Historikerin kämpft gegen Vorurteile zur Rolle der Frau im antiken Peru

Die peruanische Historikerin Maritza Villavicencio

Die peruanische Historikerin Maritza Villavicencio will mit Vorurteilen über die Rolle der Frau in der prä-kolumbianischen Geschichte aufräumen. Frauen hätten nicht, wie bisher von Forschern behauptet, lediglich als Priesterinnen auf die Geschicke ihrer Gemeinschaft Einfluss genommen, sondern auch als Herrscherinnen, sagte Villavicencio der Nachrichtenagentur AFP.

Ihre These erläutert die Historikerin in ihrem neuen Buch "Mujer, poder y alimentación en el antiguo Peru" (Frau, Macht und Ernährung im antiken Peru), für das sie zehn Jahre lang forschte. "Frauen waren in der Geschichte unsichtbar und mein Buch wirbt dafür, die Erinnerung an das echte Leben dieser Frauen wiederherzustellen", sagte Villavicencio.

Bislang gebe es in der Forschung eine "diskriminierende Interpretation" der Rolle der Frau im antiken Peru. "Frauen wurden als Priesterinnen kategorisiert, um ihren Status herabzusetzen", kritisierte Villavicencio. In Wirklichkeit hätten Frauen aber die Macht gehabt, "sich an den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten ihres Volkes zu beteiligen, zu entscheiden und Bündnisse mit Entscheidungsträgern zu schmieden".

Als ein Beispiel für Vorurteile gegen Frauen in der historischen Forschung nannte Villavicencio die Señora von Chornancap, eine jahrhundertealte mumifizierte Frau, die 1992 in San José del Moro gefunden wurde. Sie sei lange als hohe Priesterin bezeichnet worden, obwohl sie in Herrscherkleidung begraben worden war.

Auch die sogenannte Señora von Cao aus der Moche-Kultur sei zunächst als Priesterin eingestuft worden, obwohl ihre Leiche im vierten Jahrhundert mit einem Zepter bestattet worden war. Mittlerweile gilt sie als frühere Herrscherin, ihr zu Ehren wurde ein ganzes Museum errichtet.