"Holy Spider": Thriller über iranischen Frauenmörder schockt in Cannes

"Holy Spider", ein von wahren Begebenheiten inspirierter Thriller über einen iranischen Serienmörder, ist einer der Bewerber um die Goldene Palme im internationalen Wettbewerb von Cannes.

Er erzählt von einem Mann, der in Maschhad auf brutalste Weise Prostituierte eliminiert - um die Pilgerstadt vom vermeintlichen Sittenverfall zu bereinigen.

Regie führte der aus dem Iran stammende Filmemacher Ali Abbasi, der mit seinem Thriller zugleich einen messerscharfen Blick auf Doppelmoral und Zensur in der iranischen Gesellschaft wirft, erklärt er im Gespräch mit Euronews. "Es ist ein mehr oder weniger iranischer Film, ich lebe in Dänemark, eine der Schauspielerinnen in Frankreich, ein anderer Mitwirkender kommt aus der Türkei und hat in Jordanien Filme gedreht.

Was den Film wirklich besonders macht, ist unser Umgang mit dieser Geschichte. Das macht ihn auf gewisse Weise noch iranischer als viele iranische Filme. Denn er ist näher dran an der Realität der iranischen Gesellschaft als die meisten Filme, die aus dem Iran kommen."

Grausame Morde und eine grundsätzliche Frauenfeindlichkeit

Die Hauptfigur des Films ist eine Journalistin, die versucht, den Mörder zu entlarven und unermüdlich nach der Wahrheit sucht - gegen die Polizei und ein Justizsystem, das tatenlos zusieht.

Es ist ein Film von fast unerträglicher Spannung, der viel Unbewusstes spürbar macht und eine grundsätzliche Feindlichkeit des Regimes Frauen gegenüber aufdeckt, meint Hauptdarstellerin Sahra Amir Ebrahimi, die in die Rolle der mutigen Journalistin schlüpft.

Ihre feste Überzeugung: "Die iranische Gesellschaft wird sich dank der Frauen verändern. Deshalb haben die Regierung und die Männer so viel Angst vor Frauen.

Es wird so viel über Frauen in einer frauenfeindlichen, patriarchalischen Gesellschaft geredet, weil es diese starke Angst vor Frauen gibt. Und für mich steht diese Journalistin in dieser Rolle stellvertretend für alle anderen Frauen."

Ein Film, der Spuren hinterlässt

Bei der Vorstellung in Cannes gab es mehrere Minuten stehenden Applaus - aber auch viele bedrückte Gesichter im Publikum. Euronews-Korrespondent Fred Ponsard, der "Holy Spider" gesehen hat, spricht von einem gut geschriebenen, flüssigen Film noir, der Spuren hinterlasse. Einer seiner Lieblingsfilme im Wettbewerb - bislang.

Der Thriller basiert auf einer Mordserie, die sich Anfang der 2000er-Jahre ereignete und hohe Wellen schlug. 16 Frauen fielen dem sogenannten Spinnenmörder zum Opfer. Erschütternderweise stießen seine religiös motivierten Taten zum Teil sogar auf Zuspruch.

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