Hitzfeld: Salihamidzic der richtige Mann

Martin Volkmar
Ottmar Hitzfeld gewann sowohl mit Borussia Dortmund als auch mit dem FC Bayern die Champions League

Sowohl der FC Bayern München, als auch Borussia Dortmund tun sich in der Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison ungewohnt schwer.

Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld kennt beide Klubs wie kaum ein anderer, holte mit den Dortmundern zwei Meistertitel und den Champions-League-Pokal 1997 und ließ mit den Bayern sechs deutsche Meisterschaften und einen weiteren Titel in der europäischen Königsklasse (2001) folgen.

Im SPORT1-Interview spricht der 68-Jährige über die aktuellen Problemzonen der beiden deutschen Spitzenklubs, bevor deren direktes Aufeinandertreffen im Supercup am Samstag (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) die neue Bundesliga-Saison einläutet.

SPORT1: Herr Hitzfeld, Sie haben mit Hasan Salihamidzic lange Jahre zusammengearbeitet. Wie bewerten Sie seine Berufung zum Bayern-Sportdirektor?

Ottmar Hitzfeld: Ich freue mich total, dass Hasan diese Chance bekommt. Er war schon immer ein Teamplayer und hat auf und neben dem Platz alles für das Team gegeben. Dabei hat Hasan sich total mit dem Verein identifiziert. Das hilft ihm auch bei der neuen Aufgabe als Sportdirektor, außerdem kennt er die Abläufe im Verein und kann mit dem Druck bei Bayern umgehen. Zudem hat er in Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zwei Lehrmeister im Rücken, die ihn unterstützen. 

SPORT1: Trauen Sie ihm diese Aufgabe zu, obwohl er keine Erfahrung hat und ihm das Etikett als "zweite Wahl" anhaftet, weil Lahm und Eberl als Favoriten galten?

Hitzfeld: Lahm hätte auch keine Erfahrung als Sportdirektor gehabt, dafür wurde Bayern nicht kritisiert. Hasan hatte ja auch zehn Jahre Abstand zum FC Bayern und ist schon lange nicht mehr Spieler. Daher funktioniert das.


SPORT1: Wie beurteilen Sie die aktuelle sportliche Situation beim FC Bayern? Es ist ja schon lange her, dass das Team in der Vorbereitung so oft verloren hat. Kann man das schon als Krise bezeichnen?

Hitzfeld: Nein, zu diesem Zeitpunkt kann man noch nicht von Krise sprechen. Jetzt wird der Grundstein für eine lange Saison gelegt, dafür ist eine intensive Vorbereitung erforderlich. Wenn man Rücksicht auf Freundschaftsspiele nimmt, bekommt man zwar gute Resultate, aber die Basis für die Saison fehlt. Erst nach drei oder vier Bundesliga-Spielen kann man das wirklich bewerten.

SPORT1: Wird der FCB die Saison wieder so dominieren wie zuletzt?

Hitzfeld: Bayern ist großer Favorit, natürlich auch im Pokal, weil sie vor allem in der Breite einen überragenden Kader haben. Deshalb bin ich sogar optimistisch, dass sie erfolgreicher sein werden als in der vergangenen Saison.


SPORT1: Allerdings gibt es durch das Karriereende von Xabi Alonso und Philipp Lahm einen Umbruch beim FCB. Ist Carlo Ancelotti, der eher als "Verwalter" gilt, dafür der richtige Mann?

Hitzfeld: Ancelotti hat einen riesigen Erfahrungsschatz und hatte bei vielen Vereinen Erfolg. Der Umbruch hält sich in Grenzen. Nur Alonso und Lahm haben aufgehört. Der Rest des Kaders ist immer noch da und hat auch keine Substanz verloren. Nach ein paar Spielen wird dieser kleine Umbruch abgeschlossen sein. Ich glaube, der Umbruch in Dortmund ist größer, weil ein neuer Trainer mit einem neuen System kommt. 


SPORT1: Was kann der BVB in dieser Saison erreichen?

Hitzfeld: Dortmund wird wieder die "zweite Kraft" in Deutschland hinter Bayern. In der Offensive sind die Dortmunder überragend, aber sie müssen noch am Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive arbeiten. Da fehlt noch die richtige Balance.

SPORT1: Was erwarten Sie von Mario Götze, der lange ausgefallen ist?

Hitzfeld: Mario Götze gehört nach wie vor zu den besten Spielern in Deutschland. Er ist quasi wie ein Neuzugang für den BVB, weil er in der vergangenen Saison kaum gespielt hat. Wenn er fit bleibt, ist er eine erhebliche Verstärkung für Dortmund. 


SPORT1: Am Samstag kommt es im Supercup zum ersten Kräftemessen zwischen Bayern und Dortmund. Wer holt den ersten Titel?

Hitzfeld: Vor drei Wochen hätte ich noch gesagt, dass Bayern Favorit ist. Inzwischen bin ich der Meinung, dass es total offen ist. Es ist für beide Klubs eine Standortbestimmung, die auch eine Aussagekraft über die Kräfteverhältnisse in Deutschland hat. Auch wenn der Zeitpunkt noch relativ früh ist.

SPORT1: Nach dem misslungenen Audi Cup haben die Bayern angekündigt, dass es am Samstag zählt. Erhöht das den Druck auf den Rekordmeister?

Hitzfeld: Bayern ist eigentlich immer unter Druck. Wenn es um Titel geht ist Bayern immer Favorit in Deutschland - in allen Finals. In der jetzigen Phase wäre der Titel für Bayern noch wichtiger, weil Karl-Heinz Rummenigge angekündigt hat, dass jetzt Ergebnisse geliefert werden müssen.