Hohe Dividenden sind verlockend: Doch über diese Dinge solltest du unbedingt Bescheid wissen!

Andre Kulpa, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Vermisst du sie auch? Ich meine die regelmäßigen Zinszahlungen, die man in der Vergangenheit auf sein Erspartes vereinnahmen konnte. Also ich kann mich noch sehr gut an die Zeiten erinnern, als es noch risikolos zwischen 4 und 5 % Zinsen zu erzielen gab. Doch diese Periode ist leider schon lange vorbei. Und im Moment sieht es nicht unbedingt danach aus, dass man schon bald wieder Zinsen im messbaren Bereich erzielen könnte.

Wahrscheinlich auch deshalb gehen immer mehr Anleger dazu über, eine attraktive Alternative zu nutzen. Sie investieren ihr Geld ganz einfach in Aktien von Unternehmen, die regelmäßig eine Dividende zahlen. Und je höher die Dividendenrendite ausfällt, umso interessanter erscheint natürlich solch ein Investment. Aber es gibt bei dieser Art der Gewinnausschüttung natürlich auch einige Dinge, die man kennen sollte, damit es nicht irgendwann zu unliebsamen Überraschungen kommt.

Es gibt niemals eine Garantie

Eine Tatsache konnte man gerade im Zuge der Corona-Pandemie im letzten Jahr deutlich erkennen. Nämlich, dass eine Dividende von keiner Aktiengesellschaft garantiert werden kann. Meistens gibt es dann Schwierigkeiten, wenn weniger Gewinn erwirtschaftet werden kann oder es einer Firma generell einmal wirtschaftlich schlechter geht. Und in solchen Fällen kann es dann natürlich passieren, dass die Dividende gekürzt oder im schlimmsten Fall gleich ganz gestrichen wird.

Im vergangenen Jahr war es in dieser Hinsicht besonders schlimm. Denn einigen Unternehmen wurde durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus schlichtweg die Geschäftsgrundlage entzogen. Und so wurde 2020 beispielsweise weder von dem Flughafenbetreiber Fraport (WKN: 577330) noch von unserer Lufthansa (WKN: 823212) eine Dividende an die Investoren gezahlt.

Vorsicht, Dividendenabschlag!

Neueinsteigern kommt manchmal ein genialer Gedanke in den Sinn. Sie überlegen sich, eine Aktie kurz vor der Dividendenzahlung zu kaufen, die Ausschüttung zu kassieren und dann die Papiere schnell wieder abzustoßen. Der Hintergedanke ist hier, ganz einfach risikolos die Dividende zu vereinnahmen. Doch hierbei gibt es das Problem in Form des sogenannten Dividendenabschlags. Dieses Phänomen sollte man also bei einer Investition in Dividendenaktien unbedingt kennen bzw. beachten.

Wie wir ja bereits wissen, wird die Dividende in den meisten Fällen ja vom Gewinn eines Unternehmens bezahlt. Hier wird also ein Teil des Firmenvermögens ganz einfach an die Aktionäre verteilt. Dadurch verringert sich natürlich am Tag der Ausschüttung der Firmenwert genau um den ausgeschütteten Betrag. Für die Aktie des betreffenden Konzerns bedeutet dies, dass an diesem Tag (dem Ex-Dividendendatum) ein Kursabschlag genau in Höhe der Dividendenzahlung vorgenommen wird.

Jetzt werden die Aktien also „ex Dividende“ gehandelt. Und folglich ist es für den Anleger erst einmal ein Nullsummenspiel. Denn der Kurs der Aktie hat sich ja durch diesen Vorgang nun genau um den Betrag reduziert, der dem Aktionär gerade als Dividende gutgeschrieben wurde. Auch dies ist also durchaus ein wichtiger Umstand, den man kennen sollte.

Achtung, Steuer!

Es wird wohl niemanden überraschen, dass natürlich auch in Deutschland auf Kapitalerträge Steuern entrichtet werden müssen. Ganz konkret bedeutet dies, dass wenn man den Freibetrag von 801 Euro (Verheiratete 1602 Euro) ausgeschöpft hat, die Kapitalertragsteuer fällig wird. Für Dividendeneinnahmen, die darüber liegen, fällt derzeit eine Steuerbelastung von immerhin 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls auch noch Kirchensteuer an.

Es könnte also durchaus sinnvoll sein, nicht ausschließlich auf starke Dividendenzahler zu setzen. Stattdessen könnte man sich teilweise auch auf Firmen konzentrieren, die gar nichts oder nur sehr wenig vom Gewinn ausschütten. Denn sie investieren das Geld meistens sofort wieder in weiteres Wachstum. Und in der Regel schlägt sich dies natürlich positiv im Aktienkurs des Unternehmens nieder. Aber da auf Kursgewinne erst beim Verkauf der Papiere Steuern anfallen, kann man so seine Steuerlast weit in die Zukunft verschieben.

Fazit

Dividenden sind für jeden Investor etwas Wunderbares. Doch wie bei allem sollte man auch hier über alle Unwägbarkeiten informiert sein, bevor man loszieht und sein Geld vermehrt in Dividendenaktien investiert. Dann sollte es, was die Ausschüttungen angeht, auch keine unliebsamen Überraschungen geben.

The post Hohe Dividenden sind verlockend: Doch über diese Dinge solltest du unbedingt Bescheid wissen! appeared first on The Motley Fool Deutschland.

Mehr Lesen

Andre Kulpa besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2021