Hofreiter gerät bei "Markus Lanz" in Bedrängnis: "Mit gespielter Empörung kommen Sie nicht weiter"

Anton Hofreiter hatte schon einfachere Talk-Auftritte zu absolvieren als den am Mittwoch bei "Markus Lanz". (Bild: ZDF)
Anton Hofreiter hatte schon einfachere Talk-Auftritte zu absolvieren als den am Mittwoch bei "Markus Lanz". (Bild: ZDF)

Nicht nur die Klima-Proteste in Lützerath, sondern auch der neue RWE-Deal bringt die Grünen in Erklärungsnot. Am Mittwochabend stellte sich Anton Hofreiter bei Markus Lanz nicht nur unbequemen Fragen eines Klimaaktivisten, sondern geriet auch im Gespräch mit dem ZDF-Moderator ins Straucheln.

Der Angriffskrieg in der Ukraine hat auch bei den Grünen nachhaltig für Wirbel gesorgt. Nach dem überraschenden Deal mit dem Energieversorger RWE und dem teils gewalttätigen Protest im nordrhein-westfälischen Dorf Lützerath stellen sich selbst bislang treue Anhänger der Partei die Frage, wie es in Zukunft weitergeht und wie sich die Partei künftig in Klima-Fragen positionieren wird.

Um Licht ins Dunkle zu bringen, erklärte sich Grünen-Politiker Anton Hofreiter am Mittwochabend dazu bereit, bei "Markus Lanz" Klartext zu reden. Doch der Poltitiker geriet dabei mehr als nur einmal in Bedrängnis - vor allem im Zwiegespräch mit Klimaaktivist David Dresen, der selbst bei der Klima-Demo in Lützerath am 14. Januar vor Ort war, um sich gegen die Kohle-Verstromung stark zu machen.

Klimaaktivist David Dresen (rechts) attackierte Anton Hofreiter und die Grünen scharf. Er warf der Partei "Verrat" vor. (Bild: ZDF)
Klimaaktivist David Dresen (rechts) attackierte Anton Hofreiter und die Grünen scharf. Er warf der Partei "Verrat" vor. (Bild: ZDF)

Klimaaktivist wirft Grünen "Verrat" vor

Anton Hofreiter versuchte zunächst, sich auf die Seite des jungen Aktivisten zu stellen und erklärte: "Ich kann verstehen, warum die jungen Leute wütend sind und demonstrieren. Es stimmt, dass ganz viele Länder nicht genug tun, um die Klimakrise in den Griff zu kriegen." Doch damit gab sich Dresen nicht zufrieden. Er warf den Grünen nicht nur "Verrat" vor, sondern unterstellte den Politikern auch, unehrlich mit der Bevölkerung umzugehen, was den Deal mit RWE angeht: "Die Grünen haben ihre Wahlkampfversprechen gebrochen. Jetzt hat Habeck dauerhaft Schmerzen. Mir wäre aber lieber, sie würden handeln."

Obwohl "FAZ"-Wirtschaftsexpertin Julia Löhr den neuen Kurs der Grünen mit dem anhaltenden Krieg in der Ukraine entschuldigte, legte Dresen nach und sagte: "Der Punkt an diesem Deal ist aber, dass er unehrlich ist. Es ist ein Deal, der ausschließlich aus Energiesicherheit geschlossen wurde, aber als Klimaschutzpaket verkauft wird."

Robin Alexander findet, die Klimaschutzbewegung sei schon mal weiter gewesen, und ist von den Aktivisten enttäuscht. (Bild: ZDF)
Robin Alexander findet, die Klimaschutzbewegung sei schon mal weiter gewesen, und ist von den Aktivisten enttäuscht. (Bild: ZDF)

"Wir mussten verhindern, dass es zu Blackouts kommt"

ZDF-Moderator Markus Lanz amüsierte sich sichtlich und merkte nach der Ansage des Klimaaktivisten an: "Sie lösen richtig was aus im Gesicht von Herrn Hofreiter!" Der Grünen-Politiker wollte den harten Vorwurf jedoch nicht so einfach auf sich sitzen lassen und erklärte mit ernstem Blick: "Russland hat die Ukraine überfallen, und die Entscheidung ist gefallen, als wir Sorge vor Gasmangel hatten. Das ganze russische Erdgas musste ersetzt werden. Wir mussten verhindern, dass es zu Blackouts kommt."

Es sei dem Klimaschutz nicht gedient, so Hofreiter weiter, "wenn wir Stromkosten produzieren, die niemand nachahmen will". Der Grüne: "Es ist klug, den Klimaschutz so durchzusetzen, dass man Lust hat, es auch so zu machen." Als Dresen den Politiker jedoch fragte: "Steht die grüne Partei dazu, dass sie nie wieder Leute für Braunkohle enteignet?", geriet Hofreiter ins Schlingern: "Wir versuchen es, so weit wie möglich zu vermeiden."

Auf Angriff schaltete Hofreiter beim Thema Ukraine-Krieg. Er plädierte für die Lieferung des Panzers Leopard 2 und stellte im Gespräch mit Markus Lanz klar, dass die Lieferung aus seiner Sicht so schnell wie möglich erfolgen sollte: "Ich würde mir wünschen, dass das deutsche Gewürge endlich ein Ende hat und wir den Leo liefern." Er ergänzte wütend: "Scholz versteckt sich viel zu häufig hinter den Amerikanern. Das geht den Amerikanern tierisch auf die Nerven. Der Krieg findet in Europa statt, deshalb sind wir da auch in der Verantwortung."

Der ZDF-Moderator merkte fragend an: "Was für eine Strategie fahren wir? Immer zu spät und immer nur das, was nötig ist?" Hofreiter stimmte zu und ergänzte: "Wir sind das wirtschaftlich stärkste Land der Eurpäischen Union. Dass wir uns immer hinter anderen verstecken, macht mir enorm große Sorgen." Als Markus Lanz seine Aussage jedoch als "großen Frust und große Enttäuschung" beschrieb und es als "saftigen Vorwurf" gegen Olaf Scholz sah, wiegelte Hofreiter ab: "Ich habe keine Lust, von Schuld zu sprechen."

Anton Hofreiter: "Pistorius kennt sich nicht gut mit dem Militär aus"

Ähnlich explosiv war die Stimmung, als es um die neue Besetzung des Bundesverteidigungsministers und das Versprechen der Parität von Olaf Scholz ging. Journalist Robin Alexander erzählte in der Runde von einem Aufeinandertreffen mit Robert Habeck, der das Thema Verteidigungsminister als "Problem der SPD" betitelt haben soll. "Das ist schon erstaunlich, er ist Vizekanzler! Das sagt schon viel über die Ampelkoalition aus", so Alexander bei "Markus Lanz."

Grünen-Politiker Anton Hofreiter erklärte daraufhin jedoch: "Natürlich wäre es besser, wenn es anderes liefe, aber man darf den enormen Druck und die aktuelle Belastungssitautionen nicht außer Acht lassen." Mit Blick auf Boris Pistorius (SPD) ergänzte Hofreiter: "Pistorius, den ich sehr schätze, kennt sich nicht gut mit dem Militär aus."

Daraufhin entbrannte eine hitzige Grundsatz-Diskussion zum Thema Gleichberechtigung und Aufteilung der Ministerposten. "Dass jemand dann entlassen wird, nur weil er ein Mann ist ...", hob Robin Alexander an. Lanz vollendete den Satz: "Das nenne ich Diskriminierung." Julia Löhr konstatierte, dass bei der Postenvergabe Kompetenz eine untergeordnete Rolle spiele, sei Politik. Hofreiter intervenierte: Die Diskussion sei "angesichts der Probleme, die wir haben, nicht auf der Höhe der Zeit". Markus Lanz konterte jedoch schnell und sagte mit Blick auf Hofreiter: "Mit gespielter Empörtheit kommen Sie hier nicht weiter."

Robin Alexander: "Die Klimabewegung fällt zurück aufs Schlammwerfen"

Abschließend bekam jedoch nicht nur Anton Hofreiter sein Fett weg. Auch Klimaaktivist Dresen wurde mit Blick auf die Auseinandersetzungen mit der Polizei in Lützerath scharf kritisiert. Vor allem Journalist Robin Alexander sprach dem Aktivisten ins Gewissen, als er mit ernstem Blick sagte: "Die Klimabewegung war eine spektakuläre Bewegung. Dann ist Ihre Klimabewegung zum Bundesverfassungsgericht gegangen und alle haben geklatscht. Sie haben doch total verstanden, wie die Gesellschaft funktioniert und jetzt fallen Sie zurück auf Schlammwerfen auf Polizisten. Dabei waren Sie viel weiter, und das finde ich schade!"

Eine Aussage, die auch Dresen sichtlich beschäftigte. Anton Hofreiter stellte sich zum Schluss dennoch auf die Seite des jungen Mannes und sagte nachdenklich: "Ich verstehe, dass die Leute die Geduld verlieren."