Hochstapler-Syndrom: Leiden Sie auch daran?

Stephanie Ernst
·Lesedauer: 4 Min.

Ob Emma Watson oder Jessica Alba: Viele Stars leiden am sogenannten Hochstapler-Syndrom, das den Selbstwert angreift. Sie auch? Lesen Sie hier mehr dazu.

Hochstapler-Syndrom: Blonde Frau stützt den Kopf mit der Hand ab und denkt nach.
Hochstapler-Syndrom: Blonde Frau stützt den Kopf mit der Hand ab und denkt nach.

Ein Hochstapler oder eine Hochstaplerin ist eine Person, die vorgibt, mehr zu sein, als sie tatsächlich ist, um sich dadurch Vorteile zu verschaffen. Solche Personen sind eigentlich Betrüger*innen. Sie feiern durch ihre Täuschung zwar Erfolge, leben aber auch mit dem ständigen Risiko, doch noch aufzufliegen. Und genau dieses Gefühl kennen Menschen, die unter dem Hochstapler-Syndrom leiden, auch. Bloß sind sie (oftmals) keine Hochstapler und fühlen sich dennoch so. Was steckt hinter diesem Syndrom, an dem auch Stars wie Emma Watson oder Jessica Alba(siehe hier) leiden?

Hochstapler-Syndrom: Wenn sich der Erfolg unverdient anfühlt

Stellen Sie sich vor, Ihr Chef lobt Sie für Ihren Anteil in einer richtig guten Team-Präsentation. Manche würden das Kompliment dankend annehmen und sich sehr über die entgegengebrachte Wertschätzung freuen. Andere fühlen sich in dieser Situation unwohl. Sie hinterfragen ihre eigene Leistung sehr kritisch. Das könnte so klingen: "War die Präsentation denn wirklich so gut? Eigentlich hatte ich ja auch Hilfe. Und ich habe länger geredet, als ich es vorhatte."

Wenn Ihnen solche Gedanken bekannt vorkommen, könnte bei Ihnen ebenfalls das Hochstapler-Syndrom – auch "Impostor-Syndrom" genannt – vorliegen. Obwohl es sich dabei nicht um eine psychische Erkrankung oder eine tiefgreifende Persönlichkeitsstörung handelt, sollten die Folgen des Syndroms dennoch ernst genommen werden. Denn durch das Hochstapler-Syndrom erkennen wir uns selbst Erfolge ab – das schadet unserem Selbstwertgefühl auf Dauer enorm. Und damit auch unserer Lebensqualität.

Hochstapler-Syndrom: Die typischen Symptome

Das erste Anzeichen auf dieses Syndrom ist das Gefühl, dass sich Komplimente und Anerkennung oft nicht richtig anfühlen. Statt den positiven Input aufzunehmen, wehren Sie ihn unterbewusst ab. Sie denken zum Beispiel:

  • Ich hatte einfach nur Glück

  • Ich verdiene dieses Lob nicht

  • Meine Leistung habe ich eigentlich anderen zu verdanken

  • Ich hätte doch noch viel mehr geben müssen

  • So gut bin ich doch gar nicht, der Chef mag mich einfach

  • Andere sind eigentlich viel kompetenter als ich, deshalb verdiene ich die Anerkennung nicht

Sie sehen: Wer unter dem Hochstapler-Syndrom leidet, wertet seine eigenen Fähigkeiten ab. Dass dennoch Leistungen anerkannt werden, kommt Ihnen dann wie ein Fehler vor. Unterbewusst fürchten Sie sich davor, dass am Ende auffliegt, dass Sie doch nicht so kompetent sind, wie andere es vermuten – das typische Denkmuster innerhalb des Hochstapler-Syndroms. Leider ist dieses Denken ein Teufelskreis: Ihr Selbstvertrauen leidet darunter, dass Sie selbst tiefstapeln. Und je geringer das Selbstvertrauen, desto geringer ist auch die Bereitschaft, eigene Leistungen anzuerkennen.

Was steckt dahinter?

Nicht jeder von uns fühlt sich wie ein Hochstapler. Woran liegt es, dass manche den Erfolg nicht anerkennen können, während andere von sich mehr als überzeugt sind?

Das Hochstapler-Syndrom kann sehr verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel:

  • hohe Erwartungen in der Kindheit: Wir entwickeln später einen Perfektionismus, weil wir uns nie gut genug fühlen

  • wenig Wertschätzung in der Erziehung: deshalb ist sie uns auch im Erwachsenenalter fremd

  • Konkurrenzdruck: Sind wir umgeben von anderen, die gute Erfolge zeigen, sind wir kritischer, wenn es um eigene Leistungen geht

  • leistungsorientiertes Denken – wir glauben: erst, wenn wir etwas wirklich Großes leisten, sind wir etwas wert

  • ein hohes Bildungsniveau: Ärzte und Studierte sind besonders häufig betroffen

Was können Sie tun?

Der Nährboden für das Hochstapler-Syndrom sind Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle. Wenn Sie lernen, von sich und Ihren eigenen Fähigkeiten und Talenten überzeugt zu sein, zweifeln Sie diese auch nicht mehr so stark an. Die Kombination aus Selbstliebe und Selbstvertrauen kann Sie aus der Hochstapler-Falle retten.

  • Komplimente ab sofort akzeptieren und annehmen. Ein freundliches "Dankeschön" reicht aus!

  • 10 persönliche Errungenschaften notieren, klein oder groß, auf die Sie selbst stolz sind und an die Sie sich immer wieder erinnern können, wenn Sie sich inkompetent fühlen

  • Sich selbst weniger mit anderen vergleichen und mehr bei sich selbst bleiben

  • Eine neue Fähigkeit lernen – das ist ein echter Selbstbewusstseins-Boost!

  • die Anforderungen an sich selbst herunterschrauben – bleiben Sie realistisch

Nun wissen Sie, was hinter dem Hochstapler-Syndrom steckt. Sollten Sie die Vermutung haben, auch betroffen zu sein, vergessen Sie nicht: Sie sind nicht alleine! Es trifft selbst Stars, die scheinbar alles erreicht haben.

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