Hoffnungsschimmer bei der Credit Suisse


Es ist ein kleiner Achtungserfolg: Immerhin 244 Millionen Franken (210 Millionen Euro) verdiente die Credit Suisse im dritten Quartal. Für Konzernchef Tidjane Thiam ist es das dritte Quartal in Folge mit schwarzen Zahlen, auch wenn die Bank die Erwartungen der Analysten leicht verfehlte.

Wirklich rund läuft es bei den Schweizern noch nicht: Die Erträge gingen im dritten Quartal um acht Prozent auf 4,9 Milliarden Franken zurück. Aber weil die Bank ihre Kosten senken konnte, blieb unterm Strich mehr hängen. Zudem überraschte die Vermögensverwaltungssparte positiv – und das ist für Thiam entscheidend im Kampf gegen die geforderte Zerschlagung der Bank.

Der Hedgefonds RBR des aktivistischen Investors Rudolf Bohli hatte vorgeschlagen, die Credit Suisse zu filetieren. Die Bank solle in drei Teile aufgespalten werden, das Investmentbanking als eigenständige Einheit an die Börse gebracht werden. Die Credit Suisse will dagegen an ihrer Strategie einer integrierten Großbank festhalten. „Wir glauben, dass unsere Strategie funktioniert“, sagte Bankchef Thiam am Donnerstag. Die Argumente dafür habe man RBR dargelegt, auch von einem persönlichen Treffen war die Rede.


Tatsächlich lief es im Investmentbanking bei der Credit Suisse ziemlich mau. Die Flaute an den Märkten, die auch der Konkurrenz zu schaffen macht, hinterließ ihre Spuren. Die Handelssparte, Global Markets genannt, verdiente gerade einmal 71 Millionen Franken und damit 18 Prozent weniger als im Vergleichsquartal. Dabei muss die Bank für jeden Franken, den sie verdient, fast 94 Rappen investieren.

Die Vermögensverwaltung erwies sich dagegen als Lichtblick. Mit 751 Milliarden Franken erreichten die verwalteten Vermögen einen neuen Rekordwert. Thiam hatte die Vermögensverwaltung zum Kerngeschäft erklärt und die Handelssparte eingedampft. „Die Ergebnisse unterstreichen den Wert unseres diversifizierten Geschäfts“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Das kann man als deutlichen Wink an Rudolf Bohli und seine Mitstreiter verstehen: Thiam sieht in der breiten Aufstellung eine Chance. Während die Bank das Investmentbanking verkleinerte, baute sie ihre Vermögensverwaltungssparte aus.


Der Manager wirkte bei der Präsentation der Zahlen sichtlich gelöst. Thiam glaubt, dass die Bank das Schlimmste schon hinter sich hat. So sei das vergangene Jahr hart gewesen, „weil wir zu wenig Kapital hatten“. Nachdem die Bank insgesamt vier Milliarden Franken per Kapitalerhöhung eingesammelt hat, sei diese Sorge aus der Welt geschafft. „Das Kapitel haben wir nun endgültig abgeschlossen“, sagte Thiam. Die Bank habe es nun geschafft, ihre harte Kernkapitalquote (CET) aus eigener Kraft aufzustocken. Sie lag bei 13,2 Prozent.

Thiam: „Bitcoin per Definition eine Blase“

Im laufenden Jahr will die Bank kräftig sparen. Bis Jahresende sollen die Kosten unter 18,5 Milliarden Franken sinken. „Wir sind zuversichtlich, unser Kostenziel zu erreichen“, sagte Thiam. Möglicherweise werde das Ziel sogar übererfüllt.


Der Ivorer weckte bei Investoren Hoffnung auf die kommenden Jahre: Ab 2019 sei die Bank „eine superbe Maschine, die ihre Konkurrenten abhängen wird“. Aktionäre scheinen die Hoffnung zu teilen: Bis zum Mittag legten die Aktien der Bank um rund vier Prozent zu.

Einen anderen Kursanstieg sieht Thiam dagegen mit Skepsis. Als ihn Journalisten auf den Boom der virtuellen Währung Bitcoin ansprachen, gab der Credit-Suisse-Chef eine deutliche Antwort. Der einzige Grund, Bitcoins zu kaufen, sei es, Geld zu machen, so Thiam. „Das ist reinste Spekulation und per Definition eine Blase.“