef Jens Todt und Vorstandsboss Heribert Bruchhagen den Verein nach der Chaos-Saison verlassen. Sie sind beim Neuanfang nicht mehr erwünscht.

Eine Institution wird bleiben: HSV-Fan und Stadionsprecher Lotto King Karl. "Mein Vertrag ist ligaunabhängig", sagt der 51-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

"Über alles andere denke ich als Fan nicht nach. Momentan geht es mir nur darum, den Frust vor dem nächsten Spiel loszuwerden."

Lotto ist seit elf Jahren für das Rahmenprogramm vor den Heimspielen des HSV zuständig. Sein Song "Hamburg, meine Perle", den er vor jeder Partie zuhause zum Besten gibt, ist längst Kult und weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

Der Typ Lasogga wird gebraucht 

Aber welche Spieler haben in der Zweiten Liga noch eine Zukunft beim HSV? 

16 Profis haben auch im Abstiegsfall noch einen gültigen Vertrag, unter ihnen auch Pierre-Michel Lasogga, der momentan an den englischen Zweitligisten Leeds ausgeliehen ist. Er könnte nach seinem Leih-Jahr zurückkehren, würde in Liga zwei sicher helfen können - wäre mit knapp vier Millionen Euro Jahresgehalt aber viel zu teuer.

Als Typen, der die Ärmel hochkrempeln kann, dürften ihn die Bosse gerne halten wollen. Lasogga müsste aber Abstriche beim Gehalt machen.

Fakt ist: Nahezu alle Großverdiener sollen gehen. Kyriakos Papadopoulos (Marktwert: neun Millionen Euro), Filip Kostic (acht), Walace (sieben), Douglas Santos (fünf), Bobby Wood und Andre Hahn (jeweils 3,5) würde der HSV gerne verkaufen. Unklar ist auch, was aus Fiete Arp (Marktwert 7,5) wird. Das Talent wird kaum zu halten sein. Lewis Holtby, Dennis Diekmeier und Nicolai Müller (alle Verträge laufen aus) sind nach der Saison ohnehin weg.

Kapitän Gotoku Sakai will nach der Saison entscheiden, ob er seinen Vertrag verlängert. Intern soll der Japaner angedeutet haben, dass er sich auch einen Verbleib im Abstiegsfall vorstellen könne.


Mathenia nach England?

Torwart Christian Mathenia soll sich nach SPORT1-Informationen schon mit einem Wechsel in die zweite englische Liga beschäftigen.

"Der HSV hat ein paar ganz gute Spieler, die auch Potenzial haben, aber ob die in die Zweite Liga gehen, weiß ich nicht", sagt Lotto: "In der zweiten englischen Liga wird inzwischen so viel Geld gezahlt, dass sich ein Spieler wie Mathenia überlegt, ob es dort nicht lukrativer ist als hier."

Seiner Ansicht nach gebe es aber "nicht so viele HSV-Profis, die unfassbar attraktive Angebote kriegen. Barcelona wird sich nicht groß bei uns bedienen."


Mit den Spielern abrechnen will der Kult-Fan nicht. "Ich sage nicht, dass sich alle verpissen können, weil ich für diese Art von Aufgebrachtheit zu alt bin und weil das auch nicht passieren wird. Das wäre auch finanziell nicht machbar, weil man auch wieder neue Spieler bekommen muss."

"Haben genug Spott aushalten müssen"

Die Hoffnung stirbt zuletzt, das gilt auch für Lotto trotz der nächsten Auswärtsaufgabe München. "Gegen die Bayern ist es eigentlich hoffnungslos, aber selbst Jupp Heynckes, der für mich eigentlich über Allen steht, wird möglicherweise auch nochmal eine überraschende Niederlage hinnehmen müssen. Und vielleicht will er die am Samstag gegen den HSV lieber haben als im Halbfinale der Champions League."

Aufgeben gilt nicht, auch nicht für Lotto King Karl: "Jeder Fan muss im Moment jeden Tag versuchen, den Ärger herunterzuschlucken und egal, wie schwer es ist, den HSV bis zum Schluss anfeuern. Wir haben genug Häme, Spott und Galgenhumor aushalten müssen."