Das Nein von Heynckes vergrößert Hoeneß' Sorgen

Martin Hoffmann, Martin Volkmar

Jupp Heynckes schob es auf die chaotische Gefühlswelt von Uli Hoeneß. Obwohl er es eigentlich besser wissen müsste.

"Da hat er wohl etwas emotional reagiert", sagte der Trainer des FC Bayern München zum jüngsten Vorstoß des Präsidenten, dass Heynckes auch ein Jahr länger Trainer beim Rekordmeister bleiben könnte.

Kann er nicht, so viel stellte Heynckes umgehend klar: "Es gibt ganz klar eine Vereinbarung bis zum Ende der Saison. Und dabei bleibt es, da gibt es nichts dran zu rütteln."

Hoeneß hat trotzdem dran gerüttelt. Und zwar gewiss nicht aus einer Laune heraus.


Hoeneß hat das Thema bewusst gesetzt

Der Bayern-Präsident selbst hat oft genug klar gemacht, dass hinter seinen scheinbar spontanen Emotionsausbrüchen meistens geplantes, rationales Kalkül steckt.

In diesem Fall muss das gerade auch für seinen Freund Heynckes offensichtlich gewesen sein. Ganz bewusst hatte Hoeneß am Freitagabend das offizielle Ende der Jahreshauptversammlung abgewartet, um dann nicht auf großer Bühne, sondern in aller Ruhe im kleinen Journalistenkreis sein Thema zu setzen.


"Ich halte das für möglich, da ist nichts ausgeschlossen", sagte er zu einer möglichen Heynckes-Verlängerung über den Sommer hinaus. Sportchef Hasan Salihamidzic äußerte sich am Tag darauf ähnlich.

Nach dem 1:2 bei Borussia Mönchengladbach ließ Heynckes beide abblitzen. Die Trainer-Legende, die im Sommer 73 sein wird, will nicht noch ein Jahr dranhängen - und versperrt Bayern damit den eleganten Ausweg aus einem Dilemma, das seit Heynckes' Amtsübernahme nicht kleiner geworden ist.

FC Bayern verharrt im Schwebezustand

"Alle im Verein schweben nur noch": Was Hoeneß bei der JHV als Kompliment meinte, lässt sich auch ins Negative drehen.


Die - nun beendete - Siegesserie unter Heynckes hat übertüncht, dass bei Bayern weiterhin mehr Dinge im Schwebezustand sind, als Hoeneß lieb sein kann.

Nicht nur, dass die Pleite in Gladbach sanft daran erinnerte, dass keineswegs alle sportlichen Probleme der Ära Ancelotti gelöst sind. Der Generationswechsel in der Mannschaft ist mittelfristig noch immer genauso notwendig wie der Generationswechsel auf der Führungsebene. Und eben auch auf der Trainerbank.

Noch immer ist ungewiss, wer die Bayern dort in neue Zeiten führen soll. Seit Heynckes Anfang Oktober den Nothelfer macht, ist diese Ungewissheit sogar noch größer geworden.

Tuchel? Nagelsmann? Überall ein Haken

Thomas Tuchel? Fachlich kompetent, aber mit dem Risiko behaftet, in München genauso am menschlichen Faktor zu scheitern wie in Dortmund.

Julian Nagelsmann? Ist mit Hoffenheim in der UEFA Europa League an seiner ersten internationalen Herausforderung gescheitert. Die Zweifel, dass er schon jetzt der Richtige für Bayern ist, sind gewachsen.

Joachim Löw? Tendiert erstens Richtung Ausland, sollte er nach der WM als Bundestrainer aufhören. Und ist zweitens nach großen Turnieren erst mal erholungsbedürftig.

Ralph Hasenhüttl? Der RB-Leipzig-Coach gilt inzwischen als interner Favorit der Bayern-Bosse, ist aber anscheinend ebenso wenig für Bayern zu haben wie Liverpools Jürgen Klopp.

2019 wäre die Marktlage günstiger

Aus Hoeneß' Sicht ergab es deshalb Sinn, die Heynckes-Debatte zu eröffnen.

Die Bayern würden Zeit gewinnen, wenn Heynckes bis 2019 weitermacht. Zeit, in der Nagelsmann noch etwas mehr reifen könnte, Löw sich erholen, Hasenhüttl etwas mehr Lust auf eine neue Herausforderung gewinnen könnte. Und so weiter.

Mindestens als Joker hätte Hoeneß Heynckes in der T-Frage deshalb weiter gern in der Hinterhand.

Er dürfte weiter darauf hoffen, die harte Haltung des Triple-Trainers von 2013 noch aufweichen zu können.