High Roller Geshkenbein: "Schlecht mit Geld umgegangen"

Sebastian Mittag
Vladimir Geshkenbein sitzt auch in der neuen Staffel German High Roller am Tisch

Poker ist oft ein Auf und Ab. Vladimir Geshkenbein kann davon ein Lied singen. Der russischstämmige Schweizer gewann große Turniere, räumte hohe Gewinne ab - und verlor alles.

Bei German High Roller ist Geshkenbein Stammgast. Auch in der neuen Folge (ab 17.30 Uhr exklusiv im TV auf SPORT1) sitzt er am Pokertisch im tschechischen King's Casino.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 29-Jährige über Europas größtes TV-Cashgame, die Schattenseiten des Spiels und seinen Weg heraus aus der Krise.

SPORT1: Herr Geshkenbein, aktuell laufen auf SPORT1 die neuen Folgen der German High Roller. Sie waren schon öfter dabei. Was ist für sie das Besondere an diesem Format?

Vladimir Geshkenbein: Es ist ein Spiel, das nicht so ernst ist wie normalerweise in einem Casino. Es macht einfach unheimlich Spaß. Die Mitspieler sind sehr locker drauf. Dass das Ganze fürs Fernsehen ist, macht es noch aufregender.

SPORT1: Ist es für Sie immer noch spannend, vor TV-Kameras zu spielen?

Geshkenbein: Ja, das ist immer wieder von Neuem aufregend. Ich bin immer noch ein bisschen nervös. Ich denke, das wird mein Leben lang so bleiben. Die Stakes sind natürlich auch hoch. Auch für mich. Die Einsätze sind durchaus höher, als die, die ich sonst spiele. (German High Roller: Die Sendetermine)


SPORT1: Leon Tsoukernik ist unberechenbar und hat als Boss im King's Casino das nötige Geld, sich immer wieder einzukaufen. Wie ist es gegen einen solchen Spieler bei German High Roller zu spielen?

Geshkenbein: Einerseits ist es leichter, weil er sehr viele Blätter spielt, auch mit schlechteren Karten. Andererseits ist er sehr schwer einzuschätzen. Ab und zu packt er einen Bluff aus, den man niemandem zutrauen würde. Da muss man aufpassen. 

SPORT1: Wer ist für Sie der beste Spieler in der aktuellen Staffel der German High Roller?

Geshkenbein: Ganz klar Quirin Zech! Er spielt seit Jahren professionell Poker, hat einen sehr seriösen Ansatz, hat sehr viel Live-Erfahrung. Er kennt auch sehr gut mein Spiel, weil wir sehr oft gegeneinander gespielt haben.

SPORT1: Wie läuft es für Sie beim Turnier-Poker? Immerhin haben sie bei Live-Turnieren insgesamt fast 2,5 Millionen Dollar an Preisgeldern erspielt. Reisen Sie noch regelmäßig zu Turnieren?

Geshkenbein: Wenn ich Zeit habe. Ich bin aktuell hauptberuflich Student. Ich studiere, was man eben so als Pokerspieler studiert: Wirtschaft. Aber als Student hat man ja viele Ferien und da fahre ich durchaus gerne zu Turnieren. Bei der World Series of Poker in Las Vegas bin ich nach wie vor jedes Jahr. Und im Winter versuche ich, an warmen Zielen wie in Asien oder Australien zu spielen.

SPORT1: Sie haben auch die Schattenseiten des Poker kennengelernt, haben 2013 all ihr Geld verloren, konnten Schulden nicht zurückzahlen. Wie kam es dazu?

Geshkenbein: Sehr schlechtes Bankroll-Management, falsche Entscheidungen, Selbstüberschätzung. Die klassischen Fehler, die man begehen kann. 


SPORT1: Wie fühlte sich die Situation für Sie persönlich an?

Geshkenbein: Sehr, sehr unangenehm. Pleite zu sein, nachdem man viel Geld hatte, ist noch unangenehmer als wenn man es nie anders kannte. Ich bin sehr schlecht mit Geld umgegangen. Es hat mich sehr lange Zeit belastet, Schulden zu haben. Ich bin froh, alles komplett zurückgezahlt zu haben. Natürlich bleibt das an einem haften - aber ich denke, das Wichtigste ist, aus seinen Fehlern zu lernen. Und ich glaube, das habe ich auch gut hingekriegt. 

SPORT1: Was haben Sie gelernt?

Geshkenbein: Mich besser unter Kontrolle zu halten, meine Emotionen in den Griff zu kriegen. Das ist sehr wichtig.

SPORT1: Wie haben sie die Situation psychologisch verarbeitet?

Geshkenbein: Am Anfang ist es hart, Luxus nicht mehr zu haben, wenn man ihn vorher gewöhnt war. Aber der Mensch ist ein Gewöhnungstier. Bei mir ging das schnell, ich habe meinen Lebensstil angepasst. Ich war dann wieder Student und habe wie ein Student gelebt. Ich hatte Studentenjobs und habe ganz normal gearbeitet, habe angefangen, Geld zurückzuzahlen. Ich hatte aber auch das Glück, von sehr guten Freunden weiterhin unterstützt zu werden. Sie haben mir die Chance gegeben, das zu machen, worin ich gut bin: Pokern. Es hat sich dann auch für sie gelohnt: Ich habe hier und da wieder ein Turnier gewonnen.

SPORT1: Haben Sie auch daran gedacht, mit Poker aufzuhören?

Geshkenbein: Schon mehrmals. Poker ist auch nicht mehr die Nummer eins in meinem Leben. Ich habe das sehr stark zurückgefahren. Früher habe ich gegen jeden gespielt, ich hatte keine Angst. Und auch keinen Respekt. Heute spiele ich nur noch die guten Games.