Heynckes-Hammer! Hoeneß spricht von Verlängerung

Martin Volkmar, Stefan Kumberger, Ljubo Herceg
Jupp Heynckes beerbte beim FC Bayern München den entlassenen Carlo Ancelotti

Das ist ein Hammer: Uli Hoeneß kann sich einen Verbleib von Jupp Heynckes beim FC Bayern über die Saison hinaus sehr gut vorstellen.

Das erklärte der Präsident überraschend nach der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München.

"Jupp Heynckes ist unser Trainer, wie es weitergeht, werden wir sehen. Ich kann mir das eine wie das andere vorstellen", erklärte er.

Und auf Nachfrage, ob das eine Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus bedeute, antwortete Hoeneß:

"Ich halte das für möglich, da ist nichts ausgeschlossen."


Neun Siege seit der Rückkehr

Heynckes hatte seine Rückkehr zum deutschen Rekordmeister im Oktober immer als Freundschaftsdienst bezeichnet, der nur bis zum Saisonende begrenzt sei.

Doch vielleicht sorgt ein erneutes Bitten seiner alten Freunde Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge für ein Umdenken beim Triple-Trainer von 2013.

Der 72-Jährige hatte die Bayern nach der Entlassung von Carlo Ancelotti zum vierten Mal übernommen. Seitdem gewann Heynckes alle seine neun Pflichtspiele und führte den FCB zurück an die Tabellenspitze der Bundesliga.

"Heynckes ist ein Glücksfall"

"Es ist ein Glücksfall, dass es uns gemeinsam gelungen ist, Jupp Heynckes zu verpflichten", erklärte Hoeneß in seiner Rede auf der Versammlung:

"Wenn man sieht, welche Stimmungsänderung durch Jupp Heynckes gekommen ist - das macht Spaß! Alle Mitarbeiter schweben förmlich. Es ist ein ganz anderer Geist da."

Ähnlich äußerte sich auch Rummenigge in seiner Rede vor den 1459 anwesenden Mitgliedern.

"Jupp hat Einzigartiges erreicht mit seiner Ruhe, Erfahrung, seinem Ehrgeiz und Wissen über Fußball. Innerhalb von sehr kurzer Zeit ist der Erfolg zurück. Das ist für mich und für uns alle mehr als beeidruckend", sagte der Vorstandsvorsitzende.


Kein Wunder, dass die Rufe lauter werden, ihn länger als bis zum nächsten Sommer zu binden.

Auch Bayerns Stars für Verbleib

"Es gibt keinen besseren Trainer auf dem Markt. Es wäre die beste Lösung, wenn er bleibt", hatte Sky-Experte Lothar Matthäus Anfang der Woche gefordert - und damit einen Stein ins Rollen gebracht.

Denn die Bayern-Profis sehen es genauso. "Ich glaube, die ganze Mannschaft hat diese Meinung. Wir würden uns alle freuen", sagte Ersatz-Kapitän Jerome Boateng nach dem 2:1 in Anderlecht zu SPORT1

"Er ist kurzfristig eingesprungen und macht das bis jetzt unglaublich toll, wie er uns führt. Aber wir wissen auch, dass es seine Entscheidung ist."

Ähnlich hatte sich zuvor schon Arjen Robben geäußert. "Natürlich können wir uns das vorstellen. Er weiß, was im Fußball heutzutage gefragt ist ", sagte er der Bild.

Und auch Robert Lewandowski schloss sich auf SPORT1-Nachfrage an. "Wir spielen gut, wir gewinnen und es wäre auch gut, wenn wir schon vor der neuen Saison wissen, ob Jupp bleibt oder jemand anderes kommt", erklärte der Torjäger.


Nachfolgersuche kompliziert

Fakt ist: Die Nachfolgersuche gestaltet sich kompliziert. Nach dem Italiener Carlo Ancelotti und dem Spanier Pep Guardiola soll möglichst wieder ein deutscher Trainer her, doch der Markt ist begrenzt.

Mit Karl-Heinz Rummenigges Favoriten Thomas Tuchel kam man schon nach der Trennung von Ancelotti nicht zusammen, die Sturheit und die aus Dortmund kolportierten menschlichen Schwächen könnten ungeachtet seiner fachlichen Qualitäten zum K.o.-Kriterium für Tuchel werden.

Bei Julian Nagelsmann, den Hoeneß favorisieren soll, mehren sich die Stimmen, dass der Shootingstar aus Hoffenheim noch zu jung und zu unerfahren für einen internationalen Topklub wie den FC Bayern sei. Zudem steht er ebenso unter Vertrag wie der gleichfalls gehandelte Ralph Hasenhüttl bei RB Leipzig.

Und bei Joachim Löw ist eher unwahrscheinlich, dass er nach der WM in Russland aufhört und dann vor allem ohne Pause sofort den stressigen Job in München antreten würde.

"Bin nur eine Übergangslösung"

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach sagte Heynckes: "Heute bin ich ja nur eine Übergangslösung, so müssen Sie das sehen. Ich habe mich nicht dafür beworben, sondern bin gebeten worden, das zu machen."

Allerdings wiederholte er nicht seine bisherigen Aussagen, dass eine Fortsetzung seiner Tätigkeit bei Bayern ausgeschlossen sei.

SPORT1-Experte Thomas Helmer kann sich vorstellen, dass das Werben der Bayern Wirkung erzielt. "Natürlich, wenn ihn seine Spieler darum bitten, ist es für ihn eine ganz schwierige Situation", sagte der Doppelpass-Moderator und frühere Bayern-Spielführer:

"Wenn alle einen bitten… ich weiß nicht, wie schlecht er nein sagen kann. Bei mir wäre es so, dass ich sagen würde: Okay, dann versuche ich es nochmal ein Jahr."