Uniper will die Dividende stärker anheben als vorgesehen. Das bringt Eon, derzeit noch größter Aktionär, in eine rechtliche Zwangslage.

Uniper will die Dividende stärker anheben als vorgesehen. Das bringt Eon, derzeit noch größter Aktionär, in eine rechtliche Zwangslage.

Die Nachricht, mit der Uniper am Montagabend überraschte, müsste eigentlich alle Aktionäre freuen: Der Stromproduzent will für das vergangene Jahr eine Dividende von 74 Cent je Aktie bezahlen. Das ist nicht nur deutlich mehr als die 55 Cent im Vorjahr, sondern sogar noch mal fünf Cent mehr als Uniper bisher in Aussicht gestellt hatte.

Einen Aktionär dürfte die Ankündigung aber gar nicht freuen – sie könnte ihn sogar in die Bredouille bringen: Ex-Mutterkonzern Eon, der noch immer 46,65 Prozent hält. Und auch der finnische Energiekonzern Fortum, der Eons Anteil übernehmen will, könnte Probleme bekommen.

In Fortums Offerte, die Eon akzeptiert hat, ist ausdrücklich die Zahlung einer Dividende in der ursprünglich geplanten Höhe von 69 Cent vorgesehen. Eon, wie auch die wenige anderen Aktionäre, die die Offerte akzeptiert haben, sollen insgesamt 22 Euro je Aktie bekommen – 21,31 Euro plus die Dividende von 0,69 Euro.


Im Zweifel müsste Eon auf der Hauptversammlung von Uniper am 6. Juni gegen den Vorschlag von Uniper stimmen und die niedrigere Dividende von 69 Cent durch einen eigenen Antrag durchsetzen, heißt es in Branchenkreisen. Damit würde sich Eon bei den anderen Aktionären von Uniper unbeliebt machen – und die seien in vielen Fällen ja gleichzeitig auch noch Aktionäre von Eon. Eon hatte Uniper 2016 abgespalten und bei der Platzierung der ersten gut 53 Prozent die Anteile des neuen Unternehmens an die eigenen Aktionäre gegeben.

Die Offerte ist zwar seit Anfang Februar abgeschlossen. Fortum hat sich für knapp vier Milliarden Euro insgesamt 47,12 Prozent der Anteile gesichert, also nur wenig mehr als das Paket von Eon. Noch stehen aber die Genehmigungen durch die Kartellbehörden in Russland und der Europäischen Union aus. Sollten diese – was wahrscheinlich ist – nicht bis zum 6. Juni vorliegen, müsste Eon noch als Großaktionär an der Hauptversammlung teilnehmen. Für diesen Fall hat sich der Energiekonzern verpflichtet, im Sinne von Fortum für eine Dividende von 69 Cent zu stimmen.

Uniper begründete die Aufstockung des Dividendenvorschlags mit der überraschend guten Geschäftsentwicklung und der selbst gesetzten Dividendenpolitik. Im vergangenen Jahr sei ein um Sondereffekte bereinigter Gewinn vor Zinsen und Steuern von 1,1 Milliarden Euro angefallen und ein freier Cashflow aus dem operativen Geschäft von 361 Millionen Euro. Da man sich verpflichtet habe, mindestens 75 Prozent des freien Cashflows auszuschütten, ergebe sich eine Gesamtausschüttung von 271 Millionen Euro – und eben die Dividende je Aktie von 74 Cent, heißt es.

Eon wollte sich zur Problematik nicht äußern. Fortum verwies auf Anfrage auf die Angebotsunterlage.


Rein finanziell ließe sich das Problem wohl schnell aus der Welt schaffen. Letztlich hat sich die Dividendensumme nur um 21 Millionen Euro erhöht, auf Eons Paket entfallen rund acht Millionen Euro. Eon könnte sich mit Fortum darauf einigen, auch eine Dividende von 74 Cent zu akzeptieren.

Das würde aber den Angebotsbedingungen widersprechen. Keiner der Beteiligten wollte auf Anfrage einschätzen, ob das rechtlich möglich wäre.

Auf jeden Fall hat Uniper-Chef Klaus Schäfer mit dem Dividendenvorschlag für Eon und Fortum eine weitere Hürde eingebaut. Schäfer hatte sich von Anfang an vehement gegen den Einstieg der Finnen gewehrt und vor allem den früh besiegelten Verkauf durch Ex-Mutterkonzern Eon kritisiert. Mit seiner Strategie hat er bislang zumindest den Einfluss der Finnen eingegrenzt, die Mehrheit verfehlten diese bei der Übernahme deutlich.

Seit Wochen versucht sich Schäfer zwar inzwischen mit Fortum-Chef Pekka Lundmark auf die künftige Zusammenarbeit zu einigen. Die Finnen hatten eine Kooperation angeboten und zugesagt, insbesondere die Rechte der Mitarbeiter zu respektieren. Bislang steht eine Einigung aber noch aus.