Hofmann sieht keinen WM-Favoriten: "Kommt anders als man denkt"

Gerald Dirnbeck
·Lesedauer: 3 Min.

Valencia leitet den Endspurt in der MotoGP-Weltmeisterschaft ein. Joan Mir (Suzuki) hat bei drei noch ausstehenden Rennen 14 Punkte Vorsprung auf Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha). Auch Maverick Vinales (Yamaha) und Franco Morbidelli (Petronas-Yamaha) haben mit 19 beziehungsweise 25 Punkten Rückstand ebenfalls Chancen.

"Allein mit einem Sieg bist du sofort wieder in Schlagdistanz", sagt ServusTV-Experte Alex Hofmann. "2020 hat uns gelehrt, dass es immer anders kommt als man denkt." Auch Andrea Dovizioso (Ducati) und Alex Rins (Suzuki) darf man noch nicht abschreiben.

Die Top 6 sind in der WM nur durch 32 Punkte voneinander getrennt. 25 Zähler gibt es für einen Sieg. Somit werden bei den beiden Grands Prix in Valencia und anschließend in Portimao noch maximal 75 Punkte vergeben.

Was spricht für wen im Titelkampf?

Doch was spricht für wen? "Joan Mir weiß angesichts seines WM-Triumphs 2017 in der Moto3, was es heißt, um Titel zu fahren", erklärt Hofmann. Und genau dieser Vorteil würde Quartararo fehlen. "Er konnte bisher 'nur' im Jugendalter die spanische CEV-Meisterschaft gewinnen."

Christian Brugger und Alex Hofmann kommentieren für ServusTV

Christian Brugger und Alex Hofmann kommentieren für ServusTV<span class="copyright">Red Bull</span>
Christian Brugger und Alex Hofmann kommentieren für ServusTVRed Bull

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Vinales sei wiederum sehr lange dabei, habe die Erfahrung und wisse, wie man mit Druck umgeht. "Und dann kommen noch die Unbeschwerten wie Franco Morbidelli, die sich denken, wenn die da vorne nicht wollen, bin ich da", sagt Hofmann.

Zudem kennen Vinales und Morbidelli den Druck eines WM-Kampfes. Beim Saisonfinale 2013 setzte sich Vinales in der Moto3-Klasse im direkten Duell gegen Rins durch und wurde Weltmeister. Morbidelli entschied 2017 die Moto2-WM für sich.

Der Circuit Ricardo Tormo ist vom Layout her eng, langsam und mit 14 Kurven sehr winkelig. Die Zielgerade beträgt knapp 900 Meter. Gutes Handling ist gefragt. In der Theorie spielt das Suzuki und Yamaha in die Karten, während die Strecke für Ducati oft ein schwieriges Pflaster war.

"Bis auf die lange Start-Ziel-Geraden mit über 800 Metern spielt sich alles in einem recht engen, komplizierten Infield ab, wodurch das Rennen über Schräglage, Grip und die Balance des Bikes entschieden wird", erklärt Hofmann.

Welche Rolle könnte Corona spielen?

Der Deutsche erzielte übrigens im Jahr 2004 mit einer Kawasaki Platz elf in Valencia. Das war sein bestes Resultat auf dieser Strecke. Ein großes Thema sind in der Motorrad-WM die steigenden Corona-Fallzahlen in Europa.

Andrea Dovizioso gewann einmal in Valencia - im Regen im Jahr 2018

Andrea Dovizioso gewann einmal in Valencia - im Regen im Jahr 2018<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Andrea Dovizioso gewann einmal in Valencia - im Regen im Jahr 2018Motorsport Images

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Valentino Rossi wird voraussichtlich auch das erste Valencia-Rennen auslassen. Mit Iker Lecuona befindet sich ein weiterer MotoGP-Fahrer daheim in Isolation. Der Spanier wurde zwar negativ getestet, aber sein Bruder positiv. Deshalb darf Lecuona sein Haus nicht verlassen.

Würde einer der WM-Anwärter wegen eines positiven Corona-Tests ein oder zwei Rennen verpassen, dann wäre seine WM-Chance praktisch vorbei. Es gilt, das Infektionsrisiko so gut es geht zu verringern.

Hofmann ist zuversichtlich, dass das im WM-Kampf keine Rolle spielen wird: "Bis zum Ende der Weltmeisterschaft bleiben wir auf der iberischen Halbinsel. Die meistens Fahrer leben in Spanien oder Andorra, haben keine Kinder und können sich in ihrer eigenen Blase isolieren. Sie müssten also schon sehr nachlässig sein, wenn sie sich jetzt noch anstecken und sich dadurch die Chance nehmen, ihren Traum zu verwirklichen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.