Wie Hoffmann jetzt den HSV umkrempeln will

Markus Bosch, Reinhard Franke, Sportinformationsdienst (SID)

Lautsprecher statt Leisetreter, Comeback statt Kontinuität: Bernd Hoffmann (55) ist neuer Präsident des taumelnden Hamburger SV.

Der Diplom-Kaufmann setzte sich bei der hitzigen Mitgliederversammlung gegen den Amtsinhaber Jens Meier äußerst knapp durch und kehrt damit in die Klubspitze der Norddeutschen zurück.

Herausforderer Hoffmann, der bereits von 2003 bis 2011 Vorstandsvorsitzender des Bundesligisten war, erhielt bei der Abstimmung des Gesamtvereins am Sonntag 585 Stimmen und damit 25 mehr als sein Kontrahent Meier (560 Stimmen).

Einige Anhänger skandierten nach der Wahl "Hoffmann raus", andere sangen "So sehen Sieger aus". Diese Wahl hat den Hamburger SV tief gespalten. SPORT1 erklärt den Kurs des neuen Präsidenten und erklärt, warum Sportdirektor Jens Todt vor dem Aus steht.

Wie fällt Hoffmanns bisherige HSV-Bilanz aus?

In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender (2003-2011) beim Bundesliga-Dino war der sportliche Erfolg zwar noch da, doch damals begannen auch die finanziellen Probleme der Norddeutschen. Gemeinsam mit dem damaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer holte er Hochkaräter wie Rafael van der Vaart oder Nigel de Jong an die Alster, die den HSV aber finanziell ins Wanken brachten.

Sein Streit mit Beiersdorfer und dessen Abschied läuteten auch Hoffmanns Ende bei den Rothosen ein. Am 16. März 2011 trennte sich der HSV von Hoffmann, nachdem dieser zuvor in einer Doppelfunktion fungiert hatte.


"Ich habe in den letzten Jahren meiner Amtszeit auch das eine oder andere mal danebengelegen", räumte der gebürtige Leverkusener auf der Mitgliederversammlung Fehler in der Vergangenheit ein.

Gegenkandidat Meier attackierte Hoffmann, er habe in seiner Zeit als Vereinschef von 2003 bis 2011 nicht besser gewirtschaftet und in seiner letzten Bilanz "auch 100 Millionen Euro Schulden" geschrieben.

Was sind Hoffmanns Ziele?

"Ein 'Weiter so' kann es nicht geben. Wir brauchen dringend eine Trend-Umkehr", kündigte der 55-Jährige am Sonntag einen erneuten Umbruch beim Bundesliga-Krisenklub an. Die aktuelle Führung mit dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt steht demnach schon wieder vor dem Aus.


Vor allem Todt muss heftig um seinen Posten zittern. Nach SPORT1-Informationen hatte Ex-Trainer Markus Gisdol im Sommer vehement Verstärkungen beim Sportdirektor gefordert - bis Gisdol sogar Illoyalität vorgeworfen wurde. Doch Todt blieb hart - und Gisdol flog nach der erneuten sportlichen Talfahrt. 

Entlassen kann der Aufsichtsrat, in den Hoffmann gewählt wurde, allerdings nur Vorstände - und nicht den Sportdirektor. Todt könnte wiederum nur vom Vorstand vor die Tür gesetzt werden.

Auch der Vorstandschef Bruchhagen räumte am Sonntag Versäumnisse in der Transferpolitik ein: "Ich muss mir selbst ankreiden, dass ich es nicht geschafft habe, diese Veränderungen umzusetzen."

Hoffmann deutete den Austausch von Verantwortungsträgern auf allen Ebenen an: "Der Erfolg eines Bundesligisten hängt von sieben bis acht Personalien ab". Nach der Versammlung legte er nochmal nach: "Wir sind in bestimmten Bereichen nicht wettbewerbsfähig aufgestellt."


Zwar ist der ehemalige HSV-Vorstandsvorsitzende Präsident des Stammvereins, doch Hoffmann kündigte eine Veränderung des Fokus auf die Fußball-AG, die die "Herzkammer" des e.V. sei.  Im Aufsichtsrat steht dem 55-Jährigen ebenfalls der Vorsitz zu, allerdings wurde erst vor zwölf Tagen Michael Krall als neuer Vorsitzender gewählt.

Kein Thema ist die Übernahme des Amtes des Vorstandsvorsitzenden - zumindest vorerst.  "Meine Aufgabe ist jetzt die des Präsidenten des e.V. und alles andere ist Zukunft. Ich gehe davon aus, dass wir als Aufsichtsrat eine gute Nachfolgeregelung für Herrn Bruchhagen finden werden – wenn sie denn ansteht", meinte der neue HSV-Präsident.

Welche Rolle spielt Klaus-Michael Kühne zukünftig?

Der 55 Jahre alte Hoffmann gilt als Freund von Klaus-Michael Kühne. Am Sonntag äußerte er Verständnis für die Unzufriedenheit des Investors. "An seiner Stelle würde mir der Hals platzen", sagte er. Wenn man sportlich wieder in die Bahn finde, könne Kühne ein verlässlicher Partner sein.


Todt und Bruchhagen hatten auf die Unterstützung des Gönners verzichtet, worauf der Wahl-Schweizer mit harscher Kritik und zahlreichen Interviews in Hamburgs Boulevard-Presse reagierte. So entstand zusätzlich Unruhe. Doch unter Hoffmann soll Kühne wieder ins Boot geholt werden.

Wie plant Hoffmann bei einem Abstieg des Hamburger SV?

Die sportliche Situation beim HSV ist prekär. Platz 17 und sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Auch der neue Trainer Bernd Hollerbach konnte bis jetzt noch nicht den Umschwung einleiten. Doch Neu-Präsident Hoffmann ist nicht bange.

Im Falle eines Abstiegs "würden wir Rotz und Wasser heulen", sagte der 55-Jährige. "Und dann würden wir es auch eine Woche lang tun." Dann aber werde der Klub wieder aufstehen und ein "neues Kapitel in der HSV-Geschichte positiv schreiben."

Erst einmal muss Hoffmann aber versuchen, die entstandenen Gräben unter den Mitgliedern und Vereinsverantwortlichen wieder zuzuschütten.  "Wenn wir den Gegner weiter im eigenen Verein sehen, werden wir es zu nichts bringen",  so das Fazit des 55-Jährigen nach der turbulenten Mitgliederversammlung.