Homo-Ehe zentrales Thema bei Präsidentschaftswahl in Costa Rica

Wahlkampf in Costa Rica

Die Debatte um die Homo-Ehe hat die Präsidentschafts- und Parlamentswahl am Sonntag in Costa Rica geprägt. Insgesamt 13 Kandidaten bewarben sich in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl um die Nachfolge von Staatschef Luis Guillermo Solis, der gemäß der Verfassung nicht noch einmal antreten durfte. In den Umfragen lag lange Zeit der 59-jährige Unternehmer und ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Antonio Alvarez Desanti in Führung. Zuletzt wurde er jedoch vom 43-jährigen evangelikalen Pastor und Abgeordneten Fabricio Alvarado überrundet.

Den Umfragen zufolge konnte keiner der Bewerber damit rechnen, die für einen Wahlsieg in der ersten Runde erforderliche Stimmenzahl von mindestens 40 Prozent zu erreichen. Neben den beiden Favoriten wurden zwei weiteren Bewerbern Chancen eingeräumt, in die Stichwahl am 1. April zu kommen. Es handelt sich um den Journalisten und ehemaligen Arbeitsminister Carlos Alvarado von der regierenden Bürgeraktion (PAC) sowie den Anwalt und ehemaligen Justizminister Juan Diego Castro.

Zentrales Thema des Wahlkampfs war die gleichgeschlechtliche Ehe. Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte (CIDH) hatte Anfang Januar den Ländern der Region empfohlen, gleichgeschlechtliche Ehen anzuerkennen. Dagegen stemmte sich der evangelikale Kandidat Alvarado und sah seine Umfragewerte steigen. Bis zuletzt wussten allerdings 36,5 Prozent der Wähler nicht, für wen sie stimmen sollten. Das waren mehr als doppelt so viel wie die 17 Prozent, die für den Umfragen-Spitzenreiter stimmen wollten.

Vor der CIDH-Entscheidung kreiste der Wahlkampf vor allem um Themen wie Korruption, innere Sicherheit und soziale Gerechtigkeit. Die Unterstützung für Fabricio Alvarado erklären Politiker mit der "strukturell konservativen Gesellschaft" des kleinen zentralamerikanischen Landes. Diese sei mit großer Mehrheit gegen die Homo-Ehe, den Konsum von Drogen und eine Trennung von Kirche und Staat.

Die 3,3 Millionen Stimmberechtigten waren zudem aufgerufen, die 57 Abgeordneten des Parlaments zu wählen. Die Wahllokale öffneten um 13.00 Uhr (MEZ) für zwölf Stunden.