Nach Bayern-Wirbel: Hoffenheim vergeigt Europa-League-Debüt

Sportinformationsdienst (SID), Martin Quast
Die TSG 1899 Hoffenheim musste sich Sporting Braga geschlagen geben

Julian Nagelsmann blieb sekundenlang entgeistert auf seiner Bank sitzen. Dann suchte der ehrgeizige Trainer von 1899 Hoffenheim den direkten Weg in die Katakomben und ließ seine Mannschaft nach dem Fehlstart in die UEFA Europa League auf dem Rasen stehen.

Belastet durch das Bayern-Ballyhoo, das er selbst durch ein Interview ausgelöst hatte, unterlag die TSG 1:2 (1:1) im Heimspiel gegen Sporting Braga aus Portugal - und steht in ihrer Debütsaison auf internationalem Parkett bereits gehörig unter Druck.

"Das war eine komplett unnötige Niederlage. Wir hätten Braga in den ersten 30 Minuten besiegen müssen. Wir könnten 3:0 in Führung liegen", sagte Nagelsmann: "Ich konnte das mit dem Interview völlig ausblenden, das war ein Thema für die Medien." (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Alle Highlights der UEFA Europa League im TV und STREAM

Wagner bringt Hoffenheim in Führung

Nationalstürmer Sandro Wagner (24.) brachte den Kraichgauer Bundesligisten in Führung, doch Joao Carlos (45.+1) und Dyego Sousa (50.) drehten die Partie, in der Hoffenheim vor allem in der letzten Stunde nicht zum ersten Mal reichlich Lehrgeld auf internationalem Parkett zahlte.

"Das ist Fußball. Wir haben uns viel vorgenommen. Wir wollten das Spiel gewinnen, hatten viele Chancen und waren überlegen. Es hat leider nicht geklappt – ein sehr bitterer Abend für uns", sagte Wagner bei SPORT1.


Für die TSG, die in den Playoffs zur Champions League am FC Liverpool gescheitert war, war es im dritten Europapokal-Auftritt der Vereinsgeschichte bereits die dritte Niederlage.  (Tabelle der UEFA Europa League)

Wirbel um Nagelsmann vor der Partie

Die Tage vor der Partie wurden vom Rummel um Nagelsmann beherrscht. Der "Trainer des Jahres" hatte in einem Interview über seinen Traum vom Job bei Rekordmeister Bayern München gesprochen und damit für großes Aufsehen gesorgt.

Der Coach sah sich deshalb genötigt, seine Aussagen zu relativieren und Bayern-Trainer Carlo Ancelotti per SMS zu kontaktieren. "Leider hat das Interview extrem große Wellen geschlagen - auch im Hinblick auf meinen Kollegen Carlo Ancelotti, vor dem ich großen Respekt habe", sagte Nagelsmann.


Als erstes Ziel für die Europa League hat der Coach das Überstehen der Gruppenphase ausgegeben - und ist diesbezüglich trotz der Niederlage weiterhin optimistisch.

"Wenn wir die drei Chancen in der ersten Hälfte machen, wäre es vielleicht auch eine Gala geworden. Die Chancen waren deutlich besser als die gegen die Bayern. Jetzt müssen wir das Spiel abhaken. Wir haben noch genug Spiele in der Europa League, um die Gruppenphase positiv zu gestalten", sagte Nagelsmann bei SPORT1.

Hoffenheim bestimmt das Spiel

Vor 15.714 Zuschauern in der kaum mehr als zur Hälfte besetzten Rhein-Neckar-Arena bestimmte der Bundesliga-Zweite zunächst das Spiel. Echte Torchancen konnten sich die Hoffenheimer trotz ihrer deutlichen Feldüberlegeneit aber nicht erarbeiten.

Erst in der 23. Minute wurde es gefährlich. Braga-Torwart Matheus lenkte einen Schuss von Pavel Kaderabek an die Latte. Wenige Sekunden später war Wagner nach Vorarbeit von Kaderabek mit dem Kopf zur Stelle und erzielte aus kurzer Distanz das erste Europa-League-Tor der TSG.


In dieser Phase schien sich die Rotation Nagelsmanns auszuzahlen.

Obwohl die Gastgeber ohne Serge Gnabry, Mark Uth und Adam Szalai auskommen mussten, hatte der Trainer seine Stammkräfte Benjamin Hübner, Steven Zuber und Nadiem Amiri auf die Bank gesetzt. Dafür liefen unter anderem die Neuzugänge Nico Schulz und Florian Grillitsch auf.

Braga bestraft Nachlässigkeit der TSG

In der 37. Minute hätte Andrej Kramaric die Führung ausbauen müssen, der Kroate scheiterte aber an Matheus. Diese Nachlässigkeit wurde in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch das Gegentor bestraft, bei dem Joao Carlos unbedrängt einköpfte. (Ergebnisse und Spielplan der UEFA Europa League)

Nach dem Seitenwechsel wurde es vor allem in der Abwehr nicht besser. Die Gäste nutzten die Schwäche der TSG umgehend und gingen in Führung.

"Mit dem zweiten Gegentreffer sind wir aus dem Tritt gekommen. Über das ganze Spiel hatten wir viel mehr Torgelegenheiten als der Gegner, aber dieser war brutal effizient", sagte Hoffenheims Manager Alexander Rosen bei SPORT1

Nach dem zweiten Gegentor wirkten die Hoffenheimer endgültig verunsichert und hatten erst in der Schlussphase wieder nennenswerte Offensivszenen. In der 88. Minute scheiterte Hübner bei einem Versuch aber aus spitzem Winkel an der Latte.