Hochtief im Rennen um Mautstraßen-Betreiber Abertis

Für das Übernahmeangebot stellt Hochtief verschiedenen Bedingungen. Foto: Rolf Vennenbernd

Finanzieller Kraftakt für Hochtief: Mit einer 17-Milliarden-Offerte geht das Essener Unternehmen ins Rennen um den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis. Konzernchef Fernandez Verdes sieht bei einem Zusammenschluss nur Vorteile für beide Unternehmen.

Essen (dpa) - Startschuss für eine Milliardenschlacht: Mit einer Offerte von mehr als 17 Milliarden Euro ist Deutschlands größter Baukonzern Hochtief ins Rennen um den spanischen Mautstraßen-Betreiber Abertis eingestiegen.

Sechs Jahre nach der feindlichen Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS steht das Essener Unternehmen damit möglicherweise vor einem gewaltigen finanziellen Kraftakt. Abertis hat zudem Schulden in Höhe von 16 Milliarden Euro.

Die Investmentgesellschaft der italienischen Benetton-Familie Atlantia hatte zuvor bereits ein Gebot für Abertis in Höhe 16,3 Milliarden Euro unterbreitet und signalisiert, es gegebenenfalls erhöhen zu wollen. Nun droht eine milliardenschwere Übernahmeschlacht zwischen den beiden Interessenten, an deren Ende sich der Preis noch einmal deutlich erhöhen könnte.

«Wir werden Synergien heben in der Höhe von sechs bis acht Milliarden Euro», versprach Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Das Geschäft biete Vorteile für beide Unternehmen, versicherte er. Überschneidungen zwischen den Aktivitäten existierten nicht, so dass es auch keine Auswirkungen auf die Beschäftigten geben werde. Der Hauptsitz eines neuen Unternehmens solle Essen sein.

Durch den Kauf solle der größte Mautstraßenbetreiber der Welt mit rund 69 000 Mitarbeitern und einem für das Jahr 2016 gerechneten Umsatz von rund 24,8 Milliarden Euro entstehen.

Finanziert werden soll das Geschäft auch durch eine Kapitalerhöhung, an der sich die Muttergesellschaft ACS nicht beteiligen will. Dadurch werde der Anteil des spanischen Großaktionärs vermutlich auf unter 50 Prozent sinken, sagte Fernandez Verdes. Derzeit ist ACS noch mit knapp 72 Prozent an Hochtief beteiligt.

«Unser Ziel ist es, eine solide Kapitalstruktur aufrechtzuerhalten», versprach Fernandez Verdes. Der Hochtief-Chef bezifferte die für das Geschäft gesicherte Kreditlinie auf rund 15 Milliarden Euro.

Für das Übernahmeangebot stellt Hochtief verschiedenen Bedingungen. Neben kartellrechtlicher Freigaben will Hochtief mindestens 50 Prozent des Aktienkapitals an Abertis zuzüglich einer Aktie erwerben. Zudem müssen mindestens 193 530 179 Abertis-Aktien in Hochtief-Titel getauscht werden. Um den Abertis-Aktionären einen Aktientausch schmackhaft zu machen, will Hochtief den Anteilseignern nach einer Übernahme einen höheren Anteil am Jahresüberschuss als Dividende zukommen lassen. Es sollen dann bis zu 90 Prozent an die Anteilseigner gehen. Bislang schüttet Hochtief gut 50 Prozent aus.

ACS war schon einmal mit fast 26 Prozent an Abertis beteiligt. Wegen seiner hohen Verschuldung verkaufte der spanische Konzern 2010 einen Teil davon an den Finanzinvestor CVC. Die restlichen Anteile gab ACS 2012 ab.

Abertis mit Firmensitz in Barcelona betreibt mautpflichtige Straßen und Autobahnen in Spanien und ist auch in Chile, Brasilien und Frankreich aktiv. Insgesamt umfasst das Straßen-Netz mehr als 8600 Kilometer in 14 Ländern. Das Unternehmen expandierte in den vergangenen Jahren stark außerhalb Spaniens und macht mittlerweile mehr als 70 Prozent seines Konzernumsatzes im Ausland.