Hochrangige Experten sprechen sich gegen generellen Corona-Booster aus

·Lesedauer: 2 Min.

18 hochrangige Experten haben sich gegen generelle Corona-Auffrischungsimpfungen zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. "Die bisherige Studienlage zeigt keine Notwendigkeit, in Bevölkerungsgruppen mit wirksamer, vollständiger Impfung Booster auf breiter Front zu verabreichen", schreiben die Forscher im Fachmagazin "The Lancet". Die weltweit noch immer begrenzte Anzahl an Impfdosen könne die meisten Leben retten, wenn sie Menschen zu Gute käme, die ein erhebliches Risiko einer schweren Erkrankung haben und immer noch ungeimpft sind. "Wenn Impfstoffe dort eingesetzt würden, wo sie am meisten bringen, könnten sie das Ende der Pandemie beschleunigen, indem sie die weitere Entwicklung von Varianten bremsen"

Hintergrund ist, dass in manchen wohlhabenden Ländern über Booster für alle nachgedacht wird unabhängig davon, ob die Menschen Risikogruppen angehören oder nicht. Gleichzeitig gibt es Gegenden auf der Welt, hauptsächlich arme Länder, wo kaum jemand geimpft ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits Anfang August einen vorübergehenden Stopp von Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus gefordert, so lange noch viele ärmere Länder auf Impfdosen warten. Die Forscher warnen auch vor einem weiteren Effekt: "Die Botschaft, dass eine Auffrischung bald notwendig sein könnte, wenn sie nicht durch solide Daten und Analysen gerechtfertigt ist, könnte das Vertrauen in Impfstoffe beeinträchtigen und die Botschaft über den Wert der Erstimpfung untergraben", schreiben sie.

Hinter dem Papier, das in "The Lance" veröffentlich wurde, stehen unter anderem Soumya Swaminathan, Chef-Wissenschaftlerin der WHO, sowie Experten der US-Arzneimittelbehörde FDA. "Die verfügbaren Impfungen sind sicher, wirksam und retten Leben", sagte Swaminathan laut einer Mitteilung. Auch wenn die Vorstellung reizvoll sei, die Zahl der Covid-Fälle durch Booster weiter zu senken, müssten jeder Entscheidung in diese Richtung belastbare Belege und eine internationale, wissenschaftliche Diskussion zugrunde liegen.

Zwar könnte es sein, dass irgendwann ein Booster für alle notwendig sein könnte, weil die Schutzwirkung der Impfung nachlässt oder weil Virus-Varianten der Immunabwehr entkommen. Noch gebe es aber keine klaren Hinweise darauf. Auffrischungsimpfungen könnten aber schon jetzt für bestimmte Menschen infrage kommen, beispielsweise solche mit Immunschwäche.

In Deutschland bekommen Pflegebedürftige, über 80-Jährige und Menschen mit Immunschwäche zum Teil schon eine dritte Impfung angeboten. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) dazu steht jedoch noch aus.

dpa/fj

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.