Hirnvenenthrombosen: Forscher aus Hannover veröffentlichen Behandlungsempfehlung

Business Insider Deutschland
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Im März 2021 kam es im Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca zu seltenen Fällen von Hirnvenenthrombosen. Besonders viel damit befasst hat sich ein Team unter der Leitung von Andreas Tiede, Professor für Hämostaseologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die Erfahrungen, die das Team zusammen mit mehreren Kliniken und Instituten in der Diagnostik, dem Krankheitsverlauf und der Therapie gesammelt hat, wurden nun ausgewertet und als Behandlungsempfehlung in der Fachzeitschrift "Blood" zusammengefasst.

Zu den Thrombosen kommt es infolge einer fehlgeleiteten Reaktion des Immunsystems. Das Immunsystem produziert dabei Antikörper gegen ein körpereigenes Eiweiß der Blutplättchen, die sonst zur Wundheilung beitragen. Binden sich die Antikörper an dieses Eiweiß, werden die Blutplättchen aktiviert – obwohl es in diesem Fall gar keine Blutung gibt. So können sich Gerinnsel im Blut bilden und Thrombosen entstehen. Die Gefäßverschlüsse können den Ärzten zufolge aber nicht nur in den Hirnvenen auftreten, sondern auch in den Venen der Bauchorgane und den Arterien in Gehirn und Beinen.

Wer vier Tage nach der Impfung noch Nebenwirkungen hat, sollte zum Arzt

Die Behandlung der Hirnvenenthrombosen unterscheidet sich je nach Schweregrad der Erkrankung, schreiben die Forscher. So können entweder Blutverdünner oder aber auch Kortison und andere Medikamente wirksam sein. Drei der fünf behandelten Patientinnen sind inzwischen genesen – und bei allen fünf zeigte sich die jeweils angewandte Behandlung als erfolgreich.

„Für die Patientinnen war es lebensrettend, dass wir einerseits genug hoch spezialisierte Intensivbetten vorhalten und andererseits eine Klinik der Maximalversorgung sind, an der Spezialisten verschiedenster Fachdisziplinen 24 h am Tag 7 Tage in der Woche zusammenarbeiten“, sagt der Präsident der Hochschule Michael Manns in einer Pressemitteilung. Nur diese Bedingungen hätten es ermöglicht, in nur wenigen Tagen eine neuartige Erkrankung zu erfassen und zu behandeln.

Zum Glück sei diese Komplikation sehr selten, so Studienautor Andreas Tiede. Weil eine frühe Diagnose und Behandlung für eine Heilung wichtig ist rät er Geimpften, die vier Tage nach der Impfung immer noch starke Nebenwirkungen spüren, sich rasch untersuchen zu lassen. Deutet das Blutbild dann auf eine Hirnvenenthrombose hin, muss die betroffene Person sofort ins Krankenhaus — die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung stehen den Ärzten zufolge dann gut.

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