Historisches Empfangsgebäude: Neustart für Belvedere mit Böll

Müngersdorf. Der Dornröschenschlaf des Bahnhofs Belvedere geht allmählich zu Ende. Kulturfreunde wollen ihn schon lange in einen besonderen Ort für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte verwandeln. Dazu sind eine umfangreiche Instandsetzung nötig und ein Erweiterungsbau für einen Lift, damit das Gebäude barrierefrei wird.

Zwar ist das ehrgeizige Projekt vor wenigen Monaten dank einer Förderzusage einen großen Schritt vorangekommen, doch die Arbeiten haben noch nicht begonnen. Trotzdem haben Kulturfreunde am heutigen Donnerstag und Freitag, 10. und 11. August, jeweils ab 19 Uhr die Gelegenheit, einen Vorgeschmack auf den künftigen Kulturbahnhof zu bekommen. "Lieder in Bildern" kombiniert Ausstellung und Konzerterlebnis. Zu sehen sind Werke von Ernst Martin Heel. Markus Schönewolf hat dazu Texte und Musik geschrieben. Diese Naturoden in neun Liedern, zwei Betrachtungen und einer Verwünschung werden vorgetragen von Anna Herbst, Sopran, und Jie Zhou, Harfe. Der Abend wird in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk "Liedwelt Rheinland" organisiert.

"Das Interesse an Kultur im Bahnhof Belvedere ist riesengroß. Leider sind die Räumlichkeiten sehr begrenzt - auch weil wir uns ja auf einer Baustelle befinden", bedauert Sebastian Engelhardt, Vorsitzender des Förderkreises Bahnhof Belvedere, der sich seit acht Jahren für Erhalt und Umbau des ehemaligen Bahnhofsgebäudes einsetzt. Trotz des stellenweise sehr provisorischen Ambientes ist Engelhardt überzeugt, dass die Kulturveranstaltungen wichtig sind, im Hinblick auf die Zukunftsvision. "Man ahnt schon, wie es einmal werden wird", sagt Engelhardt.

Die Konzertabende heute und morgen sind bereits ausverkauft. Weitere Gelegenheiten, den besonderen Ort zu erleben, gibt es aber schon am Wochenende 26. und 27. August anlässlich zweier Leseabende zu Ehren von Heinrich Böll. Der Literaturnobelpreisträger lebte viele Jahre in Müngersdorf. Am Samstag, 26. August, 15.30 Uhr, gibt es zudem die an jedem letzten Samstag angebotene monatliche Führung durch das Gebäude. "Für alle Veranstaltungen sind Voranmeldungen per E-Mail erwünscht", sagt Sebastian Engelhardt. Die Möglichkeit dazu sowie Informationen über den Bahnhof und das Projekt eines Kulturzentrums gibt es auf der Homepage des Förderkreises.

Das Empfangsgebäude wurde vor mehr als 175 Jahren an der Strecke Köln-Aachen erbaut. Der Name "Belvedere" bezieht sich auf den großartigen Fernblick auf die Stadt und den Kölner Dom, der sich aus der erhöhten Lage auf der Mittelterrasse des Rheines für den Besucher in der Mitte des 19. Jahrhunderts ergab. In der heutigen Zeit ist die "schöne Aussicht" nicht mehr ganz so spektakulär. Als Bahnhof war Belvedere von 1839 bis 1892 in Betrieb. Er ist heute einer der ältesten erhaltenen Bauten aus der Frühzeit der Eisenbahngeschichte.

Ziel des 2010 gegründeten Förderkreises Bahnhof Belvedere ist es, das bedeutende Ensemble deutscher Geschichte und Zeugnis früher westeuropäischer Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftskultur museal zu erschließen. Es soll als bürgerschaftlicher Ort der Kultur, Bildung und Begegnung für die Öffentlichkeit nutzbar werden. In verschiedenen einzelnen Gewerken wurde das Gebäude unter anderem von Schwamm befreit. Seit 2015 ist die Sanierung und Nutzbarmachung des gesamten Gebäudes vom Rat beschlossen. Der Förderkreis wurde im Zuge des Erbbaurechts Eigentümer.

Verzögert wurde das Vorhaben, weil lange um den Erhalt zweier rund 150 Jahre alter Platanen gerungen wurde. Ihre Wurzeln schädigen das Fundament des Bahnhofsgebäudes. Inzwischen ist jedoch eine Lösung gefunden worden, die Denkmalschutz und Naturschutz unter einen Hut bringt.

www.bahnhof-belvedere.de

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