HSBC kriegt die Kosten nicht in den Griff


Schon der Abgang von Stuart Gulliver war im Februar von gemischten Jahreszahlen überschattet worden. Nun muss sich auch der neue HSBC-Chef John Flint gleich zu Beginn seiner Amtszeit rechtfertigen: Die Kosten wuchsen im ersten Quartal stärker als die Erträge.

Insgesamt stiegen die Kosten um 13 Prozent. Wenn man Einmaleffekte herausrechnet, waren es immer noch acht Prozent. Der Umsatz hingegen stieg nur um 5,5 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern sank um vier Prozent auf 4,76 Milliarden Dollar - deutlich unter den Erwartungen der Analysten.


Warum sind die Kosten gestiegen?
Die Abwicklung von Altlasten nimmt bei HSBC weiterhin einen großen Raum ein: Für das erste Quartal legte die Bank 897 Millionen Dollar für Zivilklagen in den USA beiseite. Dabei geht es um Falschberatung bei Hypotheken vor der Finanzkrise 2008. Auch investierte die Bank in IT-Systeme und neue Geschäftsfelder.

Flint versuchte die Bedeutung des Kostenanstiegs herunterzuspielen. Im vergangenen Jahr seien die Kosten zunächst auch schneller gewachsen als die Erträge, im Gesamtjahr habe sich das Verhältnis aber wieder gedreht, sagte er in einer Telefonkonferenz. Das erwarte er auch für dieses Jahr.

Die Investitionen seien notwendig, um neues Wachstum zu schaffen, sagte Flint. In den vergangenen Jahren war das Management damit beschäftigt, das weitverzweigte HSBC-Reich zu verkleinern und auf die Kernmärkte zu fokussieren. Nun soll wieder gezielt expandiert werden. Flint wird aber weitere Sparmöglichkeiten finden müssen: Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis liegt bei 68 Prozent.


Wo investiert die Bank?
Die neue Führung baut unter anderem die Vermögensverwaltung in Hongkong aus und investiert in das Hypothekengeschäft in Großbritannien. Teuer ist auch der Vorstoß in das Perlenfluss-Delta in China, ein zentraler Teil der Asienstrategie der Bank. Ein Großteil der Investitionen geht in bessere IT-Systeme, aber man investiere auch in neues Personal, sagte Flint. So werden gerade in der Vermögensverwaltung in Asien neue Kundenberater eingestellt.

Zu seinen weiteren Plänen hielt Flint sich bedeckt. Er will erst im August seine neue Wachstumsstrategie für die kommenden Jahre vorstellen. Es wird erwartet, dass die Bank sich aus weiteren Ländern zurückzieht.

Was sind die größten Baustellen der Bank?
Flint muss sich etwas für das US-Geschäft einfallen lassen, das im ersten Quartal einen Verlust meldete. Wie andere ausländische Banken kann das britisch-asiatische Institut mit den großen US-Playern auf deren Heimatmarkt einfach nicht mithalten. Flint dementierte Medienberichte, dass die Bank einen Zukauf plane, verriet aber auch keine möglichen Alternativen.

Gedrückt wurde der Gewinn auch von der Investmentbank, die ein weiteres schwaches Quartal hatte. Trotz gestiegener Volatilität an den Märkten lief das Handelsgeschäft enttäuschend.

Die Eigenkapitalrendite sank auf 7,5 Prozent, nachdem sie im vierten Quartal 2017 bei acht Prozent gelegen hatte. Das Ziel von zehn Prozent werde man dieses Jahr wohl wieder nicht erreichen, sagte Flint. Vergangenes Jahr hatte sie bei 5,9 Prozent gelegen.

Wie reagierten die Anleger?
Die HSBC-Aktie fiel in Hongkong und London um jeweils mehr als zwei Prozent. Die Anleger reagierten auf den Kostenanstieg, waren aber auch enttäuscht, dass Flint nur einen Aktienrückkauf von zwei Milliarden Dollar für dieses Jahr ankündigte. In den vergangenen zwei Jahren hatte die Bank insgesamt Aktien im Wert von 5,5 Milliarden Dollar zurückgekauft. Flint verneinte, als er gefragt wurde, ob er vielleicht eine andere Haltung zu Aktienrückkäufen habe als sein Vorgänger Gulliver. Es gebe in diesem Jahr aber noch andere Prioritäten wie etwa die Investitionen.