Hooligan-Terror in Bilbao: die russische Gewaltspirale

Auch vor dem Stadion von Athletic gab es schwere Ausschreitungen. Bild: AFP

Gewalt vor dem Stadion, Chaos auf den Straßen und ein toter Polizist: Das ist die fürchterliche Bilanz der Ausschreitungen russischer Hooligans am Rande des Europa-League-Spiels von Athletic Bilbao gegen Spartak Moskau in der baskischen Metropole. Wieder einmal haben russische Hooligans ihr hässliches Gesicht gezeigt. Was heißt das für die WM? Absagen? Können Fußballfans aus der ganzen Welt sicher nach Russland reisen? 

Am Ende stand ein sportliches Ergebnis, das angesichts der Ereignisse rund um das Stadion völlig zur Nebensache geriet. Athletic Bilbao verlor knapp gegen Spartak Moskau, sicherte sich aber trotzdem das Weiterkommen in die nächste Runde der Europa-League. Auf den Straßen rundherum aber tobte ein heftiger Kampf zwischen russischen Hooligans und der baskischen Polizei, bei denen ein Polizist ums Leben kam. Zwar sei der Polizist nicht durch direkte Gewalteinwirkung ums Leben gekommen, sondern im Krankenhaus einem Herzinfarkt erlegen, so der baskische Sicherheitsminister Josu Zubiaga. Fakt aber ist, die Gewalt aus Russland ist eine tödliche Gefahr, auch für die Weltmeisterschaft im Sommer. Und die Behörden beschwichtigen mit Floskeln, bisher jedenfalls scheinen sich die Hooligans nicht besonders eingeschränkt zu fühlen.

Das zeigt auch, dass im Vorfeld der Geschehnisse in Bilbao die Münchener Polizei einen Russen festnahm, dem vorgeworfen wird, bei der EM 2016 in Frankreich einen Briten schwer verletzt zu haben. Die Tat geschah bei den Straßenschlachten von Marseille, die schon damals eine Warnung vor der russischen Hooliganszene waren. Die Kämpfe zwischen Russen und Briten tobten über drei Tage in der Südfranzösischen Hafenstadt, es waren dunkle Zukunftsausblicke für eine russische WM. Gegen den festgenommenen 31-jährigen, der auf dem Weg zum Spartak-Spiel in Bilbao war, lag ein internationaler Haftbefehl aus Frankreich vor. Einerseits ein Zeichen, dass auf EU-Ebene Fahndungen erfolgreich sein können, andererseits muss man sich fragen, warum es russischen Behörden nicht gelungen ist, den Mann in den vergangenen zwei Jahren zu verhaften. Es wäre auch ein Symbol gewesen für ein hartes Vorgehen gegen die gewaltbereiten Anhänger aus den eigenen Reihen. So bleiben viele Fragen offen, was die Ernsthaftigkeit der russischen Behörden im Umgang mit der Gewalt angeht. Man kann es keinem Fan verübeln, der unter diesen Vorraussetzungen doppelt überlegt, ob er sich auf den Weg nach Russland machen soll.

Russland wirklich ein gasfreundliches Fußballland? Zweifel bleiben

Erst kürzlich deckte eine spiegeltv Reportage auf, wie sich russische Hooligans auf die WM im Sommer vorbereiten. Es sind erschreckende Bilder, die von einem hohen Maß an Organisation und Gewaltbereitschaft berichten. Die Szene ist keineswegs neu und es ist auch bekannt, dass sie besonders in Russland besonders etabliert ist, oft mit engen Verknüpfungen in die rechte Szene und die Politik. Doch es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen Hooligans, die sich auf irgendwelchen Waldlichtungen treffen um sich in antiquierten Männlichkeitsritualen miteinander zu messen und offen ausgetragenen Straßenschlachten in Fußgängerzonen, die jeden beliebigen Menschen treffen können. Die Szenen der vergangenen Nacht aus Bilbao zeigen einmal mehr, dass die Mär vom Ehrenkodex der Hooligans reine Augenwischerei ist. Schon im vergangen Jahr versprachen russische Hools ein „Festival der Gewalt“ für die WM. Es ist davon auszugehen, dass sie es ernst meinen. Die internationalen Sicherheitsbehörden können nur auf einreisende Hooligans Einfluss nehmen, nicht auf die, die schon im Land sind. Also hängt es am russischen Sicherheitskonzept für die WM, ob es ein friedliches Fußballfest wird oder in der Gewaltspirale versinkt. Es wäre wichtig, mit schmerzhaften Konsequenzen zu drohen. Vom Ausschluss der eigenen Fans, über ein Turnieraus der Mannschaft oder sogar die Absage der WM sollte ernsthaft nachgedacht werden.

Natürlich versichern russische Behörden und WM-Orgateam, dass alles Mögliche getan würde, um die Weltmeisterschaft für alle Fans und Teams sicher zu machen. Öffentlichkeitswirksam inszenierte Schläge gegen die Szene wie die Verhaftung des bekannten Dynamo Moskau Hools Alexander Schprygin sollen die Welt beruhigen. Die FIFA in ihrer altbewährten Weise beschwichtigt ohnehin, Russland sei ein gastfreundliches Land, das den Fußball feiere. Kein Anlass zur Sorge soll das heißen. Die Bilder von Bilbao erzählen eine andere Geschichte.