Hilferuf von Aisha: Journalistin (22) sitzt weiter in Afghanistan fest

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Aisha ist eine junge Journalistin, die über die Lage in Afghanistan berichtet. Eigentlich studiert die 22-Jährige noch, aber sie hatte mit eigenen auf Twitter geposteten Videos von den Tausenden verzweifelten Menschen berichtet, die nach der Machtübernahme der Taliban den Flughafen Kabul gestürmt hatten.

Gleichzeitig versuchte Aisha - mit ihren Eltern -, Afghanistan zu verlassen. Nicht nur sie, auch ihr Vater wurde von den neuen Machthabern mit dem Tod bedroht. Ihr verzweifelter Hilferuf auf Twitter wurde von vielen internationalen Journalistinnen und Journalisten geteilt. Aber bis heute sitzt Aisha in Kabul fest.

Zusammen mit ihren Eltern war sie am 27. August am Flughafen Kabul am Abbey Gate - doch sie mussten umkehren, als die verheerende Bombe explodierte. Mehr als 100 Menschen verloren ihr Leben. Aisha wurde nur leicht verletzt.

Die Studentin schreibt nun zu Hause Texte, erklärt auf Twitter, wie sie die Situation einschätzt, meint, dass die internationale Staatengemeinschaft den Versprechen der Taliban nicht trauen sollte - und sie bemüht sich weiterhin darum, Afghanistan zu verlassen.

Im französischen Radiosender FRANCE INTER hat die Frauenrechtsaktivistin Anne-Cécile Mailfert von der "Fondation des Femmes" einen emotionalen Brief an Aisha vorgelesen - über das verpasste Zusammentreffen mit Aisha am Flughafen Kabul.

Seit Wochen setzt sich auch der Brite Simon Morrish für Aisha und mehrere weitere junge afghanische Frauen ein. Eine andere 22-Jährige hat es mit seiner Hilfe aus Kabul nach Polen geschafft - zusammen mit ihren kleinen Kindern. Der Familienvater und Ingenieur erklärt, dass Aisha eigentlich keine Spenden annehmen wollte. Aber schließlich hat sie der Seite auf der Internetplattform GoFundMe zugestimmt.

Viele in Afghanistan haben seit dem 15. August kein Einkommen mehr.

Zuletzt hatte Aishas Vater versucht, 100 Dollar von einem Konto abzuheben, aber er hat es nicht geschafft. Wie Euronews-Reporterin Annelise Borges aus Kabul berichtet, stehen die Menschen weiterhin stundenlang vor den Banken an - oft werden einzelne Leute von Taliban zusammengeschlagen.

Aisha versichert, dass das gespendete Geld nur dafür ausgegeben wird, Anträge auf Visa zu stellen, die es ihr und anderen Frauen erlauben sollen, aus dem Land herauszukommen.

Auf der Internetseite des deutschen Auswärtigen Amt heißt es: "Diejenigen Afghaninnen und Afghanen, etwa aus Zivilgesellschaft, Medien, Kultur und Wissenschaft, die die Bundesregierung bis zum Ende der militärischen Evakuierungsaktion als besonders gefährdet identifiziert hat, und denen wir eine Ausreise mit der Bundeswehr in Aussicht gestellt hatten, werden (...) bei der Ausreise unterstützt. Das Auswärtige Amt wird sie aktiv kontaktieren und informieren, wenn für sie eine Aufnahmezusage vorliegt. Ist dies der Fall, können die deutschen Auslandsvertretungen in den Nachbarstaaten – vorbehaltlich einer Sicherheitsprüfung – schnell und unkompliziert Dokumente zur Einreise nach Deutschland ausstellen."

Wie surreal die Situation in Kabul ist, zeigt auch das Video, das Aisha als "no comment" gepostet hat: Kinder benutzen ein ausgedientes Militärfahrzeug als Karussel.

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