Hohe Zahl von Corona-Selbstisolationen trifft britische Wirtschaft

·Lesedauer: 2 Min.

LONDON (dpa-AFX) - Die neue Corona-Welle in Großbritannien trifft zunehmend die Wirtschaft. Vor allem die hohe Zahl der Arbeiter, die sich wegen eines möglichen Kontakts mit einer infizierten Person selbst isolieren müssen, bereitet Sorgen. Nach Angaben des Verbands der Fleischproduzenten wurde fast jeder zehnte der 97 000 Beschäftigten von der Corona-Warn-App zur Selbstisolation aufgefordert. Einige Unternehmen könnten gezwungen sein, ihre Produktion stillzulegen, was zu Engpässen führen könne, sagte Verbandschef Nick Allen am Freitag der BBC. Betroffen seien vor allem die lukrativsten Bereiche, etwa die Herstellung von Lammkoteletts.

Auch die Autobauer Nissan <JP3672400003> und Rolls-Royce <GB00B63H8491> warnten vor Folgen für ihre Produktion. Medienberichten zufolge sind Hunderte Nissan-Arbeiter betroffen. "Die Fälle gehen durch die Decke und verursachen Chaos", sagte Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös dem "Daily Telegraph".

Der Präsident des Industrieverbands CBI, Karan Bilimoria, nannte die Zahlen einen echten Schock für die Wirtschaft. "Der Personalmangel ist in allen Branchen und in allen Unternehmensbereichen akut zu spüren, insbesondere im Gastgewerbe und in der Freizeitindustrie." Er forderte eine Überarbeitung der Vorschriften zur Selbstisolation, etwa für vollständig Geimpfte. Die Pflicht zur häuslichen Quarantäne, wenn die App einen Kontakt meldet, "ruiniert die Wirtschaft", sagte Bilimoria dem Radiosender LBC.

In der vergangenen Woche hatte die Warn-App mehr als 520 000 Menschen landesweit zur Selbstisolation aufgefordert. Wie der "Telegraph" berichtete, reagiert die App jedoch übersensibel. Demnach wurden Menschen benachrichtigt, weil Nachbarn positiv getestet wurden, von denen sie durch eine Mauer getrennt sind.

An diesem Montag enden in England alle Corona-Regeln. Dann fallen auch Abstandsregeln, wie von Pubs und Restaurants seit langem gefordert. Allerdings warnt der Branchenverband UK Hospitality, dass ausgerechnet jetzt wegen der hohen Zahl von Selbstisolationen deutlich weniger Personal zur Verfügung stehe. Es handele sich um ein "Blutbad". Laut CBI-Chef Bilimoria fehlen 20 Prozent der Gastro-Beschäftigten.

Die Zahl der Infektionen steigt derweil rasant. Am Donnerstag meldete die Regierung mehr als 48 000 Neuinfektionen - der höchste Tageswert seit Januar.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.