Nach Hirn-OP: Zipser spricht über Leidenszeit

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Nach Hirn-OP: Zipser spricht über Leidenszeit
Nach Hirn-OP: Zipser spricht über Leidenszeit

„Vergiss Basketball!“

Mit diesen Worten erklärte Paul Zipser im Bayern-Podcast OPEN COURT seine neue Sichtweise auf das Leben. „Basketball ist auf jeden Fall kleiner für mich. Das heißt nicht unwichtig, aber wenn‘s nicht laufen sollte, könnte ich das wohl auch schneller vergessen“, legte er nach. (NEWS: Alles Wichtige zur BBL)

Für einen Profi-Basketballer sind das überraschende Worte, bedenkt man jedoch Zipsers Vorgeschichte, gewinnen diese Aussagen enorm an Tiefe.

Vor dem vierten Playoff-Halbfinale gegen die MHP Riesen Ludwigsburg am 4. Juni 2021 musste der 27-Jährige kurz vor dem Spiel passen. Wenig später vermeldete der FC Bayern Basketball, dass sich der ehemalige NBA-Profi „derzeit in intensiven medizinischen Untersuchungen“ befinde. „Erst nach deren Abschluss wird sich der FCBB wieder zum Stand der Dinge äußern.“ (BERICHT: Zipser-Drama: FCB-Coach emotional)

Schock-Diagnose für Zipser: Hirntumor

Zu dem Zeitpunkt war Zipser selbst aber schon klar, dass etwas nicht stimmt. „Zusammen mit den Kopfschmerzen hat sich das zunächst alles so angehört, als hätte ich eine Migräne. (…) Ich habe dann aber kurz vor dem Spiel gemerkt: Das funktioniert nicht“, erklärte er. Nachdem er am Tag danach mit Taubheitsgefühlen aufgewacht war, informierte er sofort den Teamarzt.

Ab da begannen medizinische Untersuchungen, die eine Schock-Diagnose brachten: ein eingebluteter Hirntumor am Hirnstamm, ein sogenanntes Cavernom. Eine Operation am Gehirn war unumgänglich.

„Die Operation in dem Bereich ist wirklich hochkompliziert, selbst die allerbesten Operateure der Welt kommen da an ihre Grenzen“, machte Teamarzt Sebastian Torka den Ernst der Situation klar. Im schlimmsten Fall wären bleibende Schäden im Atemzentrum die Folge gewesen.

Reha-Achterbahn und Familie

Der Betroffene konnte die Phase mit etwas Abstand schon wieder relativ gelassen beschreiben. Auch wenn Zipser kurz vor der OP schon etwas Angst gehabt habe. „Ich wusste aber, dass ich die perfekten Rahmenbedingungen habe: den perfekten Arzt, das perfekte Team drumherum. Ich weiß, dass ich ein gesunder Athlet bin im besten Alter – wenn also irgendjemand sowas übersteht, dann habe ich die optimalen Voraussetzungen.“

Danach begann die Reha-Zeit, die Höhen und Tiefen bereithielt. Wie eine Achterbahn sei sie gewesen, „stetig aufwärts, dann eine Woche zurück.“ In dieser Phase waren vor allem seine Frau Mira und die Familie ein wichtiger Anker. „Das hat uns auf jeden Fall näher zusammengebracht.“

Wann auch sportlich das Happy End ansteht, ist noch nicht klar. Immerhin trainiert der 2,03-m-Riese seit rund zwei Wochen wieder im kontrollierten Kontakt - die letzte Stufe, bevor er wieder ins Teamtraining einsteigen kann. „Abgesehen vom (richtigen, Anm. d. Red.) Kontakttraining fehlen jetzt noch ein paar Sachen, aber das ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit“, macht er sich selbst und den Fans Hoffnung auf eine baldige Rückkehr.

Doktor Torka lobt Zipser: „Der Wahnsinn“

Für Doktor Torka ist allerdings der aktuelle Zustand Zipsers schon ein kleines Wunder. „Wo Paul jetzt steht, ist der Wahnsinn für das, was er durchgemacht hat. Riesenrespekt an Paul“, beschrieb er die Leistung seines Patienten.

Und auch für den gebürtigen Heidelberger selbst wird der Zeitpunkt des Comebacks nicht die alles beherrschende Rolle spielen, denn eines hat er aus der Situation gelernt: „Gesundheit ist die Nummer eins, alles andere kommt auf Platz vier bis weiter runter.“

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