Horst Lichter spricht Klartext: "Höflichkeit, Freundlichkeit und Respekt müssen immer sein"

·Lesedauer: 4 Min.
Horst Lichter (59), bekannt geworden unter anderem als Fernsehkoch und mit der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares", zieht in seinem neuen Buch eine Art Lebensbilanz. Im Interview sagt er: "Ich habe nicht das Gefühl, irgendetwas versäumt zu haben, es gibt keine offenen Rechnungen, und es gibt auch nicht die berühmten großen Dinge, die ich unbedingt noch gemacht haben muss in meinem Leben." Ins Schweigekloster ist er trotzdem gegangen. (Bild:  SWR/Frank W. Hempel)
Horst Lichter (59), bekannt geworden unter anderem als Fernsehkoch und mit der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares", zieht in seinem neuen Buch eine Art Lebensbilanz. Im Interview sagt er: "Ich habe nicht das Gefühl, irgendetwas versäumt zu haben, es gibt keine offenen Rechnungen, und es gibt auch nicht die berühmten großen Dinge, die ich unbedingt noch gemacht haben muss in meinem Leben." Ins Schweigekloster ist er trotzdem gegangen. (Bild: SWR/Frank W. Hempel)

Was den sonst so netten Horst Lichter derzeit in Rage bringt, verriet er jetzt im Interview: "Wir lassen uns von Minderheiten zu sehr ablenken!"

"Ich wollte nie etwas Besonderes sein", sagt Horst Lichter. Der "Bares für Rares"-Gastgeber ließ jetzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau tief in sein Innerstes blicken und erklärte, er wolle "nicht schneller, schöner, größer oder reicher sein als andere". Der 59-Jährige sagt: "Ich lebe nach dem Motto: 'Mach das, was du wirklich möchtest, und mach das gut - oder vielmehr: Mach es so, dass es zufriedenstellend ist für alle."

Horst Lichter, der in seinem neuen Buch "Ich bin dann mal still: Meine Suche nach der Ruhe in mir." (Knaur Balance, 18,00 Euro) ausführlich beschreibt, wie es ihm bei einem Aufenthalt in einem Schweigekloster ergangen ist, betont, er sei nicht neidisch und mache "nie andere schuldig für etwas, das ihm widerfährt. "Ich glaube, mit so einem bisschen natürlicher Bescheidenheit lebt es sich gesünder."

"Bares für Rares"-Gastgeber Horst Lichter ist mit sich im Reinen: "Es könnte von mir aus jetzt alles einfach so weitergehen wie im Moment. Es ist gut." (Bild: ZDF / Frank Dicks)
"Bares für Rares"-Gastgeber Horst Lichter ist mit sich im Reinen: "Es könnte von mir aus jetzt alles einfach so weitergehen wie im Moment. Es ist gut." (Bild: ZDF / Frank Dicks)

"Da gibt es nichts Versöhnliches, die finden alles scheiße"

Der Mann mit dem markanten Zwirbelbart ist überzeugt: "All die Getriebenen, die Ehrgeizigen, die Neidischen und Unzufriedenen, die werden nicht glücklich im Leben". Man sehe das "doch gerade wieder", so Horst Lichter in Anspielung auf die gesellschaftliche Situation rund um die Corona-Pandemie: "Schauen Sie sich diese Demonstrationen an: Die Querdenker laufen durch die Innenstädte, ziehen lange Gesichter, haben nur schlechte Nachrichten und schlechte Laune. Da gibt es nichts Versöhnliches, die finden alles scheiße - und schuld sind nur die anderen: die Politik, die Medien, die Wirtschaft, ihr Chef ... Nur sich selbst nehmen sie nicht in die Verantwortung." Lichter betont im teleschau-Interview, dass dies "natürlich nur" seine persönliche Meinung sei. Aber er finde, "es fängt immer bei einem selbst an". Sein Appell in Richtung der zerstrittenen Lager: "Höflichkeit, Freundlichkeit und Respekt müssen einfach immer sein, egal, wie kritisch man etwas sieht. Et kost' doch nix."

Im Großen und Ganzen, findet der Mann, der mit seiner ZDF-Trödelshow eine beispiellose Erfolgsgeschichte schrieb, sei die Gesellschaft im Zuge der Pandemie jedoch durchaus enger zusammengerückt. Er kenne "viele wunderbare Beispiele von Solidarität in dieser Zeit", so Lichter. "Auch von Selbstlosigkeit oder Mitleid. Nur schreit niemand seine guten Taten in die Welt hinaus, und es wird darüber auch nicht berichtet."

Was den 59-Jährige wirklich aufregt: "Wir schenken wie immer dem Lauten unsere Aufmerksamkeit." Das ganze Thema habe daher auch viel mit den Medien zu tun. Lichter: "Ich sag's mal etwas banal: Jeden Tag erlebe ich beim Einkaufen wie sich 99,9 Prozent aller Menschen solidarisch geben und sich an alles halten. Die Leute machen mit. Aber die paar, die herumschreien, die keine Maske aufsetzen wollen und sich aggressiv geben, denen gehört die Aufmerksamkeit. Ich kenne das auch von mir selber: Ich gehe nach so einem Vorfall nach Hause und sage meiner Frau: 'Dat denkst du nicht, was da heut' im EDEKA wieder los war.' Aber ich gehe nie nach Hause und sage: 'Mensch, heute haben sich 200 Leute im Supermarkt total ruhig verhalten und Maske getragen." Sein Fazit: "Wir lassen uns von Minderheiten zu sehr ablenken." Alle Umfragen der letzten Monate seien eindeutig, resümiert Horst Lichter: "Die Mehrheit ist grundsätzlich mit den Maßnahmen einverstanden - man muss nicht alles gut finden und verstehen, das ist klar."

Horst Lichter war im Schweigekloster. Erst tat er sich dort schwer, hat dann aber doch zu einer abenteuerlichen inneren Reise gefunden. (Bild: Mathias Neubauer)
Horst Lichter war im Schweigekloster. Erst tat er sich dort schwer, hat dann aber doch zu einer abenteuerlichen inneren Reise gefunden. (Bild: Mathias Neubauer)

Über "Bares für Rares": "Wir zeigen Normalität"

Ihm sei "momentan einfach viel zu viel Aufgeregtheit drin", ärgert sich Horst Lichter und befindet: "Besonnenheit wäre besser. Oder Harmonie - aber davon traut man sich ja gerade gar nicht zu reden." Eine Einstellung, die fraglos kongenial zu seiner Sendung passt. "Bares für Rares' ist die pure Harmonie", bestätigt der ehemalige Gastronom und Fernsehkoch im Gespräch mit teleschau. "Der große Erfolg dieser Sendung ist darin begründet, dass da eben überhaupt nichts Aufgeregtes passiert. Wir zeigen Normalität - normale Menschen, und wir behandeln jeden Einzelnen mit der gleichen Aufmerksamkeit und mit dem gleichen Respekt. Manchmal erzählen wir einen Krimi, mal eine Komödie und manches Mal sogar eine Tragödie - aber die Grundessenz ist immer gleich: Normalität. Wir gehen immer gut miteinander um. Und das tut auch den Zuschauern gut." Horst Lichter: "Dass so etwas jeden Tag mindestens drei Millionen Menschen sehen wollen, sagt doch etwas aus, oder?"

Ab 3. Mai im Handel: "Ich bin dann mal still: Meine Suche nach der Ruhe in mir." (Knaur Balance, 18,00 Euro). (Bild: Knaur Balance)
Ab 3. Mai im Handel: "Ich bin dann mal still: Meine Suche nach der Ruhe in mir." (Knaur Balance, 18,00 Euro). (Bild: Knaur Balance)

"Im Grunde reicht es für ein paar Leben"

Mit sich selbst ist Horst Lichter nach eigenem Bekunden vollkommen im Reinen. "Es könnte von mir aus jetzt alles einfach so weitergehen wie im Moment. Es ist gut." Es gebe "keine offenen Rechnungen, und es gibt auch nicht die berühmten großen Dinge, die ich unbedingt noch gemacht haben muss in meinem Leben".

Im Buch hat er sogar geschrieben: "Wenn es heute vorbei wäre, ist es gut!" - Er wisse, führte er im teleschau-Interview aus, "das könnte mir sicher noch um die Ohren fliegen". Daher schickte er lieber die Erklärung nach. "Ich bin mitnichten lebensmüde", beteuert der TV-Star. "Sondern ich habe so viel Leben erleben dürfen - und manchmal auch müssen -, dass ich sage, es ist viel mehr passiert, als ich je hätte erwarten können. Ich habe geliebt, ich habe gelacht, ich habe geweint und ich habe gelitten - was ist mir alles widerfahren! Im Grunde reicht es für ein paar Leben."

"Ausgerechnet der Lichter, der andauernd irgendwas erzählt und seine Klappe einfach nicht halten kann, soll zum Schweigen verdonnert werden. Auf das Experiment hatte ich Lust", erklärt Horst Lichter seinen Aufenthalt im Schweigekloster. (Bild: Mathias Neubauer)
"Ausgerechnet der Lichter, der andauernd irgendwas erzählt und seine Klappe einfach nicht halten kann, soll zum Schweigen verdonnert werden. Auf das Experiment hatte ich Lust", erklärt Horst Lichter seinen Aufenthalt im Schweigekloster. (Bild: Mathias Neubauer)
Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.