Holocaust-Überlebende in Israel protestieren gegen Ausweisung von Flüchtlingen

Demonstration von afrikanischen Flüchtlingen in Israel

Holocaust-Überlebende in Israel haben gegen die drohende Abschiebung zehntausender afrikanischer Flüchtlinge protestiert. In einem am Freitag in der israelischen Zeitung "Haaretz" veröffentlichten Brief forderten sie Regierungschef Benjamin Netanjahu auf, die Pläne zu stoppen. Die Regierung hatte Anfang Januar angekündigt, etwa 38.000 illegal eingewanderte Menschen zur Ausreise zu zwingen.

Die 36 Holocaust-Überlebenden äußerten in ihrem Schreiben Unverständnis, "wie eine jüdische Regierung Flüchtlinge und Asylbewerber auf einen Weg des Leidens, der Qual und des Todes schicken kann". Sie selbst hätten erfahren, was es bedeute, "ohne Zuhause und ohne einen Staat zu sein, der uns vor Gewalt und Leid beschützt". Der Brief erschien am Vorabend des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Die Pläne von Netanjahu sehen vor, 38.000 illegal nach Israel eingereiste Menschen, vor allem Eritreer und Sudanesen, bis Ende März zur freiwilligen Ausreise zu drängen. Sie erhalten dafür ein Flugticket und umgerechnet 2900 Euro. Andernfalls sollen sie so lange in Haft kommen, bis sie sich zur Ausreise bereit erklären.

Laut Netanjahu handelt es sich bei den Menschen nicht um echte Flüchtlinge. Die Behörden lehnten laut der israelischen Flüchtlingshilfsorganisation Assaf bislang fast alle Asylgesuche von Eritreern und Sudanesen ab.

Allerdings hatte Netanjahu nicht erklärt, in welches Land die Flüchtlinge ausgewiesen werden sollen. Eritrea und der Sudan gelten für Abschiebungen als zu gefährlich, ihre Regierungen werden für massive Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Israelische Flüchtlingsorganisationen nannten Uganda und Ruanda als Zielländer, aber beide Staaten dementierten dies.