Hollywood-Schauspielergewerkschaft ächtet berufliche Treffen in Hotelzimmern

Die Gewerkschaftsvorsitzende Gabrielle Carteris bei einer Preisverleihung im Januar

Im Zuge des Missbrauchsskandals um den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein und die #MeToo-Debatte hat die größte Schauspielergewerkschaft Hollywoods ein Ende von beruflichen Treffen in Hotelzimmern gefordert. Die Screen Actors Guild (SAG-AFTRA) "ist gegen Besprechungen, Interviews und andere professionelle Treffen in Hotelzimmern und Privatwohnungen", hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Solche Orte seien "risikobehaftet". Es müssten "andere angemessenere Orte" für berufliche Termine gefunden werden.

Im Februar hatte die Gewerkschaft einen Verhaltenskodex veröffentlicht. Nun bekräftigte die Gewerkschaftsvorsitzende Gabrielle Carteris, die SAG-AFTRA kämpfe gegen Bedingungen, die sexuelle Ausbeutung von Schauspielerinnen und Schauspielern unter dem Vorwand beruflicher Verabredungen ermöglichten.

Gegen Weinstein waren im Oktober erste Missbrauchsvorwürfe laut geworden. Inzwischen werfen mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Filmstars, ihm vor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Der Produzent lud demnach mehrere seiner Opfer zu Vorsprechen oder anderen beruflichen Treffen in sein Hotelzimmer ein.

Weinstein wurde von seiner Produktionsfirma gefeuert, das Unternehmen hat inzwischen Konkurs angemeldet. Weinstein beteuert, keine sexuelle Gewalt gegen Frauen angewandt zu haben. Der Fall entfachte in einer Reihe weiterer Länder Debatten über sexuelle Gewalt oder sexuelle Belästigung. Im Zuge des Skandals entstand die #MeToo-Kampagne gegen sexuelle Belästigung und Gewalt.