HSBC zeigt, wie es geht


Der designierte HSBC-Chef John Flint kann im Februar eine Bank auf Wachstumskurs übernehmen. Die Erträge der britischen Großbank stiegen im abgelaufenen Quartal zum dritten Mal in Folge - um zwei Prozent auf 13 Milliarden Dollar. Besonders das Asiengeschäft wächst, allein in der chinesischen Provinz Guangdong vergab die Bank neue Kredite in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar.

Die Strategie des scheidenden Vorstandschefs Stuart Gulliver scheint sich auszuzahlen. Er hatte in den vergangenen Jahren systematisch die weniger profitablen Teile der weit verzweigten Bank abgestoßen, sich aus 18 Ländern zurückgezogen und das Haus stärker auf Asien ausgerichtet. Nun steht Europas größte Bank besser da als viele Konkurrenten.


Die Deutsche Bank und die britische Barclays hatten am Donnerstag enttäuschende Zahlen vorgelegt. Bei beiden brachen die Erträge im Anleihengeschäft um rund ein Drittel ein. Bei der HSBC gingen sie in diesem Bereich nur um fünf Prozent zurück.

Die leichte Schwäche im Anleihengeschäft wurde mehr als wettgemacht durch das Wachstum in den meisten anderen Bereichen. Die Kreditsumme in Asien wuchs im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 17 Prozent. Die Erträge aus dem Privatkundengeschäft stiegen global um 24 Prozent. Und selbst im Aktienhandel, bei dem sich die Konkurrenz schwertut, konnte die HSBC zulegen.

Der Vorsteuergewinn verfünffachte sich von 843 Millionen Dollar auf 4,6 Milliarden Dollar. Das lag an Einmaleffekten im Vorjahr, darunter die Abwicklung des Brasiliengeschäfts. Der bereinigte Vorsteuergewinn ging leicht von 5,5 Milliarden Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum auf 5,4 Milliarden Dollar zurück. 74 Prozent des Gewinns stammten aus dem Asiengeschäft.


Die Anleger reagierten verhalten auf die Zahlen, an den Börsen in Hongkong und London ging der Aktienkurs leicht zurück. Ein Grund: Die Ausgaben der HSBC steigen schneller als die Erträge. So hat die Bank stark in die Digitalisierung, vor allem ihre Mobile-Banking-App, investiert. Gulliver verteidigte die Ausgaben in einer Telefonkonferenz mit Analysten: „Es ist wichtig, dass wir in dem Wachstumsumfeld weiter investieren.“

In den vergangenen beiden Jahren hatte das Management die Anleger mit Aktienrückkäufen von insgesamt 5,5 Milliarden Dollar bei Laune gehalten. Gulliver kündigte am Montag zunächst keine weiteren an. Die Bank schwimmt jedoch in Kapital. Die Kernkapitalquote liegt mit 14,6 Prozent deutlich über den angestrebten 13 Prozent.

Das neue Führungsduo, Aufsichtsratschef Mark Tucker und ab Februar Vorstandschef Flint, werden wohl Gullivers Asienkurs fortsetzen. Beide haben langjährige Erfahrung auf dem Kontinent. Tucker war die vergangenen acht Jahre Chef des Versicherungskonzerns AIA. Flint hat im Laufe seiner HSBC-Karriere 14 Jahre in Asien verbracht.

Die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum: Die erwarteten Leitzinserhöhungen der Notenbanken in den USA, Großbritannien und der Eurozone werden Milliarden in die Kasse der HSBC spülen. Auch die Volatilität könnte zurückkehren - und damit die Aussicht auf höhere Margen im Handel mit Anleihen, Währungen und Aktien.