HSV-Aufsichtsrat sägt an Hollerbachs Stuhl

Reinhard Franke
Bernd Hollerbach spielte von 1996 bis 2004 für den Hamburger SV und absolvierte in dieser Zeit 197 Bundesligaspiele.

Die Situation beim Hamburger SV wird immer bedrohlicher. Und mittendrin: Trainer Bernd Hollerbach.

Vor dem wichtigen Heimspiel gegen Mainz 05 (Sa., 15.30 Uhr im LIVETICKER) traf sich am Dienstag erstmals der neue Aufsichtsrat des Klubs.

Dabei soll laut Abendblatt sogar darüber diskutiert worden sein, ob eine Trennung mit dem erst am 22. Januar verpflichteten Hollerbach Sinn machen würde. Fünf Spiele ohne Sieg mit nur zwei Punkten lautet die magere Bilanz des 48-Jährigen.

Entlassung von Hollerbach?


"Heribert Bruchhagen (Vorstandschef, d. Red.) wird das nie machen", sagt der ehemalige HSV-Präsident Jürgen Hunke im Gespräch mit SPORT1. "Er setzt keinen Trainer vor die Tür, nur in der allergrößten Not. Das hat er erst zwei Mal gemacht, in Frankfurt mit Friedhelm Funkel und zuletzt mit Markus Gisdol."

Und über eine Trainerentlassung entscheidet der Vorstand, da sich der Aufsichtsrat nicht in das operative Geschäft einmischen darf. Druck ausüben kann der Aufsichtsrat sehr wohl.

Dieser Druck führt bei den Hamburgern nach SPORT1-Informationen an anderer Stelle zu einer Neubesetzung. Sportchef Jens Todt wird in der neuen Saison nicht mehr im Amt sein, eine Trennung wird sogar schon in Kürze erwartet.

Im Abstiegsfall wird ohnehin ein kompletter Austausch der sportlichen Führung herbeigeführt werden, was das Aus für Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen, Todt und Hollerbach bedeuten würde.

"Geld und Gier"

Besonders harsche Kritik übt Hunke am neuen Aufsichtsrat des HSV. "Dort gibt es wenig Fußballkompetenz. In Hamburg findet man keine Leute mehr, die da arbeiten wollen, weil in den vergangenen Jahren alle verbrannt wurden. In der Vergangenheit ging es im Verein nur noch um Geld und Gier."


Und weiter: "Bruchhagen und ich sind Westfalen, bei uns gilt noch, dass man nicht mehr ausgibt, als dass man einnimmt. Und das ist das Motto bei den Vereinen, die Erfolg haben."

Hunke fühlt in dieser schweren Situation mit dem Vorstandschef. "An seiner Stelle hätte ich schon längst hingeschmissen. Wenn sein Stellvertreter (Finanzvorstand Frank Wettstein, d. Red.) sagt, dass er, seine Mitarbeiter und sein Sportdirektor nicht die beste Besetzung sind, dann hätte ich längst die Vertrauensfrage gestellt."

Bruchhagen sei "sehr alleine im Moment, aber das muss er jetzt durchfechten", so Hunke. "Er ist in einer richtigen Krisen-Situation. Ich glaube er macht das so lange, wie man ihn haben will. Wenn die Leute ihm einmal nur sagen 'wir brauchen dich nicht', dann geht er. Dann wird er auch keine Forderungen stellen."