Hört Facebook heimlich bei Gesprächen mit?

Hört das Smartphone mit, wenn Facebook genutzt wird? Eine Frage, die User schon länger umtreibt. (Bild: AFP)

Die Gerüchte halten sich hartnäckig: Angeblich zeigt Facebook seinen Nutzern Werbung für Produkte an, deren Bedarf es nur auf eine Weise herausgefunden haben kann – per Lauschangriff über das Smartphone-Mikrofon. Ist da wirklich etwas dran?

Die Geschichten über angeblich mitgehörte Gespräche über den Facebook Messenger häufen sich, doch eine hat sich besonders erfolgreich verbreitet: Die des YouTubers Neville, der Facebook eine Falle gestellt haben will. Das iPhone im Hintergrund, unterhielt er sich mit seiner Frau über Katzenfutter. Ein Thema, das sie sonst nie besprochen hätten, da sie keine Katzen haben. Folglich hätten sie auch online nie nach Katzenfutter gesucht.

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Dennoch sei ihnen anschließend bei Facebook auffallend viel Werbung für Katzenfutter eingespielt worden, behauptete Neville. Was er als Beweis wertete, dass Facebook die Gespräche seiner Nutzer heimlich über das Smartphone-Mikrofon belauscht. Totaler Quatsch, behauptet Facebook. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es aus dem Konzern: „Facebook nutzt nicht das Handy-Mikrofon, um Anzeigen anzupassen oder den Newsfeed zu verändern.“

“Wir nutzen euer Mikrofon nicht für Werbung”

Dass Facebook manchmal auf das Mikrofon zugreift, ist unumstritten. Laut Konzern-Aussage allerdings nur, nachdem es sich zuvor eine Berechtigung eingeholt habe und falls User spezifische Funktionen nutzen würden, „die Audio benötigen“: Video-Aufnahmen etwa. Und auch der zuständige Werbe-Chef Rob Goldman bekräftigte vergangenen November bei Twitter: „Ich bin für Facebooks Werbeprodukte zuständig. Wir nutzen euer Mikrofon nicht für Werbung und haben das auch nie gemacht. Einfach unwahr.“


In einem Artikel bezweifelt auch ein Redakteur des Fachmagazins „Chip“, das auch nur ein Fünkchen Wahrheit in dem vielfach behaupteten Lauschangriff stecken könnte. Für eine pausenlose Aufzeichnung seien die Akkus zu schwach, eine Software, die werberelevante Informationen aus einer derartigen Datenmenge filtern könnte, sei nicht bekannt, ganz zu schweigen vom Datenschutzgesetz und dem drohenden Image-Verlust bei Bekanntwerden einer solchen Praxis.

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Ein weiteres bestechendes Argument ist: Facebook hat das heimliche Lauschen gar nicht nötig. Es besitzt schon jetzt alle relevanten Informationen, um mit den Nutzern und den über sie gespeicherten Details Geld zu machen. Dass der Argwohn der User darüber hinausgehend solch wahnwitzige Blüten treibe, hätte sich der Konzern dennoch selbst zuzuschreiben und wäre leicht zu beheben: Indem Facebook und vergleichbare Unternehmen offener damit umgehen, was sie alles wissen und vor allem, was sie damit anfangen.

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