Hongkongs Demokratiebewegung protestiert am chinesischen Nationalfeiertag

Die Demonstranten zeigten am chinesischen Nationalfeiertag eine Fahne für Hongkongs Unabhängigkeit neben der Hongkong-Fahne aus der britischen Kolonialzeit und der Estelada, dem katalanischen Unabhängigkeitssymbol

Tausende Demonstranten sind in Hongkong am chinesischen Nationalfeiertag für mehr Demokratie auf die Straße gegangen. Tausende Menschen zogen am Sonntag durch die Stadt und kritisierten die pekingtreue Regierung in der chinesischen Sonderverwaltungszone. An der Kundgebung nahmen nach Polizeiangaben 4300 Menschen teil.

Der Juraprofessor Benny Tai, einer der Organisatoren der Massenproteste von 2014, sagte in einer Ansprache an die Demonstranten, in Hongkong sei die "autoritäre Herrschaft bereits Realität" geworden. Der Protest richtete sich unter anderem gegen die seit Juli amtierende Verwaltungschefin Carrie Lam, die bei Demokratie-Aktivisten als Statthalterin Pekings verhasst ist. Lam hatte am Morgen in ihrer ersten Rede zum Nationalfeiertag zur Einheit aufgerufen.

Am 1. Juli 1997 hatte Großbritannien seine ehemalige Kronkolonie Hongkong an China zurückgegeben. Nach dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" wurden Hongkong dabei für 50 Jahre Freiheiten und Rechte garantiert, die es in der Volksrepublik nicht gibt. Die Opposition in Hongkong wirft Peking jedoch vor, sich zunehmend in die Angelegenheiten der Sonderverwaltungszone einzumischen und damit die Autonomievereinbarungen zu verletzen.

2014 gab es in der Wirtschafts- und Finanzmetropole wochenlange Proteste und Straßenblockaden. Dabei forderten zeitweise zehntausende Menschen mehr Demokratie und freie Wahlen in Hongkong. Einer der Wortführer der sogenannten Regenschirmbewegung, Joshua Wong, sowie sein Mitstreiter Alex Chow wurden im August zu jeweils sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der ehemalige Abgeordnete Nathan Law erhielt eine achtmonatige Haftstrafe. Am Sonntag forderten die Demonstranten auch den Rücktritt von Justizminister Rimsky Yuen.