Hintergründe zum Zirkeltag: Heute ist die Berliner Mauer genauso lange weg, wie sie existierte

Zu Zeiten der Teilung (l.) war das Brandenburger Tor ein leerer Ort – heute ist es das Symbol der deutschen Einheit – und ein Hotspot für Touristen. (Bild: Clemens Bilan/AP/dapd)ntergründ

Heute feiert Deutschland ein besonderes Jubiläum: Die Berliner Mauer steht exakt solange nicht mehr, wie sie existierte.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ – Zwei Monate nach diesem historischen Satz von DDR-Staatschef Walter Ulbricht am 15. Juni 1967 stand die Berliner Mauer – und blieb genau 28 Jahre, zwei Monate und 27 Tage.

Ulbricht hatte damals auf eine Grenzschließung in Berlin gepocht, schließlich ermöglichten die offenen Grenzen Tausenden, vom Ost- in den Westteil der Stadt zu flüchten. Dem kommunistischen Regime liefen vor allem Facharbeitskräfte und Akademiker davon.


Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde Deutschland 1945 in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Berlin bestand aus vier Sektoren:

1. Dem amerikanischen Sektor (Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf)
2. Dem britischen Sektor (Charlottenburg, Spandau, Tiergarten und Wilmersdorf)
3. Dem französischen Sektor (Wedding und Reinickendorf)
4. Dem sowjetischen Sektor (Pankow, Weißensee, Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain, Lichtenberg, Köpenick und Treptow).

Insgesamt war die Berliner Mauer (hier zu sehen am Brandenburger Tor) rund 160 Kilometer lang. (Bild: Clemens Bilan/AP/dapd)

Eine Mauer war lange gar nicht im Interesse der Sowjetunion. Der Partei- und Staatschef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow forderte bereits 1958 einen Abzug der Westalliierten aus dem Westteil Berlins. Seine Drohung: ein eigener Friedensvertrag mit der DDR, der ihr die Kontrolle über die Zugangswege in den Westteil gesichert hätte. Das hätte West-Berlin isoliert. Bereits mit der Berlin-Blockade vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 versuchte die Sowjetunion genau das zu erreichen.

Die Westmächte gingen nicht auf Chruschtschows Forderungen ein und blieben standhaft. Dieser hielt seine Forderungen unbeirrt aufrecht. Berlin, so Chruschtschow, läge zur Gänze im Staatsgebiet der DDR.


Da die sowjetischen Versuche, West-Berlin für sich zu beanspruchen, erneut scheiterten, erhielt Ulbricht am 3. August 1961 die Genehmigung für einen Grenzwall. Eigentlich ein Verlust für die DDR: Schließlich bedeutete dies eine Aufgabe von Chruschtschows Forderungen. Zehn Tage später war die Mauer Realität – und wurde zum Symbol des Kalten Krieges.

Der Westen reagierte empört. Während die Ost-Propaganda die Mauer gerne als „antifaschistischen Schutzwall“ beschrieb, etablierte der West-Berliner Senat die Bezeichnung „Schandmauer“. Die westlichen Besatzungsmächte hingegen zeigten eine eher verhaltene Reaktion. US-Präsident Kennedy sprach davon, dass eine Mauer „verdammt noch mal besser als ein Krieg sei“. Der britische Premierminister Harold Macmillan konnte am Vorgehen des Ostens „nichts Gesetzeswidriges“ erkennen.

Die Mauer war rund 160 Kilometer lang und 3,6 Meter hoch. War früher der Grenzübertritt von Ost nach West in Berlin noch einfach, wurde dieser somit unmöglich. Bereits im Jahr 1952, also drei Jahre nach ihrer Gründung am 7. Oktober 1949, hatte die DDR den Bewohnern der West-Sektoren das Betreten des Staatsgebiets der DDR verboten. Erst 1963 durften West-Berliner ihre Verwandten im Osten mit dem sogenannten „Passierschein“ besuchen. Grenzübertritte wurden seitens der DDR in Schauprozessen angeklagt – dabei waren es vor allem Ost-Berliner, die in den Westen fliehen wollten. Insgesamt gab es rund 25 Grenzübergangsstellen, dreizehn Straßen-, vier Eisenbahn- und acht Wasserstraßengrenzübergangsstellen.

Die Mauer forderte auch zahlreiche Todesopfer. Ein aktuelles Projekt des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin spricht von mindestens 140 Opfern – darunter über hundert Flüchtlinge, die beim Versuch, die Grenze illegal zu überqueren, entweder erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben nahmen.

US-Präsident John F. Kennedy besuchte 1963 als amtierender US-Präsident den Checkpoint Charlie. 2014 war sein damaliger Außenminister John Kerry vor Ort. (Bild: AP Photo/File/Brian Snyder, Pool)

Heute ist die Mauer seit 28 Jahren, zwei Monaten und 27 Tagen Geschichte – eben genauso lange, wie sie existierte. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wurde sie geöffnet, knapp ein Jahr darauf feierte Deutschland seine Einheit. Heute erinnern in erster Linie zahlreiche Bruchstücke an sie. Besonders beliebt: der amerikanisch-russische Grenzübergang Checkpoint Charlie, wo heute als Soldaten verkleidete Schauspieler mit Touristen Fotos machen, eben genau dort, wo früher echte Soldaten die Grenze mit aller Härte des Gesetzes bewachten.