Historische WWM-Ausgabe: Kohl-Enkel patzt bei Politik-Frage, Jauch verschenkt richtige Antwort

Michael Eichhammer
·Lesedauer: 5 Min.
Jasmin Jasper sorgte für einen denkwürdigen Moment in der Geschichte von
Jasmin Jasper sorgte für einen denkwürdigen Moment in der Geschichte von

Jasmin Jasper machte kein Hehl daraus, dass sie die ersten "Wer wird Millionär?"-Fragen zu einfach fand. Dieses Necken provozierte den Moderator zu einer beispiellosen Trotzreaktion: Er "schenkte" der Kandidatin eine Antwort.

Gerade als man denken konnte, in der langjährigen Historie des Fernsehklassikers "Wer wird Millionär?" müsse man langsam alles schon einmal gesehen haben, überraschte Günther Jauch mit einer Aktion, die er wohl in der Geschichte der Quizshow noch nie gebracht hatte. Auslöser war eine junge Dame, die keinen Hehl daraus machte, dass sie die ersten Stufen auf dem Weg zur Million nicht als Herausforderung erlebte.

Doch der Abend begann mit einem anderen Kandidaten: Johannes Volkmann war ein bekanntes Gesicht, das den Zuschauern wohl vor allem aufgrund einer Tatsache in Erinnerung geblieben war: Der 24-Jährige ist der Enkel des verstorbenen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Er scheiterte jedoch ausgerechnet an einer Politikfrage: "Was ist seit 1952 offizieller Bestandteil der nationalen Gesundheitsbehörden in Deutschland?" Bundesalkoholamt hätte er getippt, doch zum Glück gab er zuvor auf. Richtig war Bundesopiumstelle. Volkmann ging mit 64.000 Euro nach Hause und machte Platz für eine Frau, die "Wer wird Millionär?"-Geschichte schrieb.

Jasmin Jasper ist Auszubildende zur Operationstechnischen Assistentin. Ironisch nannte sie die 100-Euro-Hürde eine "unglaublich schwere Frage". Günther Jauch war sofort hellhörig und meinte: "Kleiner Hinweis für die Redaktion: Sie macht sich über die Qualität der Fragen lustig. Könnten wir darauf reagieren? Danke!" Zunächst beschwichtigte die junge Frau: "Ich meine es nicht böse, noch lehne ich mich aus dem Fenster." Doch gleich darauf machte sie sich auch über 200-Euro-Marke lustig und beschrieb sie erneut in ironischem Tonfall als "unglaublich komplexe Frage".

Die Auszubildende zur Operationstechnischen Assistentin provozierte den Moderator immer wieder. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)
Die Auszubildende zur Operationstechnischen Assistentin provozierte den Moderator immer wieder. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Abgezogen von der Gage

Das war zu viel für den Moderator, der es bekanntermaßen deutlich mehr genießt, wenn die Kandidaten vor ihm und den Fragen in Ehrfurcht erstarren. "Ich kriege Sie schon noch, keine Angst", drohte er zunächst noch. Doch die 300-Euro-Frage schien selbst dem Moderator zu offensichtlich zu sein: "Wenn ein geistig minderbemittelter Zeitgenosse den 8. Monat des Jahres beim Namen nennt, dann sagt ein ...?" Zur Wahl standen: Eiserner "Gustav", Dummer "August", Flotter "Otto" und Strammer "Max". Die Kandidatin schnaufte: "Puh, ja gut ..." Jauch witterte erneut Ironie und konterte auf völlig ungeahnte Weise: "Wissen Sie was? Passen Sie auf! Sie müssen gar nicht antworten. Ich schenke Ihnen einfach die Antwort."

Na, was ist denn da bloß los? 😲

Gepostet von Wer wird Millionär? am Montag, 15. Februar 2021

Die Kandidatin schaute ihn irritiert an. Der Moderator scherzte nicht: "Ich gehe davon aus: Sie könnten das Mitleid später brauchen, ich schenke Ihnen das jetzt schon." Dann verriet er in einer beispiellosen Aktion die richtige Antwort: "Also die kriegen Sie geschenkt von mir: Der Dumme August. So bin ich."

Das Publikum quittierte diesen denkwürdigen Moment mit Lachen, Pfiffen und Applaus. Die Redaktion reagierte sofort auf Jauchs Bruch der Spielregeln: Auf dem Monitor des Moderators war zu lesen: "Wird von der Gage abgezogen." Jauch machte deutlich: "Und zwar von meiner!" Mit dem Anflug eines diabolischen Grinsens drohte er: "Das motiviert mich zusätzlich." Für den Rest der Sendung musste Jasmin Jasper, die zu allem Schönen im Leben stets "Ja" sagen will, ohne weitere Geschenke des Moderators auskommen. Es reichte für immerhin 16.000 Euro.

Dass sie die ersten Fragen so leicht fand, verleitete Jauch zu einer beispiellosen Reaktion: Er verriet eine Antwort! (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)
Dass sie die ersten Fragen so leicht fand, verleitete Jauch zu einer beispiellosen Reaktion: Er verriet eine Antwort! (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Verschenkt Jauch eine weitere Frage?

Mit dem nächsten Kandidaten hatte Jauch indes echtes Mitleid: Yontu Diker aus Frankfurt am Main ist Kulturmanager, der in der Corona-Zeit arbeitslos wurde. "Das heißt, wenn es einer brauchen könnte, dann Sie", befand der Moderator.

Der 41-Jährige machte uneigennützig auf die Situation vieler Kollegen aufmerksam: "Ich glaube, es gibt sehr viele in der Kunst- und Kulturbranche, die es brauchen könnten." Bei der 2.000-Euro-Frage strauchelte er jedoch - und appellierte an Jauch: "Sie hatten doch eben bei meiner geschätzten Mitkandidatin die Tendenz so großzügig zu verschenken, da sind Sie jetzt nicht mehr so dabei, ne?"

Diese nassforsche Herangehensweise kam beim Publikum gut an. Jauch verriet, warum er bei der Kandidatin die Contenance verlor: "Sie setzte gerade an, mich wieder zu demütigen. Um das zu verhindern und um ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, habe ich ihr diesen Betrag geschenkt." Durch Jauchs Erklärung wirkte sein ungewöhnliches Verhalten kaum nachvollziehbarer. Auch ohne Almosen vom Moderator erspielte Yontu Diker, der sein Körpergewicht durch eine Magen-OP um über 200 Kilo reduzieren konnte, die Summe von 32.000 Euro. "Wir freuen uns mit Ihnen - arbeitsloser Kulturmanager, da hat es den richtigen getroffen", fand Jauch.

Die Redaktion ahndete Jauchs Tat mit der Drohung, dies würde von seiner Gage abgezogen. Jasper ging mit 16.000 Euro. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)
Die Redaktion ahndete Jauchs Tat mit der Drohung, dies würde von seiner Gage abgezogen. Jasper ging mit 16.000 Euro. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)

"Das geht in die Geschichte ein, wie Sie das abgeleitet haben"

Romana Pochert aus Stockelsdorf musste für 4.000 Euro wissen: "Trotz der unbestrittenen Verdienste der Person wird wessen Name im Sprachgebrauch mit einer Fehlleistung verbunden?" Ihre These: "Sigmund Freud hat ja mit der Sexualität und so zu tun, da kann es ja mal eine Fehlleistung geben." Jauch stimmte augenzwinkernd zu: "Ja, wem sagen Sie das!"

Als die Kandidatin Freud einloggte, glaubte der Moderator: "Das geht in die Geschichte ein, wie Sie das abgeleitet haben." Doch trotz falscher Begründung war die Antwort richtig. "Handelt es sich denn um eine Fehlleistung, was Sie hier gerade abliefern?", bohrte der Moderator doppeldeutig nach, nachdem er den Gatten gefragt hatte, wie seine Frau auf die Idee käme. "Bei vier Kindern glaube ich nicht", nahm Romana Pochert dem Moderator den Wind aus den Segeln. Später spielte Jauch noch darauf an, dass ihm Informationen vorlägen, dass die Kandidatin nur im Dunklen gut munkeln könne. Themenwechsel! Es bleibt zu hoffen, dass Jauch der Kandidatin und den Zuschauern bei Romana Pocherts zweitem Auftritt derlei peinliche Momente erspart. Weiter geht es beim nächsten Mal mit 16.000 Euro.

Diesen 24-Jährigen kannten die Zuschauer noch aus der letzten Folge. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)
Diesen 24-Jährigen kannten die Zuschauer noch aus der letzten Folge. (Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius)