HNA-Mitgründer Wang Jian stirbt bei Unfall in Frankreich


Die HNA-Gruppe hat ein wichtiges Vorstandsmitglied auf tragische Weise verloren: Co-Gründer Wang Jian ist am Dienstag in der französischen Provence bei einem Unfall im Alter von 57 Jahren ums Leben gekommen. Das teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. Als Zeichen der Trauer färbt der chinesische Mischkonzern, der unter anderem Deutsche-Bank-Großaktionär ist, seine Webseite derzeit in Grau.

Der französischen Polizei zufolge deutet derzeit alles auf einen Unfall hin. Der soll sich laut lokalen Medienberichten gegen 11.30 Uhr ereignet haben. Wang habe in Bonnieux von einer niedrigen Mauer aus die Aussicht genießen und sich fotografieren lassen wollen. Dabei sei er nach hinten übergefallen und auf die dahinterliegenden Klippen zehn Meter in die Tiefe gestürzt.

Der mitgereiste HNA-Sprecher Israel Hernandez habe noch versucht, Wang festzuhalten, was ihm aber dem französischen Radiosender France Bleu zufolge nicht gelungen sei. Schnell kursierten im Internet Spekulationen, dass es sich bei dem Vorfall nicht um einen Unfall gehandelt haben könnte.


In der Mitteilung sprach die HNA-Gruppe der Familie und Freunden von Wang ihr Beileid aus, gab aber keine weiteren Informationen zu dessen plötzlichem Tod bekannt. „Gemeinsam trauern wir um den Verlust einer außergewöhnlichen Führungskraft und eines Vorbildes, dessen Visionen und Werte auch weiterhin ein Leuchtturm für alle sein werden, die das Glück hatten, ihn zu kennen, sowie für alle anderen, deren Leben er durch seine Arbeit beeinflusst hat“, schreibt das Unternehmen.

Nach jüngsten Informationen der HNA-Gruppe besaß Wang zuletzt 15 Prozent an dem chinesischen Mischkonzern. Gemeinsam mit Mitgründer Chen Feng stand er an der Spitze des Konglomerats und war zuletzt Vorsitzender des Verwaltungsrates von HNA International. Chen hält ebenfalls 15 Prozent.

Während Chen das öffentliche Gesicht des Mischkonzerns war, hielt sich Wang im Hintergrund – obwohl er für die Strategie und das alltägliche Geschäft verantwortlich war.

Wang zeigte früh einen Hang zum Unternehmertum. Nach einem BWL-Studium in seinem Geburtsort, dem nordchinesischen Tianjin, arbeitete er sieben Jahre lang für die chinesische Luftfahrtbehörde. Während dieser Zeit lernte er Chen kennen, mit dem er sich zeitweise ein Büro teilte.

Gründung von Hainan Airlines

1989 verschlug es die beiden in die südchinesische Inselprovinz Hainan, wo sie 1993 Hainan Airlines gründeten. Das Unternehmen durfte als erste Fluglinie Chinas eine Aktiengesellschaft mit privaten Besitzern werden – und aus Hainan Airlines wurde der Mischkonzern HNA – und aus dem als Genie geltenden Wang nicht nur ein Millionär, sondern Milliardär.

Wangs Tod trifft HNA zu einem Zeitpunkt, an dem das hochverschuldete Unternehmen versucht, die Schuldenlast langsam abzubauen. Denn der chinesische Großkonzern sieht sich seit dem vergangenem Jahr verschärften Kontrollen der chinesischen Behörden ausgesetzt. Statt das Konglomerat weiter mit billigem Geld zu versorgen und damit seine Einkaufstouren im Ausland zu unterstützen, steht mittlerweile stärker die Kontrolle der Finanzlage im Fokus.

Der daraus resultierende Liquiditätsengpass hat dazu geführt, dass der Konzern allein in diesem Jahr Vermögenswerte in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar veräußert hat. Seine Beteiligungen an der Deutschen Bank reduzierte das chinesische Unternehmen schrittweise. Anfang Juni hielt die HNA-Gruppe 7,64 Prozent am größten deutschen Geldhaus.


Anleihen sollen HNA frisches Geld bringen

Zudem setzte die HNA-Gruppe Anfang des Jahres den Aktienhandel von sechs Tochterunternehmen aus. Unter ihnen befanden sich Bohai Capital und Hainan Airlines. Ende des vergangenen Monats wies der Vize-Gouverneur der chinesischen Zentralbank bei einem Treffen die Provinzregierung von Hainan, die Aufsichtsbehörde sowie die wichtigsten Kreditgeber an, HNA bei der Ausgabe von Anleihen zu unterstützen, „um das Vertrauen der Märkte zu verbessern und der Emission zum Erfolg zu verhelfen“.

Im Zuge des Treffens kam auch heraus, dass die Börsenaufsicht die Ausgabe von Unternehmensanleihen der HNA-Tochterfirma Bohai Capital im Wert von 621 Millionen Dollar genehmigte. Daraufhin gab die Gesellschaft, in der auch HNAs Luftfahrtgeschäft angesiedelt ist, in einer Mitteilung an die Börse Shenzhen an, dass in den kommenden Tagen Drei-Jahres-Anleihen im Wert von 311 Millionen Dollar für 6,5 bis 7,5 Prozent Zinsen emittiert werden sollen.
Mit Material von Bloomberg.