Historischer Schritt: Kim Jong Un schickt Schwester nach Südkorea

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un schickt seine jüngere Schwester Kim Yo Jong als Besucherin zu den Olympischen Winterspielen nach Südkorea.

Ein historischer Schritt: Bisher war noch kein Mitglied der nordkoreanischen Herrscherfamilie im verfeindeten Süden.

Kim Yo Jong werde mit einer hochrangigen Delegation anreisen, hieß es aus dem Vereinigungsministerium in Seoul.

Entspannungspolitik wird fortgesetzt

Die Visite gilt als Zeichen dafür, dass Kim Jong Un die Anfang des Jahres begonnene Annäherung an Südkorea fortsetzen will.

Die 30-jährige Schwester trägt den Angaben des Vereinigungsministeriums zufolge den Titel einer Vizedirektorin des Zentralkomitees der Arbeiterpartei.

Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap ist sie auch stellvertretende Leiterin der Abteilung für Propaganda und Agitation.

Seit seiner Machtübernahme Ende 2011 hat Kim Jong Un, der Mitte 30 ist, ihr verschiedene Posten verschafft, um damit die Stellung der Familie innerhalb des Führungssystems des weithin isolierten Staates zu stärken.

Seit die Schwester ins Zentralkomitee aufgestiegen war, gab es Spekulationen, dass sie in der Machthierarchie immer weiter vorrücken und ihrem Bruder bei den Regierungsgeschäften stärker zur Hand gehen könnte.

Nordkorea hatte schon wenige Tage zuvor angekündigt, dass eine mehrköpfige Delegation unter der Leitung des protokollarischen Staatsoberhauptes Kim Yong Nam anlässlich der Winterspiele nach Südkorea reisen werde.

Nordkorea informierte jetzt den Süden davon, dass die Abordnung auch den Vorsitzenden des Weisungsausschusses für den nationalen Sport, Choe Hwi, sowie den Vorsitzenden des für innerkoreanische Angelegenheiten zuständigen Komitees, Ri Son Gwon, umfassen werde. Mit ihnen sollen mehrere Begleitpersonen anreisen.

22 nordkoreanische Sportler nehmen an den Spielen teil

Kim Jong Un hatte in seiner Ansprache am Neujahrstag zugesagt, eine Delegation zu den Winterspielen in der östlichen Provinz Gangwon entsenden zu wollen.

Bei Gesprächen vereinbarten beide Seiten später, dass auch 22 nordkoreanische Sportler, unter ihnen zwölf Eishockey-Spielerinnen, an den Wettkämpfen teilnehmen.

Südkoreas Präsident Moon Jae In will die Zusammenarbeit mit Nordkorea für Olympia dazu nutzen, eine dauerhafte Entspannung zu erreichen.

Allerdings wird bisher bezweifelt, dass Nordkorea auch an Gesprächen über sein Atom- und Raketenprogramm interessiert ist, das in der Region und von den USA als große Bedrohung gesehen wird.

Nach einem 140 Mitglieder umfassenden Orchester schickte Nordkorea am Mittwoch auch eine große Jubelgruppe mit mehr als 200 Cheerleadern zu den Olympischen Winterspielen.

Unter der Leitung von Sportminister Kim Il Guk sei die Delegation mit 280 Mitgliedern über die militärische Demarkationslinie im Westteil der Grenze eingereist, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul mit.

Die Gruppe umfasste neben den Cheerleadern auch 26 Taekwondo-Sportler, Sportfunktionäre und Journalisten.