Holland moniert Blockade von Versicherungsübernahme (Korrektur)

Veronika Gulyas und Alberto Nardelli
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Völlig überraschend hatte die ungarische Regierung vor zwei Wochen den Kauf der Osteuropa-Sparte des niederländischen Versicherers Aegon NV durch die Vienna Insurance Group AG blockiert. Die niederländische Regierung habe daraufhin in Budapest Bedenken angemeldet, heißt es bei mit der Situation vertrauten Personen. Der Schritt der Ungarn passt jedoch zu Viktor Orbans Strategie, nationale Champions zu schaffen.

Die Niederlande hätten das Thema auf diplomatischem Weg kommuniziert, sagten die Personen. Die österreichische Regierung sei bislang nicht in Budapest aktiv geworden, hieß es aus Finanzministerium und Bundeskanzleramt. Eine offizielle Stellungnahme wollte in Den Haag, Budapest oder Wien niemand abgeben, auch Aegon lehnte einen Kommentar ab. Ein Sprecher der Vienna Insurance sagte lediglich, man sei weiter in Gesprächen mit dem ungarischen Finanzministerium, ohne Details zu nennen.Das ungarische Veto blockiert den wichtigsten Teil der 830-Millionen-Euro-Übernahme. Es geht zwar auch um Aegon-Töchter in anderen osteuropäischen Märkten und der Türkei, doch Ungarn ist die größte. Auch für die Vienna Insurance, die in Ungarn weniger prominent vertreten ist als in anderen zentraleuropäischen Ländern, war dies der mit Abstand wichtigste Grund, bei dem Verkauf zuzuschlagen.

Überraschend war dabei nicht, dass Budapest überhaupt einschritt - Bedingungen und Einschränkungen für solche Übernahmen sind nicht unüblich, wenn es um Marktmacht, Arbeitsplätze oder die nationale Sicherheit geht. Das komplette Veto der Orban-Regierung erregte allerdings Aufmerksamkeit, da es anscheinend hier um solche Kriterien nicht geht.

Stattdessen passt das Veto in die ungarische Strategie, nationale Champions zu schaffen, und dies zuletzt auch in der von ausländischen Anbietern dominierten Finanzbranche. Hier ist etwa eine Fusion von drei Banken auf dem Weg. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch Stiftungen im Umfeld der regierenden Fidesz-Partei.

“Ungarn ist inzwischen führend in Europa, wenn es um staatliche Eingriffe in die Wirtschaft geht”, sagt Peter Akos Bod, ein ehemaliger Gouverneur der ungarischen Zentralbank und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Corvinus-Universität in Budapest. “Die Blockade dieses Deals mag viele überrascht haben, aber tatsächlich passt sie einfach zu diesem Trend.”

Sollte die Vienna Insurance nicht zum Zug kommen, steht eine Reihe von potenziellen Bewerbern einschließlich des ungarischen Versicherers Cig Pannonia Nyrt. bereit, sagten zwei Personen mit Kenntnis der Situation. Der größte Aktionär von Cig ist eine Holdinggesellschaft, die zum Teil Lorinc Meszaros gehört, Viktor Orbans engstem Verbündeten in der Geschäftswelt. Die Aktien des Budapester Versicherers legten in den beiden Tage nach Bekanntwerden des Vetos um 13% zu. Sein Marktwert beträgt 31,5 Milliarden Forint (87 Millionen Euro). Cig wollte keinen Kommentar abgeben.

Für die Vienna Insurance kam das Veto vollkommen aus heiterem Himmel, zumal es aus dem Innenministerium kam und nicht vom Finanzministerium, welches in die Gespräche involviert war.

Zudem war die Rechtsgrundlage für die Intervention gerade erst gelegt worden, als die Verhandlungen zwischen Aegon und Vienna Insurance schon auf der Zielgerade waren. Zwei Tage bevor die Versicherer die Unterzeichnung bekannt gaben, änderte Ungarn ein Gesetzes zum Schutz strategischer Sektoren vor feindlichen Übernahmen dahingehend, dass nun auch EU-Länder und die Schweiz sowie Finanzdienstleister wie Versicherer und Investmentfonds unter die Regelung fallen.

Überschrift des Artikels im Original:Shock Veto of Billion-Dollar Hungary Deal Sparks Dutch Complaint

(Korrigiert Eigentümerstruktur von Cig im 7. Absatz.)

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