Hilfsprogramm: Stadt Köln will Drogensüchtige mehr unterstützen

Die Kölner Seniorenvertretung ist enttäuscht über die Pläne der Stadt.

Die Stadt will ihr Hilfsprogramm für Drogensüchtige massiv ausbauen und dafür allein in den nächsten fünf Jahren – grob kalkuliert – rund zwölf Millionen Euro investieren. Das geht aus einer Verwaltungsvorlage hervor, die der Rat auf seiner Sitzung Ende September beraten und beschließen soll.

Mit dem Geld soll nicht nur der seit langem geplante Drogenkonsumraum am Neumarkt finanziert werden, sondern auch weitere Kontakt- und Beratungsangebote in Mülheim, Kalk und Chorweiler aufgebaut werden. Außerdem sollen die bestehenden Einrichtungen in Porz und in Meschenich erweitert werden.

Drogen-Hotspots in Köln befrieden

Ziel ist es, bekannte Hotspots der Drogenszene wie etwa am Neumarkt, am Wiener Platz oder vor dem Bezirksrathaus in Kalk zu befrieden. Verbunden ist damit nicht zuletzt die Hoffnung, den Konsum auf offener Straße einzudämmen und die damit einhergehenden Belastungen für die Bevölkerung zu reduzieren.

Anwohner und Geschäftsleute rund um den Neumarkt bezweifeln allerdings, dass dies gelingen kann. Sie befürchten im Gegenteil, dass ihr Viertel durch den Konsumraum erst recht zum Anziehungspunkt für Dealer und Abhängige wird. Der Vorstoß von Sozialdezernent Harald Rau bedeutet auch ein Umschwenken in der bisherigen Planung. Ursprünglich wollte die Stadt zunächst die Erfahrungen mit dem Drogenkonsumraum abwarten, der voraussichtlich Mitte 2018 in der Thieboldsgasse in unmittelbarer Nähe des Neumarkts seinen Betrieb aufnehmen wird. Erst im Anschluss wollte sie die Planungen für weitere Hilfsangebote auch jenseits der Innenstadt vorantreiben.

„Druck ist groß geworden“

„Der Druck ist aber inzwischen so groß geworden, dass wir uns entschieden haben, die notwendigen Mittel jetzt zu beantragen“, sagte Rau. Vorausgesetzt der Rat bewillige die Gelder, werde er in Mülheim sofort mit der Suche nach geeigneten Räumen beginnen. Die Zeit drängt: Derzeit gibt es lediglich drei Konsumplätze für ganz Köln – genauso viele wie in dem wesentlich kleineren Troisdorf.

Nach Vorstellungen der Stadt sollen die Planungen in Mülheim deshalb bereits 2018 beginnen, 2019 würde Kalk folgen. Dort soll jeweils ein Kontakt- und Beratungsangebot inklusive Konsumraum entstehen. Die große Unbekannte ist allerdings, wie schnell es gelingt, dafür geeignete Immobilien zu finden – am Neumarkt hatte sich die Suche äußerst schwierig gestaltet und mehr als ein Jahr gedauert. Ab 2021 soll dann in Chorweiler ein neues Hilfsangebot aufgebaut werden, allerdings ohne Konsumplätze.

Ob es bei den jetzt einkalkulierten zwölf Millionen Euro bleibt, steht noch keineswegs fest. Zu unsicher sind viele Kostenfaktoren, wie etwa die zu zahlende Miete für die Immobilien. Bereits jetzt ist klar, dass die 800.000 Euro, die ursprünglich für den Betrieb des Konsumraums am Neumarkt berechnet wurden, nicht ausreichen. So wird etwa der Umbau 750.000 Euro teurer als gedacht, und auch die Personalkosten werden sich um jährlich 370.000 Euro erhöhen.

Längere Öffnungszeiten

Um das Viertel rund um Neumarkt und Josef-Haubrich-Hof zu entlasten, will die Verwaltung einen Teil der Substitutionsambulanz in der Lungengasse möglichst verlagern. In der Praxis, die gemeinsam von Gesundheitsamt und Drogenhilfe betrieben wird, werden 280 Patienten mit Ersatzstoffen wie Methadon versorgt. Die Ambulanz sei zudem nicht barrierefrei, was bei zunehmendem Alter der Patienten zum Problem werde, sagte Rau. Wo die Dependance entstehen könnte, steht allerdings noch nicht fest.

Eine weitere Entlastung verspricht sich die Stadt von der Erweiterung der Öffnungszeiten im bestehenden Konsumraum am Hauptbahnhof sowie von einer deutlichen Verstärkung der Reinigung des Neumarkt-Umfelds durch die AWB....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta