DHB-Star Bölk nach historischer EM-Pleite: So darf man nicht verlieren

SID
·Lesedauer: 3 Min.

Nach der historischen EM-Demütigung kratzte sich Henk Groener ratlos am Kopf. Dann sprach der Bundestrainer der deutschen Handballerinnen das aus, was ohnehin jeder gesehen hatte.

"Es war eine Handball-Lektion, die wir heute bekommen haben", sagte der Niederländer nach dem 23:42 (14:22) gegen Norwegen. (Service: Tabelle der Handball-EM)

So hoch wie gegen den Rekordeuropameister am Samstagabend hatte ein deutsches Frauen-Team bei einer EM-Endrunde noch nie verloren. (Service: Ergebnisse/Spielplan der Handball-EM)

Zwar hat die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) den Einzug in die Hauptrunde in Dänemark weiterhin in der eigenen Hand, doch diese Niederlage wird Spuren hinterlassen.

"Wir haben es zu keiner Phase des Spiels geschafft, Norwegen in den Griff zu kriegen. Dann ist so ein Ergebnis auch gerecht", gestand Groener ein. Der DHB-Coach war nach seiner überstandenen Corona-Infektion erst wenige Stunden vor dem Norwegen-Spiel zum deutschen Team gestoßen.

DHB-Handballerinnen: Debakel bei EM

Nun ist er gleich als Krisenmanager und Mentalcoach gefragt. "Was heute passiert ist, muss auf jeden Fall aufgearbeitet werden", forderte Außenspielerin Antje Lauenroth nach der schlechtesten deutschen Leistung der vergangenen Jahre.

Shootingstar Emily Bölk sagte fassungslos: "Gegen Norwegen kann man verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise. Es war nicht unser bester Tag. Aber wir werden wieder aufstehen."

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Bölk und Xenia Smits waren mit jeweils vier Treffern die besten Werferinnen der DHB-Frauen, die in der coronabedingten Abwesenheit Groeners am Donnerstag ihr Auftaktspiel gegen Rumänien noch gewonnen hatten (22:19).

Über die anvisierte Medaille muss nach der Vorstellung gegen Norwegen für den Moment aber nicht mehr gesprochen werden.

Deutschland darf das abschließende Spiel in seiner Vorrundengruppe D gegen Polen am Montag (18.15 Uhr/sportdeutschland.tv) nun nicht verlieren, um sicher in der Hauptrunde dabei zu sein. Unter Umständen könnte aber auch eine Niederlage zum Weiterkommen reichen. Die je drei besten Teams der vier Vierergruppen ziehen in die nächste Turnierphase ein.

Deutschland gegen Norwegen ohne Tempo

Bereits beim Stand von 4:7 (8.) nahm Groener bereits die erste Auszeit und monierte: "Die Lücken in der Deckung sind zu groß." Der Vorsprung des Favoriten wuchs jedoch in der Folge weiter an, auch wenn offensiv aus dem häufig zu unflexiblen deutschen Positionsangriff zunächst noch ein paar Tore resultierten.

Doch ins Tempospiel kam Deutschland viel zu selten. Norwegen ließ den Ball hingegen immer wieder schnell laufen, die deutsche Abwehr wurde immer wieder übertölpelt.

Und wenn der DHB-Auswahl vorne einer von vielen Fehlern unterlief, schaltete Norwegen blitzschnell um. So blieb das 100. EM-Spiel des EM-Rekordchampions ein einseitiges.

Schon in der Pause war der Glaube an einen Sieg verloren gegangen: "Dass wir das Spiel nicht mehr drehen konnten, war uns in der Halbzeit bewusst", sagte Lauenroth.

Und so gab es auch kein Aufbäumen mehr - im Gegenteil: Der Vorsprung wuchs weiter und weiter an. "Das ist für uns eine gute Lektion, wir müssen uns jetzt wieder aufbauen", forderte Groener.