Hoeneß: Investoren werden "die Schnauze voll haben"

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sind sich bei möglichen Mega-Transfers nicht ganz einig

Uli Hoeneß lässt seit Wochen kaum eine Gelegenheit aus, den "ganzen Wahnsinn", wie er die Transferexzesse im europäischen Fußball nennt, anzuprangern. 222 Millionen Euro für Neymar, 180 für Kylian Mbappé - für Hoeneß ein absolutes Unding.

Mit Vehemenz stemmen sich die Verantwortlichen von FC Bayern deshalb gegen diese Missstände.

Da kommt dem deutschen Rekordmeister das Duell am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) beim neureichen Milliarden-Klub Paris St. Germain gerade recht, um den Münchner Weg zu propagieren.

"Die kaufmännisch seriöse Politik ist die DNA des FC Bayern. Wir wollen bewusst ein wenig anders vorgehen als einige andere Klubs. Wir bleiben bei unserem Weg und werden uns hierbei nicht treiben lassen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Aufeinandertreffen "von zwei unterschiedlichen Klub-Philosophien und Kulturen" dem kicker.


Nachwuchszentrum als Antwort auf Transferwahn

Rund 400 Millionen Euro lässt sich Paris alleine Neymar und Mbappé kosten, da nehmen sich die 100 Millionen Euro, die die Bayern im Sommer in fünf neue Spieler investierten, fast bescheiden aus. 

Als die Münchner zuletzt ihr Nachwuchsleistungszentrum eröffneten, war dies für Präsident Uli Hoeneß "die richtige Antwort auf die Entwicklung im internationalen Fußball, auf den ganzen Transferwahnsinn und die Gehaltsexplosionen".

Er prophezeit ein Ende der Wahnsinns-Summen, die im Moment im Fußball bewegt werden.

"Es wird der Zeitpunkt kommen, wo alle, die jetzt so viel Geld rausdonnern, kleinere Brötchen backen werden, weil der sportliche Erfolg sich nicht so einstellt, wie es sich die Geldgeber vorgestellt haben", sagte Hoeneß dem kicker.


Weil die Champions League "immer nur eine Mannschaft gewinnen" könne, erwartet Hoeneß einen gewissen Frust bei diversen Investoren:

"Die Geldgeber werden sagen: Jetzt haben wir so viel Geld reingesteckt und erreichen nicht, was wir erreichen wollen, jetzt haben wir die Schnauze voll! Und dann ist unsere Zeit da."

Rummenigge schließt auch 100-Millionen-Transfer nicht aus

Derzeit sei der Markt "viel zu heiß". Die Vereine würden sich "gegenseitig hochschaukeln". Dennoch sei es für ihn weiterhin "nicht akzeptabel" für einen Spieler an die 100 Millionen Euro zu zahlen.

Rummenigge will dies für die Zukunft aber nicht ganz ausschließen. "In Stein gemeißelt sind nur die zehn Gebote. Der Markt ist der Markt, er hat seine eigenen Gesetzte, da gibt es auch für den FC Bayern keine Ausnahme", sagte er.


Er könne "heute nicht seriös voraussagen, welche Beträge wir in Zukunft ausgeben", fügte Rummenigge an, "aber ich kann sehr wohl voraussagen, dass wir immer seriös wirtschaften und uns niemals in finanzielle Abenteuer stürzen werden".

Hoeneß: Champions-League-Titel möglich

424 Millionen Euro betrug zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres das Eigenkapital der Münchner. Vereine wie Paris haben Investoren, die Millionen in die Mannschaft pumpen. "Wir wollen das nicht, wir können das auch nicht", unterstrich Rummenigge.

Man werfe dem FC Bayern vor, damit "völlig am Markt vorbei und damit dem Untergang entgegenzusteuern", führte Hoeneß weiter aus: "Stattdessen müssten uns Lobeshymnen gesungen werden, weil wir mit unserer eigenen Arbeit und aus eigener Kraft erfolgreich sind."


Auch mit der aktuellen Vereinspolitik hält der 65-Jährige einen Triumph in der Königsklasse für möglich: "Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen und die Spieler in der entscheidenden Phase gesund sind, was haben wir da für Möglichkeiten! Dann haben wir auch die Chance, in dieser Saison die Champions League zu gewinnen. Damit das klar ist."