Kerbers Debakel hat bittere Konsequenzen

Titelverteidigerin Angelique Kerber zollt Naomi Osaka Respekt nach der Niederlage bei den US Open

Angelique Kerber winkte wie in Trance noch einmal ins weite Rund, dann flüchtete sie mit hängendem Kopf von der größten Tennis-Bühne der Welt.

Ausgerechnet in ihrer Wohlfühloase New York hat Kerber einen Albtraum erlebt und ist bereits in der ersten Runde der US Open (täglich im LIVETICKER) gescheitert. Die Titelverteidigerin unterlag der Weltranglisten-45. Naomi Osaka (Japan) nach einer enttäuschenden Vorstellung in nur 65 Minuten mit 3:6, 1:6.

Es war der erste Sieg der 19-Jährigen gegen eine Top-Ten-Spielerin - die allerdings bald keine mehr sein wird.

"Das war nicht mein Tag. Ich habe immer geglaubt, dass ich das Match noch drehen kann, denn ich kam eigentlich mit einem guten Gefühl hierher", sagte Kerber, als sie eine knappe Stunde nach der Niederlage traurig im Medienraum saß. Ein wenig kämpferisch gab sie sich trotzdem: "Ich gebe nicht auf, ich weiß, was ich kann."

Kerber fällt aus Top Ten

353 Tage nach ihrem Triumph in Flushing Meadows musste Kerber damit den nächsten bitteren Rückschlag hinnehmen. Bereits bei den French Open hatte sie die Auftakthürde nicht nehmen können.

Kerber, nach ihren Siegen bei den Australian Open und im Big Apple 2016 als Nummer eins ins Jahr gestartet, wird damit aus den ersten Zehn der Weltrangliste fallen. (LIVETICKER zum Nachlesen)

"Das tut mir wahnsinnig leid für Angie", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner bei Eurosport: "Ich hatte gedacht, dass sie sich gerade hier in den ersten Runden das Selbstvertrauen zurückholt. Osaka hat aber auch wirklich tolles Tennis gespielt, hat immer die Initiative ergriffen."

Kerber wirkte angespannt

Die Anspannung war Kerber bereits anzusehen, als sie mit gesenktem Kopf, aber hochkonzentriertem Blick die 23.771 Zuschauer fassende Arena betrat. Es ist das erste Mal seit 2005, als Swetlana Kuznetsowa in Runde eins ausschied, dass eine Titelverteidigerin in Flushing Meadows die zweite Runde verpasste - und erst das insgesamt fünfte Mal in der Open Era seit 1968, dass die Siegerin des Vorjahres bei einem Major-Event gleich verliert.

Die zuletzt an Ellbogenproblemen laborierende Kerber fand ausgerechnet im Arthur-Ashe-Stadium, dem Ort ihrer Träume, zu keiner Zeit ins Match. Die 29-Jährige wirkte verunsichert, gehemmt, bewegte sich nicht gut - und ließ sich von der mutig agierenden Osaka den Schneid abkaufen.

Aufschlag als Achillesferse

Besonders beim Aufschlag schwächelte Kerber. "Aber das soll keine Entschudligung sein", betonte sie, die in den vergangenen Tagen noch so zuversichtlich geklungen hatte. Auch der Schachzug, neben ihrem Stammcoach Torben Beltz ihren Ex-Trainer Benjamin Ebrahimzadeh zurück ins Team zu holen, fruchtete (noch) nicht. Den ersten Durchgang verlor Kerber nach 35 Minuten - symptomatisch durch einen Returnfehler.

Unmittelbar danach gab sie erneut ihr Aufschlagspiel ab und lag schnell mit 0:2 in Rückstand. Die an Position sechs gesetzte Kielerin bäumte sich zwar gegen die drohende Niederlage, doch die Japanerin nutzte jede Schwäche der Favoritin gnadenlos aus.

Der Erstrunden-K.o. von New York machte die ernüchternde Grand-Slam-Saison für Kerber perfekt. Bei den Australian Open und in Wimbledon war sie jeweils im Achtelfinale ausgeschieden.

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