Hoffnungsträger für Depressionen: Wirkstoff in Magic Mushrooms wirkt vergleichbar gut wie Antidepressiva

Yeji Jesse Lee
·Lesedauer: 4 Min.

Die Forschung zur Behandlung von Depressionen mit Psychedelika hat einen Aufschwung erlebt. Private Unternehmen, die auf die Entwicklung von Medikamenten basierend auf psychedelischen Substanzen spezialisiert sind, haben allein 2020 Hunderte Millionen Dollar eingesammelt. Einige von ihnen sind an die Börse gegangen und haben dort Bewertungen von über einer Milliarde Dollar erreicht.

Mittlerweile haben auch sechs renommierte Universitäten in den USA und in Europa Zentren eingerichtet, die an Psychedelika forschen. Unterstützt werden sie von privaten Spendern, die an den potenziellen medizinischen Vorteilen der Substanzen interessiert sind.

Die medizinische Forschung steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Denn Untersuchungen mit psychedelischen Substanzen waren jahrzehntelang praktisch verboten. Erst vor kurzem haben akademische Einrichtungen wieder Studien begonnen, in denen die Effekte von Psychedelika an Menschen getestet werden.

Wirkstoff Psilocybin scheint genauso wirksam wie gängige Medikamente

Mittlerweile gibt es erste Erkenntnisse. Am Mittwoch veröffentlichten Wissenschaftler einen Bericht, in dem sie Psilocybin — den Wirkstoff, der in Zauberpilzen vorkommt — direkt mit dem gängigen Depressionsmedikament Escitalopram verglichen. Die Studie, die im renommierten "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, zeigt, dass Psilocybin bei der Behandlung von mittelschweren oder schweren Depressionen genauso gut wirkt wie Escitalopram.

Mit nur 59 Probanden handelt es sich bei der Untersuchung um eine eher kleine Studie. Deshalb ist die Aussagekraft eingeschränkt. Etwa die Hälfte der Probanden wurde mit Psilocybin behandelt. Die andere Hälfte erhielt Escitalopram. Alle Patienten wurden zudem während der gesamten Studie psychologisch unterstützt.

Robin Carhart-Harris, Leiter des Centre for Psychedelic Research am Imperial College London, hat das Forschungsteam geführt. Er erklärte, dass die Ergebnisse des Berichts mit denen aus früheren Studien über die Wirkung von Psilocybin auf Depressionen übereinstimmen.

Größere Studien sind noch notwendig

Die Forschenden konnten feststellen, dass Psilocybin im Durchschnitt schneller begann zu wirken, und der Unterschied zwischen den beiden Behandlungen nicht statistisch bedeutsam war. Das bedeutet: Beide Behandlungen waren für die Patienten gleich effektiv. Nun müssen sich diese Ergebnisse noch bestätigen lassen. "Größere und längere Studien sind notwendig, um Psilocybin mit etablierten Behandlungsmethoden gegen Depressionen zu vergleichen", schreiben die Forschenden in ihrem Bericht.

Eine Therapie mit Psilocybin könne in Zukunft möglicherweise eine Alternative zu Antidepressiva wie Escitalopram sein, so die Autoren. "Wir haben gezeigt, dass Betroffene mit einer Depression eine Therapie mit Psilocybin früher in Erwägung ziehen könnten.”

Einige Ergebnisse der Studie sind beeindruckend, findet Carhart-Harris. Zum Beispiel, dass bei 57 Patienten, die mit Psilocybin behandelt wurde, die Depression zurückging, während das nur bei einem Viertel der Patienten der Fall war, die Escitalopram erhielten.

Das könne allerdings auch daran liegen, dass Escitalopram mehrere Wochen braucht, um seine volle Wirkung zu entfalten. Hätte die Studie also länger als sechs Wochen gedauert, hätten die Patienten, die Escitalopram erhielten, möglicherweise besser abgeschnitten.

Bereits die schnelle Wirkung kann ein großer Vorteil sein

"Um es vorsichtig auszudrücken, sieht es bisher so aus, als ob die Psilocybin-Therapie mindestens genauso gut wirkt wie die gängigen Behandlungsmethoden gegen Depressionen", sagte Carhart-Harris.

Allein die Tatsache, dass Psilocybin schneller zu wirken scheint als gängige Depressionsmedikamente, könne ein bemerkenswerter Vorteil sein. "Wir haben uns so daran gewöhnt, dass man ein paar Monate warten muss, bis ein Medikament wirkt, und das ist nicht gut genug", sagte er. "Viele Menschen mit Depressionen denken ernsthaft darüber nach, sich das Leben zu nehmen, und man sagt ihnen, dass sie zwei Monate warten müssen, bis eine Verbesserung eintritt. Das ist keine gute Botschaft, aber wir nehmen das einfach hin."

In den vergangenen Jahren wurde Psilocybin noch eher als ein potenzieller Störfaktor auf dem Markt für Medikamente gegen Depressionen gesehen. Die derzeit gängigen Antidepressiva-Behandlungen funktionieren allerdings bei recht vielen Patienten nicht. Außerdem kann es lange dauern, bis sie vollständig anschlagen. Die Investmentbank Canaccord Genuity hat deshalb kürzlich geschätzt, dass Medikamente gegen psychische Erkrankungen, die auf psychedelischen Substanzen beruhen, bald Teil eines 100 Milliarden Dollar schweren Marktes sein könnten.

Der nächste Schritt in der Erforschung von Psilocybin zur Behandlung von Depressionen ist nun eine Studie, die mehr Menschen umfasst. Neben dem Biotech-Unternehmen Compass Pathways ist auch das Usona Institute, eine Non-Profit-Organisation, in der klinischen Erprobung eines Wirkstoffs auf psychedelischer Basis am weitesten fortgeschritten. Beide befinden sich in Phase-II-Studien, bei denen die Behandlung mit Psilocybin an mehreren hundert Patienten getestet wird.

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.