Hoeneß über Rummenigge: "Wie eine Scheidung"

Uli Hoeness traf im TV-Studio auf Ex-Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat den FC Barcelona für dessen Verhalten im Buhlen um BVB-Star Ousmane Dembele scharf kritisiert.

"Wenn Barcelona dahinter steckt, dann habe ich keine Achtung mehr vor dem Klub. Einen Spieler dazu zu veranlassen, einen Vertrag zu brechen, das ist unterste Kreisklasse. Diesen Preis zahle ich als Verein nicht", schimpfte Hoeneß bei Eurosport.

Und weiter: "Wenn Dortmund 120, 130 oder 150 Millionen Euro Schmerzensgeld bekommt, dann ist Dortmund doch der Gewinner und nicht der Spieler. Es kann aber nicht sein, dass der Spieler den Preis bestimmt."

Hoeneß: "Zeigen, wer Herr im Haus ist"

Dembele war vergangene Woche unentschuldigt nicht zum Training von Borussia Dortmund erschienen und wurde daraufhin von seinem Verein suspendiert.

Zum Verhalten des Spielers sagte Hoeneß: "Wenn Ousmane Dembele ein Spieler von Bayern München wäre, würde er für jeden Tag, den der streikt, mindestens 100.000 Euro Strafe zahlen! Und das bis das Transferfenster am 31. August schließt."

Der FC Barcelona hat öffentlich Interesse an einer Verpflichtung des Franzosen angemeldet, doch der BVB und die Katalanen konnten sich bisher noch nicht über die Ablösesumme einigen. Die Dortmunder sollen 150 Millionen für Dembele verlangen.

Hoeneß forderte die Vereine beim Aushandeln und Einhalten von Spielerverträgen zu mehr Härte auf: "Wir müssen alle wieder zeigen, wer Herr im Haus ist. Das sind die Vereine, die hoffentlich vernünftige und wasserdichte Verträge machen. Wenn du diese Stärke in deinen Verträgen hast, dann können Spieler und Berater machen, was sie wollen. Wir müssen wieder dahin kommen, dass ein Vertrag ein Vertrag ist."

"Da gibt es gewisse Begehrlichkeiten"

Hoeneß gab zudem zu, dass sich während seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung beim FC Bayern nicht alles nach seinem Geschmack entwickelte.


"In der langen Zeit, in der ich weg war, entwickelten sich die Dinge in eine andere Richtung. Da gibt es gewisse Begehrlichkeiten. Das ist völlig normal", meinte der 65-Jährige: "Aber jetzt müssen wir wieder gemeinsam und alle zusammen arbeiten. Jetzt im Moment habe ich das Gefühl, das ist wieder auf einem guten Weg." 

Zu seinem Verhältnis mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge sagte Hoeneß: "Ich habe immer gesagt, wir waren und sind Freunde. Aber in dieser Zeit - das ist wie wenn so eine Scheidung war. Dann musst du wieder zusammenkommen. Dieser Prozess findet jetzt gerade statt. Da sind wir meiner Meinung nach auf einem sehr guten Weg."

Verhältnis zu Sammer "ausgezeichnet"

Auch die Beziehung zu Ex-Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer, der als Eurosport-Experte im Studio anwesend war, sieht Hoeneß positiv: "Das ist ganz ausgezeichnet. Ich finde es unglaublich. Wenn man mal etwas Kritisches sagt, dann wird gleich eine Feindschaft daraus gemacht. Uns kann sowieso nichts mehr trennen, weil wir so viel miteinander erlebt haben. Matthias ist ein hervorragender Fachmann, der für jede Expertenrunde gut ist. Die Zuschauer werden davon profitieren."

Zuvor hatte Hoeneß Sammer hart angegangen. "Ich würde dem Matthias dringend raten, in seinem neuen Job relativ wenig über Bayern zu reden", hatte der Patriarch vor einigen Wochen gesagt.

Indirekt hatte er auch Sammers Arbeit bei den Bayern kritisiert: Der neue Sportdirektor Hasan Salihamidzic habe in den ersten zwei Wochen seiner Arbeit schon "intern mehr dazwischen gehauen" als sein Vorgänger Sammer in einem ganzen Jahr.

Über die Entscheidung, Salihamidzic zum neuen Sportdirektor zu machen, sagte Hoeneß jetzt: "Ich glaube schon, dass ich manchmal gute Ideen habe, die hatte ich aber nicht."