Hitzewellen, Tausende Tote und lodernde Waldbrände – der Sommer, wie wir ihn gerade erleben, könnte bald Normalität sein

Hitzewellen nehmen zu. Klimaforscher mahnen daher, wir müssen uns zukünftig auf mehr solcher Extremwettereignisse einstellen.

Extremwetter wie Hitzewellen soll es Klimaforschern zufolge zukünftig häufiger und an verschiedenen Orten gleichzeitig geben. - Copyright: Getty Images/	Nicolas Resille / EyeEm
Extremwetter wie Hitzewellen soll es Klimaforschern zufolge zukünftig häufiger und an verschiedenen Orten gleichzeitig geben. - Copyright: Getty Images/ Nicolas Resille / EyeEm

Derzeit zieht die dritte Hitzewelle des Sommers über Europa: Sie entfacht verheerende Waldbrände und bedroht Millionen von Menschen. Allein am Sonntag meldeten Portugal und Spanien mehr als 1000 hitzebedingte Todesfälle. In Frankreich flohen Tausende Menschen vor Waldbränden. Ein Flughafen im Vereinigten Königreich stellte laut "Sky News" den Flugbetrieb ein, nachdem seine Start- und Landebahn geschmolzen war – und ein anderer, nachdem seine Start- und Landebahn in der Hitze nachgegeben hatte. In Wales wurde die höchste Temperatur aller Zeiten gemessen. Die britischen Meteorologen erwarten am Dienstag noch höhere Temperaturen.

Die gesamte nördliche Hemisphäre verzeichnete dieses Jahr bereits Hitzewellen

Doch nicht nur in Europa regiert die Hitze. Fast die gesamte nördliche Hemisphäre konnte diesen Monat Hitzerekorde verzeichnen – von China über Nordafrika bis zu den Vereinigten Staaten, wo die extreme Hitze den Prognosen zufolge noch zwei Wochen anhalten könnte. Dies ist die jüngste in einer Reihe von Hitzewellen, die in diesem Jahr überall auf der Welt gleichzeitig auftreten.

"Ich wünschte, ich könnte sagen, dass das nicht normal ist", sagt die Klimawissenschaftlerin Deepti Singh von der Washington State University zu Business Insider US. "Die Wahrscheinlichkeit einer Hitzewelle nimmt zu, einfach, weil es wärmer wird. Und das passiert so ziemlich überall auf der Welt", sagte Singh, die im vergangenen Jahr eine Hitzewelle mit mehr als 1400 Toten im pazifischen Nordwesten miterlebt hat. Zu dieser Zeit litt auch Europa unter extremer Hitze.

Wissenschaftler warnen, dass Hitzewellen zur Normalität werden könnten

Gleichzeitig auftretende Hitzewellen werden mit dem globalen Temperaturanstieg immer häufiger. Dieser Sommer mag als besonders heiß in Erinnerung bleiben, aber dies könnte zur Normalität werden. Angesichts dessen warnen Forscher, dass die Welt dringend die Treibhausgasemissionen reduzieren muss, welche den Temperaturanstieg verursachen.

Gleichzeitig sollten sich vor allem Städte auf die Hitze einstellen. Dabei helfen kann eine Begrünung der Flächen, um den Bewohnern mehr Schatten zu spenden. Zudem sollten Oberflächen wie Asphalt abgedeckt werden, da diese sich bei direkter Sonneneinstrahlung stark aufheizen können. Auch ist die Regierung in der Verantwortung, die Infrastruktur zukünftig den extremen Temperaturen anzupassen. Sie muss verhindern, dass Eisenbahnstrecken sich verbiegen, Kabel schmelzen oder der Strom ausfällt. Zudem müsste man auch für kühle Räume sorgen, in denen Menschen sich aufhalten können. Es braucht zudem Maßnahmen zum Schutz der Menschen, die im Freien arbeiten. Und zuletzt fehlt es an adäquaten Warnsystemen.

Hitzewellen sind potenziell gesundheitsgefährdend

"Es muss eine Art Wahrnehmungsverschiebung geben, was eine Hitzewelle tatsächlich bedeutet. Dass sie kein lustiger Tag am Strand ist, sondern dass sie potenziell gesundheitsgefährdend ist", sagte Kai Kornhuber, Klimaphysiker an der Columbia University, gegenüber Business Insider US.

Im März wurden beide Pole, sowohl die Arktis als auch die Antartiks, gleichzeitig von einer Rekordhitze heimgesucht, obwohl sie in entgegengesetzten Jahreszeiten liegen. Zur gleichen Zeit wurden Indien und Pakistan von einer zweimonatigen Hitzewelle heimgesucht. Im Juni stellten auch die USA und Europa neue Temperaturrekorde auf – während in Tunesien weitere Hitze und Waldbrände die Ernten verwüsteten.

"Diese Temperaturen treten bei einer globalen Erwärmung von nur zwei Grad Celsius auf, und wir sind auf dem Weg zu einer weiteren Erwärmung von vier Grad Celsius in diesem Jahrhundert", sagte Andrew Dessler, Klimawissenschaftler an der Texas A&M University, im Juni gegenüber "The Associated Press". Zu dieser Zeit knackten die Temperaturen in seiner Stadt die 38-Grad-Marke. Er sagt: "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schlimm das sein wird".

Wissenschaftler führen bestimmte Hitzewellen nicht immer direkt auf den Klimawandel zurück. Weitere Analysen ermöglichen jedoch einen direkten Rückschluss. Am Ende der indisch-pakistanischen Hitzewelle im Mai führten Wissenschaftler der "World Weather Attribution" eine solche Analyse mithilfe historischer Daten durch und stellten fest, dass der Klimawandel dieses Ereignis 30-mal wahrscheinlicher machte.

Gleichzeitige Hitzewellen an verschiedenen Orten werden zunehmen

Insgesamt führen die steigenden globalen Temperaturen dazu, dass Hitzewellen häufiger, heftiger und länger werden. Die Nationale Klimabilanz 2018 stellte fest, dass sich die Häufigkeit von Hitzewellen in den USA seit den 1960er-Jahren verdreifacht hat. Zudem ist die durchschnittliche Hitzewellensaison um 45 Tage länger geworden. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen erwartet einen ähnlichen Trend für den gesamten Planeten.

Da Hitzewellen häufiger auftreten und länger andauern, werden gleichzeitige Hitzewellen an verschiedenen Orten zwangsläufig ebenso häufiger auftreten. "Wir definieren eine gleichzeitige Hitzewelle so, dass zwei beliebige Regionen in den mittleren Breitengraden gleichzeitig große Hitzewellen erleben. Und das ist in der Sommersaison so gut wie jeden Tag der Fall", sagte Singh.

Unser Klima verschiebt sich ständig hin zu mehr Extremen

Tatsächlich handelt es sich dabei um eine neuere Entwicklung. In den 1980er-Jahren traten Hitzewellen im Sommer nur an 20 bis 30 Tagen gleichzeitig auf, so Singh. Durch die globale Erwärmung hat sich die Häufigkeit gleichzeitiger Hitzewellen in den letzten 40 Jahren allerdings versechsfacht. Dies geht aus einer von ihr und Kornhuber gemeinsam verfassten Studie hervor, die im Juni im "Journal of the American Meteorological Society" veröffentlicht wurde. Die Studie ergab auch, dass gleichzeitige Hitzewellen etwa 46 Prozent mehr Fläche abdeckten und eine um 17 Prozent höhere maximale Intensität erreichten als noch vor 40 Jahren. Dieser Sommer sei nur im Rahmen eines stabilen Klimas ungewöhnlich, so Kornhuber.

"Wir befinden uns in einem Klima, das sich ständig zu mehr Extremen hin verschiebt. So gesehen ist es genau das, was wir erwarten würden und was die Wissenschaftler in den letzten zehn Jahren vorausgesagt haben", sagte Kornhuber. Dennoch fügt er hinzu: "Wir müssen diesen Weg nicht einschlagen". Er fordert daher eine rasche Reduzierung der Treibhausgasemissionen, weiß aber auch: "Wenn sich die Dinge weiterhin so entwickeln, wie sie es tun, ist ziemlich klar, dass wir mehr rekordverdächtige und gleichzeitige Extreme erleben werden – und sogar noch extremere."

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen von Lisa Dittrich übersetzt. Das Original findet ihr hier.

Im Video: Hitze und Waldbrände: Tausende Menschen in Südeuropa auf der Flucht

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